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Karneval Deutschland ergötzt sich an der Feierkultur

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Gründe der Faszination

Heiliger Bimbam - Der Weltjugendtag wandelt sich mehr und mehr vom Glaubensfest zur religiösen Mega-Party Quelle: dpa/dpaweb

Das „Selbst-Erfundene“, die „selbst geschaffene Euphorisierung“, so Schulze, sei das Faszinierende am Live-Event. Wenn das Instant-Erlebnis etwas kompensiert, dann die Vorherrschaft der digitalen Welt. Der virtuelle Aufenthaltsraum, so angenehm wir ihn uns herrichten, kranke am „Stigma der Weg-Klickbarkeit“, an der „Nicht-Erreichbarkeit der Nah-Sinne“. Der Live-Event hingegen verbindet die Zeit mit dem Ort, das „Jetzt“ mit dem „physischen Hier“, das digital gar nicht herstellbar ist – er lässt die Menschen den „Eros der körperlichen Präsenz in der analogen Welt“ wiederentdecken, das „gemeinsame Drama vor Ort“.

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Festivalisierung als Überbietungswettbewerb

Städte, ja ganze Regionen wollen daher heute „bespielt“ werden. Wenn sich drei Millionen Menschen zur Feier der Kultur-Hauptstadt Ruhr 2010 zum Stelldichein auf die A 40 begeben, erzeugen sie eine Erlebniserwartung, die schon durch die Massenhaftigkeit des Events bestätigt wird. Seine Einmaligkeit erzeugt eine Aura, stiftet im Idealfall einen Mythos, der auf die ganze Metropol-Region ausstrahlt, die sich dadurch wiederum Standortvorteile verspricht: Großereignisse sollen die Stadtentwicklung voranbringen, Investoren anlocken und die Identität von Stadt und Region stärken. Die Festivalisierung gilt heute als Königsweg im Überbietungswettbewerb um Aufmerksamkeit.

Sehen und Gesehenwerden

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Ganz neu indes ist das Konzept nicht. Wenn der Frankfurter Römerberg heute als Bühne für Konzerte, Festempfänge und Weihnachtsmärkte dient, dann wird damit die Tradition der mittelalterlichen Feste, Passionsspiele und Turniere variiert: „Wir spielen alle Theater“, steht von jeher unsichtbar über den Stadttoren geschrieben. Die Ur-Idee der Kultur, sagt Gerhard Schulze, bestehe im Sehen und Gesehenwerden, „im Hin und Her von Zeigegesten, bei dem jeder sowohl Darsteller ist als auch Publikum“. Im Karneval ist diese Idee beispielhaft aufbewahrt. Er eröffnet eine Arena, in der das Ich seinen großen Auftritt hat und im Wir zu sich selbst kommt.

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