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Wie die Flüchtlingskrise den Arbeitsmarkt verändert

Simone Janson Freie Autorin

Die Flüchtlingswelle bringt auch kreative Ideen hervor - etwa, was die Integration auf dem Arbeitsmarkt angeht. Dabei geht es nicht nur um neue Jobs für, sondern auch um neue Jobs durch Flüchtlinge.

Diese Länder beherbergen die meisten Flüchtlinge
Platz 10: IrakFlüchtlinge: 246.300 Teil der Gesamtbevölkerung: 0,85  Prozent*   *Der Flüchtlingsanteil an der Gesamtbevölkerung in diesem und den folgenden Bildern entstammt eigenen Berechnungen. Quelle: AP
Platz 9: USAFlüchtlinge: 263.600 Teil der Gesamtbevölkerung: 0,0008  Prozent Quelle: dpa
Platz 8: ChinaFlüchtlinge: 301.000 Teil der Gesamtbevölkerung: 0,0002  Prozent Quelle: dpa
Platz 7: ÄthiopienFlüchtlinge: 433.900 Teil der Gesamtbevölkerung: 0,45  Prozent Quelle: obs
Platz 6: TschadFlüchtlinge: 434.500 Teil der Gesamtbevölkerung: 4 Prozent Quelle: dpa/dpaweb
Platz 5: KeniaFlüchtlinge: 534.900 Teil der Gesamtbevölkerung: 1,4 Prozent Quelle: REUTERS
Platz 4: TürkeiFlüchtlinge: 609.900 Teil der Gesamtbevölkerung: 0,8 Prozent Quelle: REUTERS

Die Reaktionen auf die aktuelle Flüchtlingswelle, die uns in den Medien vermittelt werden, schwanken zwischen Hilfsbereitschaft und Willkommenskultur sowie Skepsis und Angst vor der immensen Aufgabe. Dabei gibt es längst eine dritte Sichtweise im Umgang mit dem an sich schwierigen Thema: eine pragmatische, die hilft, kreative Lösungen für Probleme zu finden. Ein Umdenken, das innovative Ideen hervorbringt, aus denen auch mehr werden kann, als ein spontanes Projekt.

Zudem entstehen rund um das Thema Flüchtlinge tausende neue Jobs. Denn Not macht bekanntlich erfinderisch, auch wenn es abgedroschen klingt. Und mal ehrlich: Haben wir eigentlich eine andere Wahl? 

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern

Eines der vordringlichsten Probleme wird die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt sein. Seit dem 6. beziehungsweise 11. November 2014 gelten laut GGUA Flüchtlingshilfe e.V. für Asylsuchende mit Aufenthaltserlaubnis und Personen mit Duldung folgende Regelung: Die Wartefrist für die Arbeitserlaubnis verkürzt sich von bisher neun beziehungsweise zwölf Monaten auf die ersten drei Monate des Aufenthalts. Danach ist ein nachrangiger Arbeitsmarktzugang möglich.

Hierbei muss für eine konkrete Beschäftigung eine Erlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragt werden, die wiederum die Zustimmung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) benötigt. Ohne die Zustimmung des ZAV können Flüchtlinge Ausbildungen und Praktika beginnen oder Jobs für Hochqualifzierte antreten, sofern sie mehr als 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen. Erst nach vier Jahren können alle Jobs angenommen werden. Eine Zustimmung der Ausländerbehörde ist aber dennoch in allen Fällen nötig.

Neue Jobs durch Flüchtlinge

Das könnte sich ändern, denn nicht nur Daimler-Chef Dieter Zetsche will gezielt Flüchtlinge als Arbeitskräfte gewinnen und prognostiziert ein neues Wirtschaftswunder; auch Sterne-Koch Heinz Winkler bildet Flüchtlinge aus und die Bundesagentur für Arbeit richtet in Flüchtlingslagern Integration Points ein. Daneben entstehen durch die Flüchtlinge auch neue Jobs: Laut "Bild"-Zeitung benötigt Deutschland jetzt 20.000 bis 25.000 neue Lehrer, 20.000 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst15.000 Polizisten, 50.000 Sozialarbeiter und 6000 Ärzte.

Was Flüchtlinge dürfen

Mediales Aufsehen erregten David Jacob und Philipp Kühn. Die beiden Studierenden des Kommunikationsdesigns haben als Bachelorarbeit die Seite Workeer.de gebaut, eine Jobbörse, die speziell Flüchtlinge mit potentiellen Arbeitgebern zusammenbringen soll. 868 Bewerber, 1508 Jobs und 1102 Arbeitgeber präsentieren sich bislang hier mit Profilen, Fotos, Angaben zu Sprachkenntnissen usw. Einen Schritt weiter geht das Projekt refupreneur.eu, das aus Flüchtlingen Unternehmer machen will und Flüchtlinge beim Crowdfunding unterstützen will.

Da eines der Grundprobleme bei der Jobsuche die deutsche Sprache darstellt, will das Projekt German for Refugees Flüchtlinge sowie potentielle Arbeitgeber mit einer Deutschkurs-Suchmaschine unterstützen.

Wo Flüchtlinge in Deutschland wohnen
Autobahnmeisterei Quelle: dpa
Deutschlands höchstgelegene Flüchtlingsunterkunft befindet sich im Alpenvorland Quelle: dpa
Container Quelle: dpa
Bischofswohnung und Priesterseminar Quelle: dpa
Eissporthalle Quelle: Screenshot
Ehemaliger Nachtclub als Flüchtlingsunterkunft Quelle: dpa
Jugendherberge Quelle: dpa

Ende Oktober findet in Berlin der Refugee-Hackathon statt, bei dem digitale Lösungen für Probleme wie die Abstimmung von Spenden oder bürokratische Hindernisse bei der Integration gefunden werden sollen.

Etwas enttäuschend wirkt allerdings die Unterstützung der Bundesregierung für solche Projekte: Noch im August 2015 hatte sie ein Ankommer-Stipendium mit 12.000 Euro ausgeschrieben, allerdings erhalten die Sozialunternehmer in spe nur bei genauerem Hinsehen lediglich ortsgebundene Sachleistungen wie Büroräume.

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