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Katrin Suder Die neue Geheimwaffe von Ursula von der Leyen

Erst McKinsey, jetzt Beamtin - Katrin Suder hat einige Vorurteile überwunden. Jetzt soll die Staatssekretärin zeigen, ob sie Ursula von der Leyen den Weg ins Kanzleramt ebnen kann.

Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, Katrin Suder Quelle: dpa

Morgens, wenn Katrin Suder den Parkplatz überquert, zucken die Ersten zusammen. Die Staatssekretärin geht im Laufschritt zum Bendlerblock. Langsam – das kennt sie nicht, ihre halbhohen Schuhe klackern schnell aufs Verteidigungsministerium zu.

Untergebene, die im Verteidigungsministerium unter penibel verteilter Verantwortungslosigkeit stöhnen, schätzen die 43-Jährige. Andere fürchten sich in der neuen Zeit. Und vor der Chefin. Die ist nicht nur schnell, sie weiß sich durchzusetzen.

Militärs und Ministerium befinden sich seit dem Antritt von Ursula von der Leyen (CDU) im Kulturschock. Deutschlands erste Verteidigungsministerin holte sich auch noch eine Generalistin als Chefin für die Generäle. Die hatte von Rüstung wenig Ahnung, krempelte aber Unternehmen um.

Armee mit Schrott
Helme der Bundeswehr Quelle: dpa
Der Puma-Panzer ist nicht zu bremsen Quelle: dpa
Eine Rekrutin der Bundeswehr sichert auf einem Truppenübungsplatz eine Patrouille. Quelle: dpa
Mitte September 2014 sorgte diese Panne für Aufsehen und lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit nach längerer Zeit wieder auf die Ausrüstungsmängel bei der deutschen Bundeswehr: Weil die Transall-Maschinen der Bundeswehr technische Defekte aufwiesen, konnten die Ausbilder, die kurdische Peschmerga-Kämpfer bei ihrer Arbeit gegen den radikal islamischen IS im Irak vorerst nicht zu ihrer Mission aufbrechen. Sie mussten die Maschinen auf dem Militärflugplatz Hohn wieder verlassen. Es ist die jüngste, aber bei weitem nicht die erste Blamage in Sachen Bundeswehrausrüstung. Quelle: AP
Wie jetzt durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt wurde, gab es auch bei den Bordhubschraubern vom Typ Sea Lynx der Marine erhebliche Ausfälle. Von 22 Maschinen sei keine einzige einsatzbereit, so das Blatt, was sich nach dem der „SZ“ vorliegenden internen Dokument 2014 auch nicht mehr ändern werde. Im Juni wurde demnach in einem Modell einer Fregatte ein 20 Zentimeter langer Riss entdeckt, woraufhin der komplette Betrieb mit dem Modell zunächst eingestellt wurde. Wohl zu Recht: Danach wurden an drei weiteren Hubschraubern ähnliche Schäden gefunden. Quelle: dpa
Bereits im August gab es Berichte über nur bedingt einsatzfähiges Bundeswehrmaterial. So meldete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf ein internes Dokument des Verteidigungsministeriums, von den hier Schau fliegenden Kampfjets des Typs Eurofighter seien nur acht von 109 Maschinen voll einsatzbereit. Von 67 CH-53-Transporthubschraubern konnten demnach im August ebenfalls nur sieben in die Lüfte gehen. Quelle: dpa
Und auch die Bundeswehrhubschrauber vom Typ NH-90 glänzten nicht gerade mit Bereitschaft: Laut „Spiegel“ waren im Sommer nur fünf von 33 voll intakt, während unter den Transall-Maschinen des Typs C-160 auch damals nur 21 flugtüchtig waren. Quelle: dpa

Schafft sie das auch bei der Bundeswehr mit 270.000 Beschäftigten und 2300 laufenden Rüstungsvorhaben, die rund 88 Milliarden Euro wert sind, könnte die Neubeamtin von der Leyen den Weg ins Kanzleramt ebnen. Nebenbei dürfte das die deutsche Militärbranche umwälzen, die lange eng verbunden mit dem Ministerium lebte.

Im dritten Leben

Zur Belastungsprobe für von der Leyens Leibwache wird nun die Affäre um Sturmgewehre vom Typ G36, die bei Hitze nicht zielgenau sein sollen. Wird bei Materialschwäche also wieder geprüft und verschleppt? Soldaten und Wähler erwarten einen neuen Stil, der Fehler behebt. Das verspricht von der Leyen.

Zwar will Suder über sich nicht reden, sie lehnt das im Gespräch freundlich ab. Nur zweimal ließ sich die Umsteigerin von Journalisten zitieren. Das diente aber einer höheren Sache – der Glorifizierung ihrer Chefin. Doch aus ihren Auftritten, aus Gesprächen mit Politikern, Wirtschaftsleuten und Studienfreunden ergibt sich ein Bild.

Sie gilt als extrem. Extrem intelligent, extrem schnell, extrem hart zu sich selbst, extrem begabt. Manche fügen hinzu, sie sei auch sehr lustig und uneitel.

Suder passt nicht ins Verteidigungsministerium. Schon äußerlich: Sie trägt die langen Haare offen, zum Anzug lässig einen dicken Schal und ein buntes Glasperlen-Armband. Am Hals baumelt das silberne Anch-Kreuz. Das ägyptische Symbol steht für Lebenskraft und ein Weiterleben im Jenseits.

Die heißen Eisen unter den Rüstungsprojekten der Bundeswehr

Katrin Suder ist bereits in ihrem dritten Leben angekommen. Stets startete sie als Exotin. Hinterher, wissen Weggefährten, war das Teil ihres Erfolges. Bei ihr gilt der Satz nichts: „Das machen wir immer so.“ Und obwohl ihr Weg nicht geplant war, lässt sich ein roter Faden finden.

Die Physikerin: Im ersten Leben promoviert die Mainzerin aus gutbürgerlicher Familie in Neuroinformatik. An der Universität hat sie die Theatergruppe „Poetischer Anfall“ gegründet und einen Bachelor in Literaturwissenschaft angehängt.

Die Unternehmensberaterin: In der Wissenschaft sind die Jobs rar, sie will auch lieber Greifbares tun. Ihre Denkweise als Naturwissenschaftlerin nimmt sie in ihr zweites Leben mit. Sie bewirbt sich als Beraterin bei dem Laden, in dem Effizienz und Elite als höchstes Lob gelten. Suder gab zu, dass sie im Jahr 2000 „nicht wirklich wusste, wer oder was McKinsey ist“.

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