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Keine Abwrackprämie für Verbrenner Autobauer machen gute Miene zum Konjunkturpaket

In der Autoindustrie herrscht Uneinigkeit über das Konjunkturpaket der Bundesregierung. Eine Neuauflage der Abwrackprämie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wird es nicht geben. Quelle: dpa

Nun haben Autobauer und Kunden Klarheit: Es wird in der Coronakrise keine Neuauflage der Abwrackprämie für Verbrenner geben. Was hält die Autobranche vom Konjunkturpaket der Regierung?

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Die neuen Konjunkturhilfen der Bundesregierung werden von der Autobranche mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bedauerte am Donnerstag, dass es die als Anschub in der Coronakrise erhoffte Neuauflage der Abwrackprämie für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht geben wird. Die Senkung der Mehrwertsteuer und die Verdopplung des staatlichen Anteils an der E-Auto-Prämie könnten aber einen Beitrag leisten, um die schwache Autonachfrage anzukurbeln. VDA-Chefin Hildegard Müller stellte in Aussicht, dass die im Verband organisierten Hersteller die Mehrwertsteuersenkung „in vollem Umfang“ an die Kunden weitergeben werden. Die einzelnen Unternehmen prüften zudem, inwieweit deren Wirkung durch eigene Maßnahmen verstärkt werden könne.

An der Börse senkten die Anleger den Daumen: Aktien von Daimler, VW und BMW büßten teils kräftig ein, weil nicht auch Verbrenner gefördert werden.

VDA-Chefin Müller wies darauf hin, dass Hersteller, Lieferanten und Autohäuser mitten im Umbruch steckten. „Ohne eine belastbare wirtschaftliche Perspektive werden sie die weitere Entwicklung in Richtung Klimaschutz und Digitalisierung nicht in dem Tempo und dem Umfang gestalten können, wie Deutschland sie braucht“, sagte sie. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben und um Klimaschutz und Konjunktur zusammen zu denken, brauchen wir weiterhin einen Mix an Angeboten, der auch moderne und effiziente Verbrenner umfasst.“

Volkswagen erklärte, das Konjunkturpaket enthalte viele wichtige Maßnahmen, um die Menschen in der Krise zu unterstützen und die Stimmung positiv zu beeinflussen. Die Mehrwertsteuersenkung, die Förderung von Investitionen und der Elektromobilität seien zudem Hebel, um Konsum und Nachfrage anzuregen und damit die Wirtschaft in Gang zu bringen. „Volkswagen ist bereit, dazu beizutragen“, erklärte der Konzern. Die Wolfsburger stecken derzeit viele Milliarden in neue Elektroautos und wollen in wenigen Jahren zum Marktführer in umweltschonenden Mobilität aufsteigen. Konzernchef Herbert Diess hatte sich für eine staatliche Kaufprämie unabhängig von der Antriebsart stark gemacht.

Auch BMW begrüßte das Paket grundsätzlich: „Die beschlossenen Maßnahmen sind ein wertvoller Transformationsbeschleuniger, um noch mehr Kunden für nachhaltige Mobilität zu begeistern“, sagte Konzernchef Oliver Zipse. Das Gesamtpaket könne in Deutschland für einen breiten wirtschaftlichen Stimulus sorgen.

„Beschäftigten einen Bärendienst erwiesen“

Autohandel und Werkstätten zeigten sich dagegen enttäuscht von dem Konjunkturpaket. „Damit wurde der krisengeschüttelten Automobilwirtschaft mit ihren 1,3 Millionen Beschäftigten ein Bärendienst erwiesen“, erklärte der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK). Wirtschaftlich sei dies nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der auf den Höfen und in den Büchern der Automobilhändler stehenden unverkauften Neuwagen im Wert von rund 15 Milliarden Euro, sagte Verbandspräsident Jürgen Karpinski. Die auf sechs Monate befristete Mehrwertsteuerabsenkung von 19 auf 16 Prozent könne dies nicht annähernd kompensieren. „Leider ist die ökonomische Vernunft vor dem Populismus und den Verlockungen der Gießkannenpolitik eingeknickt.“

Während der Bundesverband E-Mobilität (BEM) die Förderung batteriegetriebener Wagen als positives Signal wertete und auch die stärkere Orientierung der Kfz-Steuer am CO2-Ausstoß lobte, kam von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer dazu auch Kritik. Die Prämie gebe den Elektroautos zwar kräftigen Schub. Allerdings profitiere davon nur ein kleiner Teil des Gesamtmarktes. Es fehle ein Anschub für den übrigen Markt - „und genau die 90 Prozent bewegen unsere Wirtschaft und unser Sozialprodukt.“ Dudenhöffer geht davon aus, dass die Kurzarbeit in der Automobilindustrie hoch bleiben wird und es danach zu Entlassungen kommt. „Es werden Entlassungswellen laufen.“ Der Markt in Europa sei zu schwach, damit die Hersteller ihre Werke auslasten könnten.

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