Keine Kettenreaktion möglich Schäuble hält zweites Lehman für unwahrscheinlich

Fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise hält Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Kettenreaktion wie beim Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers nicht mehr für möglich.

Die Testamente der Banken
Logo von JP Morgan Chase Quelle: dpa
Bank of America Die Bank of America bleibt im öffentlichen Teil ihres Testaments ähnlich vage wie die übrigen Institute. Sie spricht unter anderem von unbestimmten Käufern (darunter „nationale, internationale und regionale Finanzinstitute“), die im Falle einer Pleite Teile der Bank übernehmen würden. Der Steuerzahler müsse nicht zur Hilfe kommen. Quelle: REUTERS
CitigroupDie Bank unter Firmenchef Vikram Pandit beteuert, im Fall einer Pleite abgewickelt werden zu können. Und zwar in einer Weise, die kein systemisches Risiko berge, die die Finanzmärkte nicht in Aufruhr bringe und keine Milliarden von den Steuerzahlern notwendig mache. Quelle: dpa
Goldman Sachs Laut dem Notfallplan würde die Investmentbank „rasch“ Geschäftsteile oder Vermögenswerte verkaufen und damit eine Liquidation vermeiden. Der Branchenprimus nutzt derweil sein Testament auch, um die ganze Übung indirekt als sinnlos zu bezeichnen. „Die Umstände, die zu einem Kollaps einer für das System wichtigen Institution führen, werden wahrscheinlich andere sein als in diesen Annahmen vorgegeben“. Quelle: REUTERS
Logo von Morgan Stanley Quelle: dpa
BarclaysDie britische Großbank kommt für das Szenario ihres Untergangs im öffentlichen Teil des Testaments mit einer halben Seite aus. Darin heißt es unter anderem, die Notfallpläne seien so ausgeklügelt, dass im Falle einer Pleite eine Katastrophe auf den Finanzmärkten nicht zu erwarten sei. Quelle: REUTERS
Deutsche BankDie Deutsche Bank deutet an, dass die US-Regulierer im Erstfall die deutsche Bankenaufsicht BaFin umgestört operieren lassen sollten. Dann sei die im Notfall zu gründende Überbrückungsbank in der Lage, die US-Firmenteile mit Liquidität zu versorgen. Quelle: dpa

Fünf Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Erschütterung der globalen Finanzmärkte hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Wiederholung der Ereignisse für unwahrscheinlich. „Eine einzelne Bank könnte heute nicht mehr das ganze System zum Einsturz bringen. Dafür haben die Banken inzwischen Vorsorge getroffen und die Politik dementsprechende Leitplanken eingezogen“, sagte Schäuble der „Welt am Sonntag“.
Die Banken hätten zwar zum Teil aus der Krise gelernt. Der Finanzminister ermahnte die Finanzhäuser aber, nicht über Überregulierung zu lamentieren. „Die Klagen aus dem Finanzsektor sind nicht meine große Sorge. Die kehren mal lieber vor ihrer eigenen Tür“, meinte Schäuble. Europa habe in den vergangenen Jahren viel erreicht und einen neuen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte geschaffen.

"So lange die Banken ständig neue Nachrichten liefern, dass sie sich nicht an Regeln gehalten haben, werden sie die Regulierungsdebatte nicht beenden können", sagte Schäuble. Zudem hätten die Banken ihren Teil dazu beigetragen, den Reformprozess zu verlangsamen. Unter anderem klagen Banken und ihre Verbände, dass sich die Entscheidungsprozesse in der EU zu lange hinzögen.

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Schäuble sagte, bei der Bankenregulierung sei man weiter vorangekommen als bei den Schattenbanken, also den weitgehend unregulierten Kapitalvermittlern wie Hedge- oder Geldmarktfonds. "Bei den Schattenbanken haben wir Aufholbedarf", sagte Schäuble. Vergangenen Woche haben sich die Regierungen der 20 größten Industrie und Schwellenländer (G20) in Sankt Petersburg auf einen Zeitplan zur Kontrolle der Schattenbanken verständigt. Diese verwalten - je nach Definition - rund 50 bis 60 Billionen Euro und sind ein wichtiger Finanzier der normalen Banken.

Am 15. September 2008 schockte die von der US-Regierung nicht verhinderte Pleite der Wall-Street-Bank Lehman die Finanzwelt. Die durch faule Immobilienkredite ausgelöste Krise erreichte ihren Höhepunkt. Als Folge erlebte die Weltwirtschaft ihre schwerste Rezession der Nachkriegszeit.

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