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Keine Zeit für Kinder Kitas zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Mit dem rechtlichen Anspruch auf einen Kita-Platz ist es nicht getan. Die Qualität der Betreuungseinrichtungen in Deutschland ist schlecht, kritisieren Kinderärzte.

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Kinder spielen auf dem Außengelände eines Spielplatzes Quelle: dpa

Schön, dass zumindest theoretisch seit dem 1. August alle Kinder unter drei Jahren einen Anspruch auf einen Kita-Platz haben. Schade, dass im politischen Streit darum die Frage der Qualität der Kinderbetreuung aus den Augen verloren wurde. Jetzt machen die Kindeärzte mobil und fordern auf Basis ihrer täglichen Erfahrung eine Qualitätsoffensive in Kitas und bei Tagesmüttern. Denn Unterbringen alleine reicht nicht.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert: In fast allen öffentlichen Äußerungen werde nur von Betreuung (Kita-Betreuung, Betreuung durch Tagesmütter bzw. -väter, Betreuungsgeld) geredet, aber nicht von frühkindlicher Bildungs- und Bewegungsförderung.

„Dabei sind die Qualität der Kita-Betreuung und die Qualität der Einrichtungen selbst nach aktuellen Studien wie der Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit nur mittelmäßig. Die spezielle Qualität bei der Sprache, der motorischen und kognitiven Förderung liegt nur im unteren Drittel der Qualitätsskala“, beklagt Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Es geht um Geld, Zeit und Personal.

Sein Vorwurf: Krippen und Kindergärten gelänge es derzeit nicht, sozial benachteiligte Kinder angemessen zu fördern und damit die Chancengleichheit auf einen qualifizierten Schulabschluss und eine gute Sozialprognose zu erhöhen. Aber gerade sozial benachteiligte Familien und Familien mit geringen Bildungsressourcen seien auf eine gute außerfamiliäre Betreuung angewiesen. Erst so könnten die Kinder ihre intellektuellen, emotionalen, motorischen und sozialen Fähigkeiten entwickeln und gesund aufwachsen.

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    Das fordern die Kinderärzte konkret: Mehr und besser qualifiziertes Personal. Für die rund 800.000 Kitaplätze für Kinder und drei Jahren, die die Familienministerin versprochen hat, seien nach Berechnungen des Kinderschutzbundes 60.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich notwendig. Die Politik müsse also die Fort- und Weiterbildung junger Erzieher und Erzieherinnen systematisch ausbauen. Die Fachkraft-Kind-Relation in den Kitas müsse nachhaltig verbessert werden. Zudem müsse es eine Leitungsfreistellung geben, damit auch konzeptionelle Arbeit möglich und umsetzbar sei. Bisher „erledigt“ eine Kindergartenleiterin das nebenher mit.

    Schlechte bauliche Voraussetzungen

    Wo es die beste Kinderbetreuung gibt
    Frauen tragen am Donnerstag (09.02.2012) bei einer Demonstration vor dem Rathaus in Wiesbaden Schilder mit der Aufschrift "Familie und/oder Beruf" und "Frauen an den Herd? Quelle: dpa
    Eine Passantin geht am Mittwoch (21.12.2011) mit einem Kinderwagen, an dem ein Regenschirm hängt, an der Alster in Hamburg spazieren. Quelle: dpa
    Kinder einer Charlottenburger Kita besichtigen in Berlin den Plenarsaal des Deutschen Bundestages Quelle: dpa/dpaweb
    Kinder der AWO-Kindertagesstätte «Käthe Kollwitz» Quelle: dpa
    Eine Mutter geht mit ihrem Kinderwagen durch Soemmerda Quelle: dapd
    Spaziergänger gehen vor Schloss Rheinsberg mit einem Kinderwagen am Grienericksee spazieren Quelle: dapd
    Die einjährige Laureen spielt am Donnerstag (28.06.2012) am Strand von Warnemünde. Quelle: dpa

    All das sei auch für die Kinderärzte selbst wichtig, denn ihnen mangelt es an gut weitergebildeten, kompetenten Gesprächspartnern in den Kindertagesstätten, die Kinder qualifiziert beobachten und beurteilen können. Das wäre aber nötig, um den Ärzten rechtzeitig Rückmeldung geben zu können, wenn etwa ein Kind Sprachentwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten zeigt.

    Aber es hapert auch bei der baulichen Voraussetzung: Die Kitas bräuchten ausreichend große Außengelände und genug Fläche pro Kind in den Innen- und Außenräumen. Ohne ausreichende Bewegung drohten den Kindern Haltungsschäden und Übergewicht.

    Um die Gesundheit der Erzieherinnen kümmern sich die Kinderärzte mangels Auftrag nicht.

    Deutschland



    Aber auch für sie wäre eine bessere personelle Ausstattung extrem wichtig. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Unfallkasse NRW und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: Kita-Erzieherinnen kämpfen häufiger mit gesundheitlichen Problemen als gleichaltrige Frauen in anderen Berufen. Befragt wurden rund 2700 pädagogische Fach- und Leitungskräfte aus 809 Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen.

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      Die Erzieher litten vor allem an Problemen im Muskel-Skelett-Bereich sowie der Atemwege. Kein Wunder: Sie heben und tragen den ganzen Tag lang kleine Kinder. Und die bringen zwangsläufig auch noch jeden grassierenden Virus mit in die Kita.

      Zudem sei bei jeder zehnten Fachkraft innerhalb der letzten zwölf Monate ein psychovegetatives Erschöpfungssyndrom ärztlich diagnostiziert worden.

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