WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kinderarmut Worauf arme Kinder verzichten müssen

Die Zahl der armen Kinder in Deutschland ist erschreckend hoch. Ihre Armut wirkt sich konkret aus, denn sie müssen auf vieles verzichten – nicht nur auf den Kinobesuch oder neue Möbel.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Wenig Platz, wenig Freizeitaktivitäten: Arme Kinder müssen auf vieles verzichten. Quelle: dpa

2.446.000. Das ist die Zahl der Kinder in Deutschland, die armutsgefährdet sind. Das heißt: 18, 9 Prozent der Kinder in Deutschland müssen verzichten. Einige auf warme Winterkleidung (Knapp zehn Prozent in den alten Bundesländern und 12 Prozent in den neuen Bundesländern ) oder ein eigenes Zimmer. Andere auf neue Möbel oder Zahnersatz. Vor allem aber auf soziale Aktivitäten wie Urlaub, Kino oder auch nur darauf, Freunde zum gemeinsamen Essen zu Hause einzuladen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Forscher Eric Seils und Helge Baumann der Hans-Böckler-Stiftung. Die Autoren werteten für ihre Studie den Mikrozensus aus dem Jahr 2012 sowie Befragungen für das Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS) aus dem Jahr 2011 aus.

Auch in den Genuss von Internet oder einem DVD-Player kommen arme Kinder weniger häufig. Andere Dinge sind auch in armen Haushalten vorhanden, zum Beispiel ein Bad oder eine Toilette, ein Fernseher oder eine Waschmaschine, so die Studie. Doch es gibt bei den angefragten Gütern deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: Kinder im Osten müssen deutlich öfter auf bestimmte Gebrauchsgegenstände verzichten.

Beispiel monatlicher Restaurantbesuch: 77 Prozent der armen Kinder in Westdeutschland müssen darauf verzichten (Zahlen aus 2011), im Osten sind es 88 Prozent aller armen Kinder. Doch insgesamt ist das ein Punkt, auf den am ehesten verzichtet wird, nicht nur in armen Familien. Betrachtet man alle Kinder in Westdeutschland, verzichten immer noch 59,3 Prozent auf ein Essen im Restaurant, im Osten sind es 62,5 Prozent. Jedes elfte arme Kind im Westen und jedes siebte im Osten lebe in einer Wohnung mit feuchten Wänden.

Anders ist das beispielsweise beim einer Zahnfüllung oder einer Brille, die die Krankenkasse nicht bezahlt. 34,5 Prozent der armen Kinder im Westen müssen darauf verzichten, 27,6  Prozent der armen Kinder im Osten.


Wo die Armutsgefährdung besonders hoch

Es sind nicht nur bestimmte Dinge, auf die arme Kinder verzichten müssen, es sind auch bestimmter Regionen, in denen die Armutsgefährdungsquote besonders hoch ist. Der traurige Spitzenplatz geht an Bremen mit 33,7 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (33,5 Prozent). Auch in anderen Länder – vor allem im Osten – besonders hoch. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt und Sachsen (29,2 Prozent). Doch es gibt auch erfreuliche Beispiele im Osten Deutschlands. Zum Beispiel Thüringen. Dort ist die Entwicklung besonders positiv: Das Armutsrisiko ging seit 2005 stetig zurück – von 29,2 auf 21 Prozent.

Armutsgefährdung besteht für Personen laut EU-Richtlinge dann, wenn sie weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung steht. Laut Die Quote sagt er einmal nichts über die tatsächliche Armut der Einwohner aus, sondern vor allem über die Verteilung.

Armutsgefährdet sind auch die Kinder in Nordrhein-Westfalen, das Ausmaß der Entwicklung ist laut Studie bedenklich. Die Quote stieg in den Regierungsbezirken Arnsberg, Düsseldorf, Köln und Münster – dort sogar mehr als sonst irgendwo in Deutschland von18 Prozent (2005) auf 22,4 Prozent (2012). Trotzdem ist die Gesamtentwicklung des Landes noch positiv, wenn auch nur leicht, denn im Regierungsbezirk Detmold gab es weniger arme Kinder. Dort sank die Quote von auf Insgesamt liegt die Quote in NRW bei 21,8 Prozent, also noch weit über dem Bundesschnitt.

Die Studie zeigt auch: Bei den absoluten Zahlen liegt der Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen vorne. 186.000 Kinder sind dort arm, in Köln (NRW) sind es 145.000 Kinder, in Arnsberg (NRW) 143.000. Erst dann folgt Berlin mit 136.000 Kindern. Ein weiteres Ergebnis: Knapp ein Viertel aller armen Kinder in Deutschland lebt in Nordrhein-Westfalen.

Anders sieht die Situation in Bayern (11,7 Prozent), Baden-Württemberg (13,2 Prozent) und Schleswig-Holstein (15,6 Prozent) aus. Diese Länder liegen in Sachen Kinder-Armutsquoten unterm bundesweiten Schnitt. Die wenigsten armen Kinder gibt es in der Oberpfalz in Bayern mit 9,9 Prozent.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%