Klausurtagung der CSU-Landesgruppe Wird Seehofer wirklich 2018 aufhören?

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef kündigt seinen Rücktritt mit langem Vorlauf an. Ein Rücktritt vom Rücktritt wäre ihm allerdings zuzutrauen.

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Quelle: dpa

Direkt vor Beginn der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth hat Horst Seehofer im Interview mit der "Welt" angekündigt, sich 2018 aus der aktiven Politik zurückzuziehen. Das kommt ein wenig überraschend, hat er doch zuletzt immer wieder auf allzu aufdringliche potenzielle Thronfolger eingehackt.

Sein Verhältnis beispielsweise zu Landesfinanzminister Markus Söder gilt als zerrüttet. Was also mag Seehofer bewogen haben, mit einem Vorlauf von drei Jahren sein politisches Ende zu verkünden?

In Wildbad Kreuth sagte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident am Mittwoch treuherzig, er habe nur auf eine journalistische Frage offen geantwortet. Das allerdings darf man dem ausgebufften Politiker mit gutem Gewissen nicht abnehmen. Genauso wenig die Aussage, er wolle damit dieser Personalfrage ein Ende bereiten, damit sich die CSU 2015 rein auf Sachfragen konzentrieren könne. Wer Parteien und insbesondere die CSU kennt, weiß, dass Personalfragen stets vor Sachfragen kommen beziehungsweise miteinander verschmelzen.

Pleiten, Pech und Peinlichkeiten in der Politik
Merkels BeckenbruchDas Jahr begann nicht gut für Angela Merkel. Gleich Anfang Januar stürzte die Kanzlerin beim Skilanglauf in der Schweiz. Und brach sich einen Knochen an, den bis dato wohl nur Anatomie-Spezialisten kannten, den Beckenring. Mehrere Wochen lang musste die CDU-Politikerin pausieren und an Krücken gehen. Anschließend hielt Merkel auf Anraten der Ärzte Diät - mit Erfolg: Die Kilos purzelten sichtbar. Quelle: dpa
Seehofer verpenntHorst Seehofer verschlief im April eine Telefonkonferenz mit der Kanzlerin - er hatte seine Uhren nicht auf Sommerzeit umgestellt. Der bayerische Ministerpräsident schlummerte noch, als das Handy klingelte. Dann war der CSU-Chef aber flott: Die für 8 Uhr geplante Schalte mit Angela Merkel (CDU) begann laut Seehofer schon um 8.07 Uhr. Ob er da noch im Schlafanzug war? Quelle: dpa
Özdemirs #HanfgateIm August schüttete sich Grünen-Chef Cem Özdemir auf seinem Balkon einen Kübel Eiswasser über den Kopf. Während er sich für die „Ice Bucket Challenge“ duschte, wehte hinter ihm eine illegale Hanfpflanze munter im Wind. Özdemir sprach danach von einem „bewusst gesetzten“ politischen Statement für die Legalisierung von Marihuana. Quelle: dpa
Drogen im BundestagDer Mainzer Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann (SPD) nahm im Herbst 2013 das Rauschgift Crystal Meth. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe Anfang Juli 2014 legte er sein Amt als innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag nieder. Das Ermittlungsverfahren wurde gegen Geldauflage eingestellt. Quelle: dpa
Solo-StändchenZDF-Journalist Udo van Kampen stimmte im Juli in einer nächtlichen Pressekonferenz in Brüssel mit Angela Merkel ein Ständchen für die Kanzlerin zum 60. Geburtstag an. Nur: Seine Kollegen wollten in das „Happy Birthday“ nicht recht einsteigen. „Hätte ich mitsingen müssen, dann wär's besser geworden“, befand die besungene Kanzlerin augenzwinkernd. Quelle: dpa
Kriegstreiber-RufeMit einem Ausraster landete Frank-Walter Steinmeier einen Youtube-Hit. Demonstranten nannten den SPD-Politiker bei einer Kundgebung im Mai „Kriegstreiber“ im Ukraine-Konflikt, der Außenminister brüllet ins Mikro: „Ihr solltet Euch überlegen, wer hier die Kriegstreiber sind! Wer eine ganze Gesellschaft als Faschisten bezeichnet, der treibt den Krieg, der treibt den Konflikt!“ So undiplomatisch kennt man Deutschlands obersten Diplomaten gar nicht. Quelle: dpa
Lucke läuft davonElf Minuten stand Bernd Lucke mit grimmiger Miene in der Talksendung „Studio Friedman“, dann wurde es ihm zu viel. „Sie fallen mir jedes Mal ins Wort“, beschwerte sich der Chef der Alternative für Deutschland (AfD) bei Moderator Michel Friedman und marschierte empört aus dem Studio. „Aber kommen sie doch zurück“, appellierte Friedman - doch im Hintergrund knallte nur noch die Tür. Quelle: dpa
Schäuble-ZungeBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) musste vor Besuchern der Bundespressekonferenz im August lästige Fragen rund um die Pkw-Maut abwehren. Kurzerhand streckte er den Journalisten die Zunge raus - und lachte anschließend selbst über die ungewohnte Geste. Quelle: dpa
Keine Sau braucht die FDPMit Selbstironie wollten die Liberalen im August in Brandenburg ihren politischen Absturz bremsen. „Keine Sau braucht die FDP!“, stand auf einem halben Dutzend gelber Großplakate in Potsdam für die Landtagswahl. Die Wähler nahmen die Partei beim Wort - die FDP holte lediglich 1,5 Prozent. Quelle: dpa
Beinahe-HandkussDer polnische Politiker Jaroslaw Kaczynski setzte auf einem Kongress im Oktober auf dem Weg zum Rednerpult zu einem Handkuss an - aber bei einem männlichen Parteikollegen, wie der Nachrichtensender TVN24 berichtete. Der Nationalkonservative wich gerade noch wenige Zentimeter vor der Hand zurück - und rechtfertigte den Beinahe-Kuss mit seiner Anspannung. Quelle: AP
Becher-SalutNach dem Ausstieg aus seinem Hubschrauber in New York salutierte der gewohnt lässige US-Präsident Barack Obama im September zwei Marines mit einem Kaffeebecher in der Hand. Unter dem Hashtag #LatteSalute hagelte es daraufhin Kritik. Obama sollte sich aber nicht grämen: George W. Bush salutierte 2001 mit seinem Hund auf dem Arm. Quelle: AP
Sotschi-FlockenDabei wollte er doch eine perfekte Show! Die technische Panne bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Sotschi fand der russische Präsident Wladimir Putin wohl nicht amüsant. Eine Flocke entfaltete sich nicht zum fünften olympischen Ring. Das russische Staatsfernsehen schaltete auf Konserve um, doch die Pannenbilder gingen dennoch um die Welt. Quelle: AP
Star WarsEin Rückschlag für das Imperium! „Darth Alexejewitsch Vader“ wollte bei der Präsidentenwahl für die Ukrainische Internetpartei IPU antreten. Der schwer atmende Bösewicht aus der Filmreihe „Krieg der Sterne“ zog deshalb sogar vor das Gebäude der Wahlkommission. Diese lehnte die Kandidatur aber wegen unvollständiger Dokumente ab. Quelle: AP

Vielmehr dürfte die Nachfolgedebatte nun erst richtig Fahrt aufnehmen. Offenkundiger Favorit ist derzeit Markus Söder, inzwischen angesehener Finanzminister in Bayern, der schon fast jedes CSU-Parteiamt vom JU-Vorsitzenden bis zum Generalsekretär inne hatte und bestens vernetzt ist.

Deutlich abgeschlagen ist (derzeit) Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die 2013 ihr Amt als Bundeslandwirtschaftsministerin in Berlin aufgab und nach München wechselte, wohl um besser in den Wettstreit um die Seehofer-Nachfolge eingreifen zu können. Schließlich ist Seehofer bereits 65 Jahre alt, und Nachfolgerangeleien gehören in der CSU zu den beliebtesten Spielchen überhaupt.

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Was aber hat Seehofer nun zu seiner Rücktritts-Äußerung bewogen? Langweilt er sich? Will er frei nach dem großen Vorsitzenden Mao nun tausend Blumen blühen lassen und dann die sich herauswagenden Kandidaten rasieren? Will er den großen Moderator in der Nachfolgefrage spielen?

Antworten muss man bei Seehofer nicht unbedingt finden. Manchmal liebt der Vollblutpolitiker einfach nur die Provokation und freut sich diebisch, wenn er mal wieder Freund und Feind verblüfft. Nicht wundern sollte man sich daher, wenn Seehofer zu gegebener Zeit (mal wieder) verkündet, aus Verantwortung fürs Land doch länger amtieren zu wollen.

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