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Klimaschutz „Ich glaube nicht, dass Menschen sich wirklich schämen, wenn sie fliegen“

Flugscham Quelle: imago images

Wie gelingt klimaneutrales Fliegen? Matthias von Randow, Verbandsgeschäftsführer der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, setzt auf technische Innovationen – und hofft auf die neue EU-Kommission.

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Matthias von Randow ist seit dem 1. Juli 2011 Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Vor seiner Ernennung war er von Januar 2009 bis Juni 2011 Vorstandsbevollmächtigter bei Air Berlin. Dort verantwortete er die Bereiche Politik, Internationale Verkehrsrechte und Nachhaltigkeit/Corporate Social Responsibility.

Herr von Randow, in diesem Sommer schämen sich viele Reisende plötzlich, wenn sie zugeben müssen, in den Urlaub zu fliegen. Flugscham nennt man das jetzt. Hatten Sie schon einmal ein schlechtes Gewissen, weil Sie geflogen sind?
Nein. Ich glaube im Übrigen auch nicht, dass Menschen sich wirklich schämen, wenn sie fliegen. Sie stellen sich eher die Frage: Wie gehe ich verantwortlich mit dem um, was ich konsumiere? Sei es, wenn ich heize, wenn ich Auto fahre oder eben, wenn ich fliege. Nun trägt der Luftverkehr zu den weltweiten CO2-Eimissionen nur mit 2,8 Prozent bei. Aber ich finde: Ein verantwortungsbewusster Umgang mit natürlichen Ressourcen geht in der Tat uns alle an.

Fangen wir bei Ihnen an. Welche Maßnahmen helfen denn für mehr Klimaschutz im Luftverkehr?
Erst einmal technische. Flugzeuge werden immer leichter, Triebwerke effizienter. Das Potential neuer Maschinen ist enorm, denn der Treibstoffverbrauch ist deutlich geringer. Mit Milliardeninvestitionen haben unsere deutschen Fluggesellschaften ihre CO2-Emmissionen seit 1990 um 43 Prozent gesenkt. Darüber hinaus streben wir an, das Fliegen komplett CO2-neutral zu gestalten.

Wie soll das gelingen?
Indem man den fossilen Treibstoff durch einen regenerativen ersetzt.

Wie schnell kann das gehen?
Man muss da unterscheiden. Es gibt Kerosin aus Biomasse, zum Beispiel aus Algen, und synthetische Kraftstoffe, die aus grünem Strom gewonnen werden. Beide sind verfügbar, das ist technisch überhaupt kein Problem. Es gibt dabei zwei große Herausforderungen. Zum einen brauchen Sie große Produktionsanlagen, um Kraftstoff in Masse produzieren zu können. Zum anderen muss der Treibstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden. Er darf also nicht fünfmal so teuer sein wie normaler Kraftstoff.

Wie löst man diese Probleme?
Wir haben vorgeschlagen, dass die Bundesregierung die jährlichen Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer für die Entwicklung und Bereitstellung eines solchen grünen Kraftstoffs nutzt. Immerhin zahlen wir als Unternehmen mit dieser Steuer jährlich mehr als 1 Milliarde Euro an den Staat. Darüber hinaus wären wir als Unternehmen bereit, uns an Pilotprojekten zum Aufbau von Produktionsanlagen zu beteiligen. Andere EU-Staaten könnten dann diesem Beispiel folgen. Es wäre jetzt der Zeitpunkt, in diesem Sinne mit der neuen EU-Kommission eine europäische industriepolitische Initiative zu starten.

Damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht, muss vor allem der Verkehrssektor liefern. Doch das wird schwierig: Um die Kunden für die umweltfreundlichen Angebote zu begeistern, braucht es sehr viel Geld – und noch mehr Zeit. Lesen Sie hier die große Analyse zur Verkehrswende.

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