Klimaschutz-Index Deutschland im Klima-Ranking nur Mittelmaß

Deutschland sieht sich beim Thema Energie-Umbau gerne als weltweiten Vorreiter - landet aber im neuen Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch erneut nur im Mittelfeld. Ein Grund: die Kohleverbrennung.

Windräder drehen sich vor den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks. Quelle: dpa

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat in vielen Ländern zweistellige Zuwachsraten erreicht. Deutschland liege dabei zwar noch relativ gut, aber andere Länder holten rasch auf, schreiben Germanwatch und das Climate Action Network (CAN) im Klimaschutzindex 2016.

„Weltweit sehen wir in wichtigen Sektoren starke Anzeichen für einen beginnenden Umbau der Energiesysteme“, sagte der Hauptautor Jan Burck von Germanwatch bei der Veröffentlichung des Berichts am Dienstag auf dem Klimagipfel in Paris. So seien 2013 und 2014 mehr Kapazitäten an erneuerbarer Energien aufgebaut worden als in der Kohle-, Öl-, Gas- und Kernenergie zusammen. „Der Klimagipfel hat nun die Chance die Weichen dafür zu stellen, dass aus diesen Anzeichen eine tatsächliche weltweite Trendwende wird.“

Zugleich hat sich die Anzahl der angemeldeten Erfindungen in der Klimaschutztechnik weltweit von 1995 bis 2011 von 11 000 auf 51 000 nahezu verfünffacht, wie aus einer Studie des Europäischen Patentamtes (EPA) und des UN-Umweltprogramms (Unep) hervorgeht, die ebenfalls in Paris veröffentlicht wurde.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

Beim Klimaschutzindex habe Dänemark im fünften Jahr infolge mit erfolgreichen Programmen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien seine Spitzenposition beibehalten, schreiben Germanwatch und CAN. Es könne diesen jedoch angesichts der neuen Regierung, die Klimafinanzen kürzen wolle, bald verlieren. Das Land liegt beim Index auf Platz 4. Die ersten drei Plätze bleiben erneut frei, weil keines der betrachteten 58 Länder in den Augen der Autoren genug zum Abwenden eines gefährlichen Klimawandels tut.

Auf Platz 5 folgt Großbritannien nicht nur wegen seiner erneuerbaren Energien, sondern auch wegen der Ankündigung, aus der Kohle auszusteigen. Schweden kommt wegen seiner Energieeffizienz auf Platz 6.

Deutschland liegt weit dahinter auf Platz 22, vor allem wegen des hohen Braunkohleanteils. Als Pluspunkt zählen die Autoren die Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Juni die G7-Staaten zu einer ambitionierten Klimaerklärung bewegt habe. Auch sei das Land weiterhin gut bei den erneuerbaren Energien, deren Anteil sich von 2008 bis 2013 um über 40 Prozent erhöht habe.

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Weit führend ist Deutschland innerhalb Europas bei Erfindungen zum Klimaschutz. Fast die Hälfte aller Innovationen in diesem Bereich stamme aus der Bundesrepublik, berichten EPA und Unep. Selbst, wenn man die Erfindungen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sehe, stehe Deutschland an Europas Spitze vor Schweden, Frankreich und Finnland.

Der Klimaschutzindex bewertet unter anderem den CO2-Ausstoß 2013, die Entwicklung der Emissionen der jeweiligen Länder sowie die Klimaschutzpolitik. Die 58 Länder sind zusammen für 90 Prozent der energiebedingten Kohlendioxidemissionen verantwortlich.

Die USA kletterten wegen „ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen“ um 12 Plätze nach oben auf Rang 34. Auch China verbesserte sich leicht und landete auf Platz 47 vor allem wegen der „relativ guten“ Klimapolitik und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Schlusslicht ist wie gewöhnlich Saudi Arabien, dessen Monarchie stark abhängig vom Öl sei.

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