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Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker „Sie ist keine Politikerin“

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Wovon Reker profitieren könnte

Gleichzeitig knarzt es im rot-grünen Gebälk: Das Verhältnis zwischen der Grünen-Fraktion im Stadtrat und dem SPD-Kandidaten Ott scheint zerrüttet. Der Kölner Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Jörg Frank, warf Ott zuletzt Wählermanipulation vor, als dieser im Namen der Partei Wahlwerbung mit dem offiziellen Logo der Stadt verschickte.

Offenbar nahm selbst der aktuelle Bürgermeister Roters die Aktion seines Parteifreunds mit Befremden zur Kenntnis. Jedenfalls ließ er tags darauf eine Mitteilung herausgeben, in der sich die Stadt von dem Schreiben distanzierte. Für Jörg Frank von den Grünen ist der Fall eindeutig: „Das ist eine indirekte Zurechtweisung der SPD und Jochen Ott durch die von Roters geführte Verwaltung.“

Wer derartige Geschichten aus dem Kölner Parteiengeplänkel hört, versteht schnell warum Henriette Reker so viel Wert darauf legt, trotz überparteilicher Unterstützung als unabhängige Kandidatin wahrgenommen zu werden. „Ich führe meinen eigenen Wahlkampf“, erklärt sie dann zum Beispiel. Oder: „Politik muss die richtige Reihenfolge haben: Erst kommt die Stadt, dann die Partei.“

Da wundert es ein wenig, dass ausgerechnet drei profilierte Parteipolitiker an vorderster Front Stimmung für die Parteilose machen: Neben der ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins und jetzigen Düsseldorfer Bezirksregierungspräsidentin Annemarie Lütkes (Grüne),und Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der die Domstadt von 2000 bis 2009 regierte, ist auch die linksliberale Parteigröße Gerhart Baum an der „Wählerinitiative Henriette Reker“ beteiligt. Bei der Gründungsfeier im Mai dankte der FDP-Bundesinnenminister a. D. und Wahl-Kölner der Sozialdezernentin persönlich für ihre Kandidatur – und fügte in Richtung Publikum hinzu: „Sie ist ein Glücksfall!“

Oberbürgermeister und Regierungschefs in den 10 größten deutschen Städten (nach Einwohnerzahl)

In ihrem Büro wirkt die studierte Juristin trotz des Lobes bescheiden. Spricht sie aber von Köln, wird Reker euphorisch: „Ich erinnere mich an die erste Art Cologne, eine Kunstmesse, die 1967 in Zelten stattfand. Das war unwahrscheinlich gut.“ Um dann in einem Nebensatz ihren Stolz für die Stadt aufblitzen zu lassen: „Da ist Köln auf Augenhöhe mit New York besprochen worden.“

Es sind typisch urbane Themen, mit denen Reker punkten will – verbesserter Fahrradverkehr, Förderung freier Kulturprojekte, Wohnungsbau und Klimaschutzkonzepte. Gleichzeitig bleibt sie anschlussfähig für die Union: „Ökologie und Ökonomie sind für mich ein Paar, keine Gegensätze.“

Ähnliches gelte für den Sozialbereich: „Es wird Sie vielleicht wundern, aber als Sozialdezernentin verantworte ich den zweitgrößten Einzelhaushalt dieser Stadt. Das sind rund 900 Millionen Euro.“ Sie wisse daher sehr genau, wie wichtig es sei, dass die Wirtschaft funktioniert: „Nur Wirtschaft schafft Wohlstand.“

Doch neben ihrem Sinn für die Einnahmenseite ist es noch etwas anderes, das der Kölner CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz an Henriette Reker schätzt – überraschenderweise: „Sie ist keine Politikerin. Das macht ihren Charme aus.“

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