Kommunales Missmanagement Städte ignorieren den Fernbusmarkt

Die Liberalisierung des Fernbusmarktes ist ein großer Erfolg. Dennoch ignorieren viele Kommunen den jungen Markt - und schaden sich damit selbst.

Fernbusse Quelle: dpa

Der neue Markt ist eine Erfolgsgeschichte. Seit Januar 2013 rollen Fernbusse durch Deutschland. Inzwischen gibt es knapp 250  Linien – ein Plus von fast 300 Prozent.

Junge Startup-Unternehmen wie MeinFernbus (MFB) oder Flixbus haben sich etabliert und mehrere Hundert Arbeitsplätze geschaffen. Ihr Angebot ist vor allem ein Gewinn für die ärmeren Leute in diesem Land. Für wenige Euro können sie durch ganz Deutschland fahren. Das Angebot wird angenommen: von Studenten, Rentnern und jungen Familien. Mobilität ist für jeden erschwinglich.

Doch wer A sagt, muss auch B sagen. Die Politik hat den Markt zwar liberalisiert. Formal herrscht auf Strecken mit mehr als 50 Kilometern Länge harter Wettbewerb zwischen den Fernbusanbietern und der Deutschen Bahn – ein Verdienst vor allem der FDP-Fraktion in der Vorgängerregierung. Doch beim Ausbau der Infrastruktur hakt es gewaltig.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Platz 7 – Deutsche TouringBis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 5 – City2CityAuch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer. Quelle: dpa
Platz 4 – PostbusAn vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent. Quelle: dpa
Platz 3 – FlixbusEbenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen. Quelle: dpa
Platz 2 – Deutsche BahnSchon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Quelle: dpa
Platz 1 – Mein FernbusDer mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche. Quelle: dpa

"Die mangelnde Infrastruktur verhindert Qualität und Wachstum“, sagte Torben Greve auf einer Veranstaltung in Berlin. Als Beispiel nannte der Chef des größten Anbieters MeinFernbus die Stadt Köln.

Dort seien wartende Fahrgäste unzureichend gegen Regen und Hagel geschützt, weil es keinen Wetterschutz gebe. Zudem müssten die Fahrgäste teilweise mehrere Hundert Meter zur nächsten U-Bahn-Station laufen.

Auch der Fernbushalt in Stuttgart sei suboptimal. Er befände sich am Flughafen, eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt, und sei nur schlecht von der Autobahnen erreichbar.

Zwar habe bei den meisten Kommunen „ein Wandel stattgefunden“, sagt Greve. Doch „es gibt immer noch einige gallische Dörfer“, die den Fernbus lieber außerhalb der Stadt sähen. Teilweise würden diese Orte „an neuralgischen Punkten liegen.“

Auch die Genehmigungspraxis schwächt die Entwicklung. Eine Fernbusstrecke muss beantragt werden. In dem Prozess sind dann sämtliche Städte involviert, in denen der Anbieter halten möchte. „Wir brauchen drei Monate, um eine Linie genehmigt zu bekommen“, sagt Joachim Wessels, Geschäftsführer von ADAC Postbusse. Das sei zu lange. „Wir würden gerne schneller reagieren können“, denn schließlich liefen „einige Linien gut, andere schlecht.  

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