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Kompetenzteam steht Steinbrücks fragwürdige Zwölfertruppe

Die Wahlkampfmannschaft von Peer Steinbrück ist komplett. Der vor sich hin dümpelnden Kampagne des SPD-Kanzlerkandidaten sollen die Fachleute endlich den dringend benötigten Schwung verleihen. Doch die Zwölfertruppe besteht aus mehr Frage- als Ausrufezeichen.

Das ist Peer Steinbrücks Kompetenzteam
SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück hat den gesundheitspolitischen Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, als weiteres Mitglieder in sein Kompetenzteam für die Bundestagswahl berufen. Lauterbach sitzt für die SPD seit Oktober 2005 im Bundestag. Er wird für die Bereiche Gesundheit und Pflege verantwortlich sein. "Ich stehe selbst in besonderer Weise ein für ein Gesundheitssystem mit weniger Zwei-Klassen-Medizin, mehr Prävention, mehr Hausärzten und mehr Sicherheit für die Patienten. All dies wird auch Teil unserer Bürgerversicherung sein", sagt Lauterbach auf Steinbrücks Internetseite. Quelle: dpa
Thüringens Wirtschaftsminister und früherer SPD-Wahlkampfmanager Matthias Machnig soll für Energie- und Umweltpolitik zuständig sein. Damit die Energiewende gelingen kann, "brauchen wir endlich eine bessere Koordination der energiepolitischen Kompetenzen und Zuständigkeiten, verlässliche Rahmenbedingungen und einen zügigen Ausbau der notwendigen Infrastrukturen wie Speichern und Netzen. Vor allem aber muss der Anstieg der Energiepreise wirksam begrenzt werden", so Machnig auf Steinbrücks Kompetenzteam-Seite. Quelle: dpa
Yasemin Karakasoglu ist Konrektorin der Universität Bremen für Interkulturalität und Internationalität. Sie soll sich um die Themen Bildung und Wissenschaft kümmern. Sie sehe ihre Nominierung als Chance, die "Verbindung zwischen Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft voran zu bringen". Quelle: Screenshot
Die 39 Jahre alte Manuela Schwesig ist stellvertretende SPD-Vorsitzende und im Kompetenzteam zuständig für Frauen, Familie, Aufbau Ost, Demografie und Inklusion. "Ziel sind Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Beides steht im Mittelpunkt meines politischen Handelns", sagt sie. Quelle: dpa
Der Landesvorsitzende der Bayern-SPD, Florian Pronold, kommt ebenfalls in das Kompetenzteam. Er ist für Infrastruktur und Wohnen zuständig. Seine Ziele: "Wir werden [...] den Neubau von Wohnungen ankurbeln und Mieter vor Kostenexplosionen schützen." Quelle: dpa
Gesche Joost ist Professorin am Design Research Lab der Universität der Künste Berlin (UdK). Jung, modern, netzaffin – allein mit diesen Attributen deckt sie so manche Kompetenz ab, im Steinbrück-Team sind ihre Schwerpunkte "Vernetzte Gesellschaft und Netzpolitik". Quelle: dpa

Und jetzt auch noch das: ein Freudscher Versprecher. Die verbleibenden hundert Jahre, ach Quatsch, hundert Tage bis zur Bundestagswahl wolle er in bestmöglicher Aufstellung angehen, sagt Peer Steinbrück. Da muss er selbst kurz lachen. Die Kanzlerin mag ja bisher unangreifbar erscheinen, aber also so aussichtslos empfindet er sich dann doch nicht. Der Versprecher des Kanzlerkandidaten ist nur so ein kleiner Hinweis darauf, was wohl vorgehen mag in einem, der Bundeskanzler werden will, dessen Werbezug in eigener Sache jedoch bisher so wenig positiven Widerhall gefunden hat.

Der Lapsus passiert, als Steinbrück sein so genanntes Kompetenzteam komplettiert: zwölf Mitglieder umfasst es, sechs Frauen und sechs Männer, über mehrere Wochen häppchenweise lanciert und vorgestellt. Mit jeder neuen Pressekonferenz, jedem frischen Gerücht blieb die Frage, ob er denn jetzt noch kommen möge, der große Name, der Kracher. Bei allem gebotenen Respekt vor den Aufgestellten: er kam nicht mehr.

Ein Kompetenzteam, das nur in erklärten Einzelfällen auch ein Schattenkabinett mit Ministeranwärtern sein soll, hat eigentlich nur eine Kernfunktion: Es soll die Attraktivität des Kandidaten unterstreichen und mit beeindruckenden Persönlichkeiten als Glanzlieferant fungieren. Es soll ausleuchten, nicht verdunkeln. Gemessen daran, ist diese Wahlkampf-Truppe kaum mehr als ein flackerndes Lichtlein.

Themen des SPD-Wahlprogramms

Steinbrück hat einige Politiker berufen, die allseits erwartet worden waren und die ihre sozialdemokratische Fachkompetenz durchaus unter Beweis gestellt haben: Thomas Oppermann, der Parlamentarische Geschäftsführer und Innenexperte gehört dazu, ebenso Karl Lauterbach für Gesundheit, die Sozialpolitikerin Manuela Schwesig oder das Wahlkampf-Mastermind Matthias Machnig, heute Wirtschaftsminister in Thüringen und zuständig für das Thema Energie. Mit ihnen hat Steinbrück nichts falsch gemacht.

Ein paar Überraschungen sind dem ehemaligen Finanzminister überdies geglückt: Gesche Joost zum Beispiel, Professorin aus Berlin, soll sich um Netzpolitik kümmern. Oder der Kulturmanager Oliver Scheytt: Der machte den Ruhrpott zur „Kulturhauptstadt Europas 2010“, seinen Enthusiasmus und Kampfesmut kann Steinbrück mehr als gut gebrauchen. Und doch: Ob der Öffentlichkeit vorher weitgehend unbekannte Persönlichkeiten wie Joost und Scheytt den nötigen Schub bringen können, ist zu bezweifeln.

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