Korruptionsvorwürfe FIFA stellt Blatter und Platini ins Abseits

Die gute Nachricht: Der Weltfußballverband ist mal selber aktiv geworden. Die Ethikkommission der FIFA suspendierte heute ihren Präsidenten Sepp Blatter sowie Michel Platini, Chef des europäischen Fußballverbandes Uefa.

Das sind die Nachfolgekandidaten für Joseph Blatter
Leerer Stuhl von Joseph Blatter Quelle: dpa
Michel Platini Quelle: dpa
Ahmad al Fahad Al Sabah Quelle: AP
Issa Hayatou Quelle: dpa
Franz Beckenbauer Quelle: dpa
Ali bin Al Hussein und Michael van Praag Quelle: dpa

Es hat ja lange gedauert: Nachdem die US-Justizbehörden vor einigen Monaten FIFA-Funktionäre verhafteten, die Schweizer Bundesanwaltschaft vor wenigen Tagen ein Strafverfahren gegen Blatter wegen des Verdachts der „ungetreuen Geschäftsbesorgung“ einleitete, sich nun auch der Großteil der Sponsoren wie Coca Cola oder McDonalds vom Weltfußballverband abwendet – da setzt nun endlich die Ethikkommission der FIFA mal selbst ein Zeichen. Blatter und Platini sind für die nächsten 90 Tage von der Teilnahme an allen nationalen und internationalen Fußballaktivitäten ausgeschlossen. Beide sollen gegen den FIFA-Ethikcode verstoßen haben. Dabei geht es vor allem um eine dubiose FIFA-Zahlung an Platini in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken aus dem Jahre 2011 – angeblich für Beratertätigkeiten. Nach der Suspendierung kann der Franzose Platini seine Chancen, Blatter als Präsident zu beerben, fast vergessen.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

Blatters Amtszeit wäre ohnehin am 26. Februar abgelaufen. Vizepräsident Isaac Hayatou, dem selbst korruptes Verhalten nachgesagt wird, übernimmt nun Blatters Amtsgeschäfte. Blatter selbst sieht sich freilich als verfolgte Unschuld. In einem Interview mit der „Bunten“, das vor der Suspendierung geführt wurde, barmt er: „Man verurteilt mich vor, ohne Beweise für irgendein Fehlverhalten meinerseits. Eigentlich ist das ungeheuerlich.“ Womöglich glaubt Blatter das ja selbst – und lebt längst in seiner eigenen Welt.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

Tatsache ist: Während seiner Amtszeit als FIFA-Präsident hat es so viele Bestechungsvorwürfe und -fälle um WM-Vergaben, Fernsehrechte oder Ticketverkäufe gegeben, dass der Präsident schon längst hätte die Verantwortung übernehmen müssen – und zwar unabhängig davon, ob er tatsächlich davon gewusst hat oder gar aktiv war. Auch VW-Chef Martin Winterkorn musste ja gehen – obwohl nicht nachgewiesen ist, dass er all die Jahre über die Diesel-Manipulationen seiner Ingenieure auf dem Laufenden war.

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Dass Blatter nun von einem FIFA-eigenen Gremium suspendiert wird, ist schon mal ein Fortschritt. Doch ansonsten darf bezweifelt werden, ob die Selbstreinigungskräfte des Weltfußballverbandes ausreichen.

Es wird Zeit, über einen Vorschlag des Sportwissenschaftlers Stefan Szymanski nachzudenken. Der Oxford-Absolvent, der Sportmarketing an der Universität Michigan lehrt und bereits die EU-Kommission und die Uefa beriet, fordert schon seit längerem eine Aufspaltung der FIFA. Einerseits in eine Organisation, die sich um wohltätige Zwecke und Sportförderung kümmert – eine Art „Uno“ des Weltfußballs. Anderseits in eine kommerzielle Organisation, eine gewinnorientierte Kapitalgesellschaft, die sich um die WM-Vergaben und den Rechteverkauf, etwa an TV-Sender, kümmert – und die ihren Aktionären Rechenschaft schuldig ist und die nach allen Regeln der Corporate Governance kontrolliert wird.

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