Krankenhäuser Charité-Finanzchef: Qualität der Kliniken in Gefahr

Exklusiv

Der Finanzchef der Berliner Charité Matthias Scheller sieht die Qualität der Krankenhäuser in Gefahr, wenn deren Leistungen nicht besser bezahlt werden.

Was verdienen die Ärzte?
Das Allgemeinmediziner verdienen im Vergleich am wenigsten. Ihr Jahreseinkommen liegt nach Abzug der Praxiskosten, aber noch mit persönlichen Abgaben und Steuern bei 116.000 Euro. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Quelle: ZBSP
Um die kleinsten und schon etwas größeren Erdenbewohner kümmert sich der Kinderarzt. Er verdient 124.000 Euro im Jahr. Quelle: ZB
Eine Schädigung des Gehirns nach einen Schlaganfall zeigt dieses Bild eines Professors aus Jena. Neurologen und Psychiater liegen mit ihrem Einkommen von 128.000 Euro auf dem drittletzten Platz. Quelle: dpa/dpaweb
Über 100 Jahre alt ist der Ohrstöpsel schon alt. Um die Gesundheit drei unserer Sinnesorgane kümmert sich der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dafür wird er mit jährlich 144.000 Euro entlohnt. Quelle: dpa
Jedes Jahr sterben etwa 18.000 Frauen an Brustkrebs, 48.000 Fälle werden diagnostiziert. Vorsorgeuntersuchungen sollten beim Frauenarzt gemacht werden. Er verdient mit 145.000 Euro etwas mehr als der HNO-Arzt. Quelle: dpa/dpaweb
Hier bereitet sich der Chirurg auf die Operation einer gebrochenen Hand vor. Er hat ein Jahreseinkommen von 148.000 Euro im Jahr. Quelle: dapd
Mit diesem Vergrößerungsglas wird hier die Hautkrebs-Früherkennung durchgeführt. Für mehr als 218 000 Menschen ist die Diagnose tödlich. Der Hautarzt hat 155.000 Euro zur Verfügung. Quelle: dpa

„Damit gute Kliniken ihre Qualität halten können, brauchen wir andere Finanzstrukturen. Zum Beispiel müssen sich die Gehaltserhöhungen für Ärzte und Pflegekräfte in den Preisen wiederfinden, die die Kassen erstatten“, sagte Scheller im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Wir leben längst von der Substanz.“

Ausdrücklich fordert Scheller, dass Krankenhäuser profitabel arbeiten. „Jedes Unternehmen, also auch Krankenhäuser, sollte Gewinn machen. Drei bis fünf Prozent Umsatzrendite sind möglich, denn Medizin, Wissenschaft und Ökonomie sind ein Dreiklang. Leidet die Wirtschaftlichkeit, leidet die Qualität. Das gilt für kleine Häuser genauso wie für eine Uniklinik wie die Charité.“ Scheller betonte, „nur Häuser, die zumindest in der Summe ein Plus machen, können es sich leisten, auch eine hoch spezialisierte, aber unprofitable Abteilung zu betreiben.“

Zugleich warnte er vor zu hohen Renditeerwartungen börsennotierter Klinikketten-Betreiber: „Es spielt eine Rolle, ob die Klinik ihren Gewinn für sich selbst nutzen kann oder auch noch Aktionäre profitieren wollen. Höhere Qualität kostet. Das kann man nicht nur durch Einsparungen im Einkauf oder beim Personal wieder reinholen.“ Die Berliner Charité hatte 2011 erstmals in ihrer Geschichte schwarze Zahlen geschrieben. Sie machte 8,2 Millionen Euro Gewinn, 2010 schlug noch ein Verlust von 17,8 Millionen Euro zu Buche.

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