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KrankheitswelleVier Grafiken zeigen, wie krank Deutschland ist

Eine Erkältungswelle rollt über Deutschland hinweg. Die Krankschreibungen befinden sich auf sehr hohem Niveau. Diese Grafiken zeigen, wie die Büros hierzulande von Erkältungen betroffen sind.Anabel Schröter 20.12.2023 - 14:13 Uhr
Foto: imago images, WirtschaftsWoche

Schniefen, Husten und Niesen: Gefühlt ist aktuell jeder in Deutschland krank. Doch stimmt dieses Gefühl? Und wie sollten sich Arbeitnehmer am besten verhalten, wenn sie ein Kratzen im Hals spüren?

Eine Krankheitswelle macht sich langsam in Deutschland bemerkbar. Die Expertinnen und Experten des Robert-Koch-Institut (RKI) schätzen, dass aktuell mehr als sieben Millionen Bürgerinnen und Bürger von einer akuten respiratorischen Erkrankung (ARE) betroffen sind. ARE bezeichnen typische Erkältungssymptome, wie Husten und Schnupfen, aber auch Bronchitis oder Halsentzündungen gehören dazu.

Im Vergleich zu 2021 ist der aktuelle Wert hoch:

„Aktuell verzeichnen wir einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand bei den TK-versicherten Erwerbstätigen aufgrund von Erkältungskrankheiten“, sagt Techniker-Krankenkassen-Vorstandsvorsitzender Jens Baas.

Dass die Krankheitssaison beginnt, zeigt auch die Anzahl der Arztbesuche aufgrund von Atemwegserkrankungen. Seit Juli nimmt die Anzahl stetig zu. Etwa jeder fünfte Deutsche suchte in der 48. Kalenderwoche ärztliche Beratung auf.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den vergangenen Jahren wider: Zum Ende des Sommers beginnt die Zeit der Atemwegserkrankungen.

Doch lässt sich das pauschal für jedes Jahr sagen? Ursula Marschall, leitende Medizinerin der Barmer, sagt, dass die Zahl der Krankheitsfälle aus unterschiedlichen Gründen steigen können. Sie erklärt: „Infektionskrankheiten kommen in Wellen. Sie kommen zwar im Herbst, Winter und Frühjahr häufiger vor. Dennoch gibt es auch die Sommergrippe.“

Große regionale Unterschiede

Auch regional gibt es Unterschiede: Während in Hamburg nur 1161 Menschen einen Arzt wegen Atemwegserkrankungen aufsuchten, waren in Brandenburg fast dreimal so viele. Wieso manche Regionen stärker betroffen sind, lässt sich allerdings nicht sicher begründen. Abstand, Hygiene-Maßnahmen und Masken können einen Unterschied machen.

Zu dem spielt für die Ansteckungsgefahr auch das Wetter eine Rolle. So erklärt die Medizinerin: „Die Viren vermehren sich je nachdem wie das Wetter ist. Wenn es beispielsweise sehr kalt ist, überleben andere Viren als in milderen regnerischeren Wintern.“

Hinzukommt, dass mit der Anzahl der Arztbesuche auch die Zahl der Krankschreibungen steigt. Im vergangenen Winter erreichten sie den ersten Höhepunkt im Dezember 2022. Mehr 8,35 Prozent der gesetzlich Versicherten waren zu dem Punkt krankgeschrieben. Im März dieses Jahres waren es sogar 8,47 Prozent.

In diesem Jahr erreichte der Krankenstand bei erwerbsfähigen Versicherten einen neuen Höchststand. Wie die Techniker Krankenkasse (TK) im August mitteilte, waren ihre Versicherten im ersten Halbjahr im Schnitt 9,5 Tage arbeitsunfähig. Zuvor lagen die Werte bei 9,1 (2022), 6,8 (2021), 8,0 (2020) und 7,8 (2019) Fehltagen in den ersten sechs Monaten der jeweiligen Jahre.

Doch diese Zahlen des Krankenstandes beziehen sich auf Krankschreibungen jeglicher Art. „Mit einer psychischen Erkrankung, wie einer Depression, sind Versicherte im Durchschnitt sechs Wochen krankgeschrieben. Das zieht den Durchschnitt nach oben“, erläutert Marschall. Zwar machen die Atemwegserkrankungen den größten Anteil an den Fehlzeiten aus. Dennoch sei der starke Anstieg der Krankschreibungen nicht nur darauf zurückzuführen.

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Wenn die Anzahl der Fehltage durch Erkältungskrankheiten einzeln betrachtet werden, fällt auf: Im vergangenen Jahr gab es mehr Krankschreibungen als im laufenden Kalenderjahr. Zwischen Januar und Oktober lag der Schnitt der Krankentage bei erwerbstätigen TK-Versicherten bei circa 3,7 Tagen. Im selben Zeitraum 2022 waren es 4,6 Tage. Vor der Corona-Pandemie waren es 1,9 Tage. Doch wie lässt sich das erklären?

Sensibilisierung durch Pandemie

Über die möglichen Gründe für die starke Zunahme können die Expertem nur spekulieren. „Mit Sars-CoV-2 ist neben allen anderen Virusarten natürlich noch ein weiterer Erreger dazugekommen, mit dem unser Immunsystem sich auseinandersetzen muss. Darüber hinaus sind gegebenenfalls seit Corona auch mehr Menschen sensibilisiert und bleiben bei Krankheit zu Hause“, erläutert Jens Baas.

Wenn Arbeitnehmer einen Schnupfen haben, bleiben sie vielleicht eher im Homeoffice als noch vor der Pandemie. Doch die hybride Arbeitswelt sorgt dafür, dass zunehmend Arbeitnehmende krank von zuhause arbeiten. Dahingehend stellt der Vorsitzende der TK klar: „Wer krank ist, sollte sich auch auskurieren. Wer sich aber zum Beispiel mit einem leichten Schnupfen noch arbeitsfähig fühlt, kann natürlich, besonders im Homeoffice, auch noch arbeiten. Das ist in jedem individuellen Fall abzuwägen.“

Je nach Umfrage gaben zwischen 30 und 40 Prozent schon mal gearbeitet zu haben, obwohl sie krank waren. Bei einer Befragung der Techniker Krankenkasse gaben 46 Prozent an, „dass es im Homeoffice häufiger vorkommt, dass sie arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen“. Die Gründe dafür sind vielfältig: von fehlender Vertretung über dringende Arbeiten oder Termine bis hin zu Spaß an der Arbeit.

Doch ist es gut krank zu arbeiten? Grundsätzlich sollte den Arbeitnehmenden bewusst sein, dass sie sich auskurieren sollten, wenn sie krank sind. Durch Fieber oder starken Kopfschmerzen lässt die Konzentration nach. Deshalb appelliert Ursula Marschall: „Wir brauchen eine Sensibilisierung für Führungskräfte aber auch Mitarbeitende für den richtigen Umgang mit Krankheit – auch im Homeoffice.“

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