WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Krawalle in Heidenau Wieder Gewalt vor Flüchtlingsheim

Vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge bei Dresden ist es die zweite Nacht in Folge zu Krawallen gekommen. Deutschland muss sich nach Ansicht von NRW-Ministerpräsidentin Kraft (SPD) auf Kriegsflüchtlinge einstellen.

Polizei kontrolliert nach erneuten Ausschreitungen das Areal um in die neue Notunterkunft für Flüchtlinge in Heidenau. Foto: Arno Burgi Quelle: dpa

Erneut ist es vor dem Notquartier für Flüchtlinge in Heidenau bei Dresden zu Krawallen gekommen. Rechte Demonstranten warfen am späten Abend Bierflaschen und Böller auf Polizisten. „Es waren ähnliche Szenen wie in der Nacht zuvor”, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntagmorgen. Die Polizei ging mit Schutzschilden gegen die teils betrunkenen Krawallmacher vor und räumte die Straße.

Die Flüchtlinge haben in einem ehemaligen Baumarkt ein notdürftiges Obdach gefunden. „Wir hoffen, dass sie noch eine ruhige Nacht gehabt haben”, fügte der Sprecher hinzu. Ob es Verletzte oder Festnahmen gab, konnte er nicht sagen. Zahlen und nähere Details zu dem Polizeieinsatz gebe es wahrscheinlich im Lauf des Sonntags.

Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

In den Abendstunden standen sich rechte und linke Demonstranten in Heidenau gegenüber. Die Lager waren durch eine Straße voneinander getrennt. Die Atmosphäre in der kleinen Stadt südöstlich von Dresden sei angespannt gewesen, heiß es. Es blieb aber bei lautstarken Pöbeleien, Provokationen und Beleidigungen.

Bis zum Abend trafen etwa 120 neue Flüchtlinge in der Notunterkunft ein. Die vier Busse fuhren ungehindert vor das triste Gebäude. In der Nacht zuvor hatten Hunderte Menschen die Zufahrt blockiert. Sie bepöbelten die hilfesuchenden Menschen, warfen Müll auf die Straße und gingen mit Flaschen und Feuerwerkskörpern auf die Polizei los.

Kraft: Viele Flüchtlinge werden dauerhaft bleiben

Deutschland muss sich nach Einschätzung von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf viele dauerhaft bleibende Kriegsflüchtlinge einstellen. „Ich komme aus dem Ruhrgebiet - allein schon wegen Kohle und Stahl hatten wir Zuwanderungswellen aus Polen, aus Spanien, aus Italien. Am Anfang wurden Sie „Gastarbeiter” genannt, bis irgendwann klar wurde: Sie bleiben”, sagte Kraft im Interview des Deutschlandfunks.

„Und jetzt wissen wir mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die aus den Kriegsgebieten zu uns kommen, deren Asylwunsch auch anerkannt wird, dass die lange bleiben werden, wahrscheinlich für immer bleiben werden.”

Die aktuelle Situation sei nicht einfach, aber es gibt nach ihren Worten „unglaublich viel Unterstützung” in den Kommunen, in Schulen, in Kitas, durch viele Ehrenamtliche. „Das ist fantastisch, was hier in Nordrhein-Westfalen da passiert”, sagte die SPD-Politikerin. Derzeit kämen jede Woche über 6000 Menschen nach Nordrhein-Westfalen, die versorgt werden müssten. Zu allererst sei ein Dach über dem Kopf erforderlich.

Dringend müsse Hilfe des Bundes für die Kommunen auf den Weg gebracht werden, bekräftigte die NRW-Regierungschefin. Zudem seien schnellere Entscheidungen in den Asylverfahren erforderlich. Bei der Integration besitze die Sprachförderung eine große Bedeutung. Auch das Anerkennen von Berufsabschlüssen werde beschleunigt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%