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Kriminalität So funktioniert der Enkeltrick

Betrüger nutzen gerne die Gutgläubigkeit von Senioren aus. Und bringen Rentner jedes Jahr um viel Geld, manchmal um ihre gesamten Ersparnisse. Wie man sich gegen den Enkeltrick schützen kann.

Das sind die deutschen Diebstahlhochburgen
Besonders in Studentenstädten verzeichnet die Studie eine hohe Anzahl von Fahrraddiebstählen. Dass besonders die jungen Akademiker kriminell werden, wäre allerdings ein Trugschluss: Wo tausende junge Menschen studieren, ist das Fahrrad ein Hauptfortbewegungsmittel. Und je mehr Fahrräder es gibt, desto mehr können auch gestohlen werden. Im Jahr 2012 verschwanden 326.159 Fahrräder, meist auf Nimmerwiedersehen. Besonders an öffentlichen Orten und Massenradständern (Foto) gilt es daher, seinen Drahtesel sicher zu vertauen. Quelle: dpa
80. Platz: WuppertalAn der Wupper fährt man Schwebebahn, nicht Fahrrad. Auf 100.000 Einwohner kamen hier im vergangenen Jahr nur 76 Fahrraddiebstähle, also rund 1500 weniger als in der Unistadt Münster. Damit ist Wuppertal in den 80 getesteten Städten die sicherste Fahrradstadt. Quelle: dpa-dpaweb
79. Platz: RemscheidDa die Stadt – genauso wie Wuppertal – im Bergischen liegt, ist dort das Fahrrad nicht das populär Fortbewegungsmittel. In Remscheid (hier die Müngstener Brücke) wohnen 110.000 Einwohner, auf die 88 Fahrraddiebstähle kommen. Eine verschwindend geringe Zahl. Die „Klau-Quote“ ist damit rund 86 Prozent niedriger als im Durchschnitt. Die hügelige Stadt ist damit die zweitsicherste Fahrradstadt Deutschlands. Viel nutzt es den Bürgern allerdings nicht – außer sie wollen besonders fit werden. Quelle: dpa-dpaweb
78. Platz: Hagen„In” Hagen studieren die meisten Studenten Deutschlands – in Wirklichkeit tun sie das von zuhause aus, da in der Ruhrgebietsstadt Die FernUni beheimatet ist. Die „Studentenstadt” zählt 187.000 Einwohner und verzeichnete im vergangenen Jahr offiziell 195 Fahrraddiebstähle. Hagen gilt damit für Radfahrer als „sicher“. Quelle: dpa-dpaweb
77. Platz: PforzheimPforzheim liegt in der Nähe von Karlsruhe, zählt rund 115.000 Einwohner und gilt nicht wirklich als Studentenstadt. Die niedrige Platzierung im Ranking täuscht über eine negative Entwicklung hinweg: Mit 131 Fahrraddiebstählen in 2012 ist die diesbezügliche Kriminalitätsquote um fast ein Drittel gestiegen. Dennoch bekam die Stadt noch das Prädikat „sicher“.
76. Platz: SolingenDie Stadt im Rheinland (hier: Schloss Burg) ist ein sicheres Pflaster für Fahrradfahrer. Dort wurden im vergangenen Jahr nur rund 200 Fahrräder entwendet. Die Stadt liegt damit 80 Prozent unter dem Durchschnitt. Wie viele Reifen mit echten Solinger Messern zerstochen werden, ist übrigens nicht Teil der Statistik. Quelle: dpa
75. Platz: SiegenZugegeben, auf der gewaltigen Siegtalbrücke (Foto), einer der höchsten Autobahnbrücken Deutschlands, sind eh keine Fahrräder zugelassen. Aber auch in der Siegener Innenstadt mit ihrer einmalig steilen Fußgängerzone ist das Fahrrad wohl eher zweite Wahl. Das könnte auch zuletzt ein Grund dafür sein, dass in der Stadt an der Sieg so wenig Fahrräder verloren gehen: 2012 waren es auf 100.000 gerechnet nur 128 gemeldete Diebstähle und damit ein Rückgang von etwa 20 Prozent. Quelle: dpa Picture-Alliance

„Hallo Oma, wie geht es Dir?“ So versuchte ein Enkeltrickbetrüger Ende Januar an das Geld einer Seniorin in Dortmund heranzukommen. Das vermeintlich leichte Opfer schaltete – nicht nur, weil sie keinen Enkel hat. Denn junge Leute im Ruhrgebiet sagen frei nach Schnauze „Na Omma“ zu ihren Großeltern.

Nicht immer gehen die Versuche der Trickbetrüger so glimpflich aus: Trotz unermüdlicher Information durch Polizei, Medien und Präventionsstellen werden jährlich hunderte Senioren in Deutschland durch den Enkeltrick um ihr Geld gebracht, die Ermittler gehen von jährlichen Schäden in Millionenhöhe aus. Scheitert die deutsche Gesellschaft am Phänomen Enkeltrick?

„Diese Art von Betrug wird auch durch eine gesellschaftliche Entwicklung begünstigt“, sagt Kim Freigang, Pressesprecher der Polizei Dortmund. „Viele ältere Menschen sind allein, vereinsamt, Enkel und Kinder wohnen weit weg in anderen Bundesländern.“ Da seien viele bei aller Vorsicht von der Freude überwältigt, wenn sich mal jemand bei ihnen meldet. „Und das nutzen die Täter dann schamlos aus.“

Das Phänomen Enkeltrick

Zusätzlich spielen altersbedingte Erkrankungen wie Schwerhörigkeit und Demenz hinein. Die Trickbetrüger schlagen aus dem dringenden Bedürfnis der Senioren nach Wertschätzung und Anerkennung teils Summen von mehreren zehntausend Euro pro Opfer heraus. Einige Senioren zahlen diese Summen aus Hilfsbereitschaft und weil sie durch die Betrüger auf einer sehr emotionalen Ebene angesprochen werden.

Der Trick funktioniert immer ähnlich, wie die Polizei weiß. Die Banden sind in drei Hierarchien strukturiert, es gibt Anrufer, Logistiker und ein Abholerteam. Der Anrufer steht oben in der Hierarchie und telefoniert sich durch Listen alter Telefon-CDs. Er wählt gezielt alt klingende Namen wie Erna, Helga oder Waldemar aus und meldet sich mit einem einfachen „Hallo Oma“, oder aber – noch perfider – mit einem unverfänglichen „Na, rate mal, wer da ist...?“

Tipps gegen den Enkeltrickbetrug

So werden Senioren erst einmal in ein lockeres Gespräch verstrickt, um Hinweise über eventuelle echte Enkel zu bekommen, etwa durch Rückfragen: „Stefan, bist du das?“ An diese Informationen versucht er mit einer Legende anzuknüpfen und kommt dann zu seinem eigentlichen Anliegen: Der Geldforderung. Meist täuscht der angebliche Enkel Geldnot vor.

Appelliert wird an die Hilfsbereitschaft und die familiäre Solidarität der Opfer. Diese geht schließlich so weit, dass die Betroffenen sich bereit erklären, das Geld an ihnen unbekannte, angebliche Freunde des Enkels zu übergeben – die Abholer, deren Aktion von den Logistikern telefonisch angewiesen und koordiniert wird. Hat die Geldübergabe stattgefunden, verteilen die Banden das Geld in kürzester Zeit, Anruferhandys vernichten sie. Es sollen möglichst wenig Spuren hinterlassen werden.

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