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Kritik am Wahlkampf Ex-SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück rechnet mit seiner Partei ab

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat übt in einem Interview harsche Kritik an dem Wahlkampf der Sozialdemokraten. Dabei war sein eigener selbst von Pannen geprägt.

Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rechnet mit der SPD ab Quelle: dpa

DüsseldorfDer frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück rechnet mit seiner Partei ab: Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ warf er den Sozialdemokraten vor, an Realitätsverlust zu leiden. Die Mitarbeiter des Willy-Brandt-Hauses lebten zu sehr „in den Fotoalben vergangener Jahrzehnte“. Die Partei sei nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Insbesondere am Wahlkampf der SPD im vergangenen Herbst ließ Steinbrück kein gutes Haar. Dem Nachrichtenmagazin sagte er, das Angebot der Sozialdemokraten habe „wie ein Sommerschlussverkauf“ gewirkt – der frühere Parteichef Martin Schulz habe ihm den Eindruck vermittelt, „hinter der Flut der Sachaussagen“ zu verschwinden.

Die SPD habe sich in einer „Vielfaltseuphorie“ von den alltäglichen Sorgen der Bevölkerung entkoppelt: „Wie die Sozialisten in Frankreich ist auch die SPD in Gefahr, sich mehr um Antidiskriminierungspolitik und Lifestyle-Themen zu kümmern und darüber die Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft außer Acht zu lassen“, wird der Ex-NRW-Ministerpräsident zitiert.

Im Herbst fuhr die SPD mit 20,5 Prozent der Stimmen ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein. Und der Abwärtstrend setzte sich fort: Dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend zufolge würden die Sozialdemokraten derzeit nur 18 Prozent erreichen, wenn Bundestagswahl wäre – immerhin ein Prozentpunkt mehr als noch eine Woche zuvor.

Dass ausgerechnet Steinbrück derart harsche Kritik an den Sozialdemokraten übt, wirkt angesichts seines Wahlkampfes und der Wahlergebnisse, die er 2013 als Kanzlerkandidat einfuhr, unangebracht: Mit Steinbrück hatte die Partei bei der Bundestagswahl 25,7 Prozent geholt – das drittschlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Etliche Pannen prägten seinen eigenen Wahlkampf. Von ungeschickten Äußerungen über bezahlte Vortragstätigkeiten bis hin zu einer Magazinstrecke, in der er mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen war.

Nichtsdestotrotz rief Steinbrück die SPD zu einer radikalen Reform auf. Sie solle den Verfall der Alltagskultur stärker in ihren Fokus rücken und sich an der Debatte zur deutschen Leitkultur beteiligen. Über die CDU sagte der einstige Finanzminister gegenüber dem „Spiegel“: „Das Konrad-Adenauer-Haus ist erkennbar besser aufgestellt.“

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