Kritik an der Kanzlerin Schröder: Merkel hat zu wenig Führungskraft

Exklusiv

Zu wenig Führungskraft und mangelnde Bereitschaft, mit Entscheidungen auch ins Risiko zu gehen, attestiert Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Gerhard Schröder Quelle: REUTERS

„Wenn ich als Bundeskanzler nur auf das gehört hätte, was das Volk wollte, dann hätte es die Agenda 2010 nie gegeben. Gerade in der jetzigen Situation muss man sagen, was nötig ist, außenpolitisch genauso wie innenpolitisch“, sagte Schröder in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche an die Adresse der amtierenden Kanzlerin. „Man kann natürlich nicht die französische Rentenpolitik kritisieren und gleichzeitig für die heimische Klientel etwas Ähnliches machen.“

Merkel habe auch keine Visionen. „Verglichen mit der Merkel von früher ist ihre Politik heute in der Tat nicht gerade visionär“, so Schröder. Merkel orientiere sich zu stark am allgemeinen Trend. „Hat man als Kanzler den Mut, Maßnahmen Wirklichkeit werden zu lassen, die noch nicht Mainstream sind?“, sieht Schröder als entscheidendes Indiz für politische Führungsstärke.

Natürlich sei es nicht sein Ziel gewesen, mit der Agenda 2010 bei der folgenden Wahl zu scheitern. „Politische Führung heißt ja nicht, verlieren zu wollen. Das kann man von keinem Regierenden verlangen. Sie bedeutet aber, für ein wichtiges Anliegen das Risiko einzugehen, nicht wieder gewählt zu werden. An dieser Bereitschaft zum Risiko mangelt es Frau Merkel.“

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