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Ladenschluss Konterrevolution im Supermarkt

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"Wir wollen selbst entscheiden können, wie wir unsere Ressourcen einsetzen."

Grafik: Wie das Shoppen in Deutschland reguliert ist

Wie weit die Einkaufsuhr in NRW wirklich zurückgedreht wird, ist offen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hält sich bislang bei dem Thema zurück. Am vergangenen Mittwoch legten Vertreter von Handel, Gewerkschaften, Kirchen und anderen Interessengruppen in einer Expertenanhörung im Landtag ihre Positionen dar. In den nächsten Monaten wird an einem Gesetzentwurf gearbeitet. Die Grünen wollen mit einer Online-Umfrage die Wähler in die Debatte einbeziehen.

Verdattert rüsten sich Einzelhandelsunternehmer gegen die Konterrevolution im Supermarkt. Viele der Branchen-Schwergewichte haben ihre Zentralen in NRW. Lovro Mandac etwa, Chef des Warenhauskonzerns Kaufhof in Köln, warnt vor einem „herben Rückschlag für den Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen“. Werde „aus dem Ladenöffnungsgesetz wieder ein Ladenschlussgesetz“, wäre das eine „unzumutbare Gängelung der Konsumenten“ und angesichts veränderter Lebens- und Konsumgewohnheiten „völlig widersinnig“. Henning Kreke, Vorstandschef der Douglas-Holding aus Hagen, plädiert „ausdrücklich dafür, dass das bestehende Gesetz nicht geändert wird. Wir wollen selbst entscheiden können, wie wir unsere Ressourcen einsetzen.“

Rewe am Stärksten betroffen

Die Kölner Rewe-Gruppe hält sich mit offener Kritik zurück, ist aber der Hauptbetroffene. Die meist selbstständigen Rewe-Händler nutzen die Maximal-Öffnungszeiten so eifrig wie niemand sonst. Von 384 Rewe-Märkten in NRW haben 57 bis 24 Uhr auf. Insgesamt erwirtschaftet die Rewe-Gruppe von 20 bis 24 Uhr zwölf Prozent ihres NRW-Gesamtumsatzes. Allein der Rewe-Markt am Zülpicher Platz in Köln zählte in einer eher ruhigen Woche im Januar zwischen 20 und 24 Uhr 1260 Kunden, berichtet Inhaber Marcel Rahmati.

Insgesamt, konstatiert der Handelsverband NRW, haben die verlängerten Öffnungszeiten allerdings „nicht messbar zu Umsatzsteigerungen geführt“. Und laut Gewerkschaft setzt die Freiheit beim Ladenschluss Klein- und Mittelbetriebe zusätzlich unter Konkurrenzdruck. Liberalisierung heiße, „die Großen fressen die Kleinen“, warnt Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel beim Verdi-Bundesvorstand. Empirisch belegbar ist das nicht. Laut Evaluierungsbericht haben sich die neuen Öffnungszeiten nicht auf die Einzelhandelsstrukturen ausgewirkt.

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