Länder-Image Deutschland hui, Russland pfui

Deutschland ist das beliebteste Land der Welt. Dank WM-Triumph und Wirtschaftskraft überholt die Bundesrepublik die USA. Russland hingegen rauscht ab.

Deutschland ist im Ausland so beliebt wie nie Quelle: REUTERS

Merkel, Mittelstand und Mannschaft der Stunde: Deutschland genießt international einen vorzüglichen Ruf – es ist laut dem jährlichen Anholt-GfK Nation Brands IndexSM (NBISM) das beliebteste Land der Welt. Die Studie misst das Image von 49 entwickelten Ländern sowie Schwellenländern basierend auf 23 verschiedenen Merkmalen. Besonders gelobt wird Deutschland für seinen Politikstil, seine Wirtschaftskraft und die sportlichen Spitzenleistungen.

Simon Anholt, ein unabhängiger Polit-Berater, erklärt: „Deutschland hat offensichtlich nicht nur von seiner herausragenden Leistung bei der Weltmeisterschaft profitiert, sondern auch von seiner Führungsrolle in Europa, seiner starken Wirtschaft sowie seiner international kontinuierlich wahrgenommenen politischen Verantwortung.

Deutschlands Punktzahl ist vor allem in den Bereichen „ehrliche und kompetente Regierung“ gestiegen. Bei „Investitionsklima“ und „soziale Gleichheit“ stehen die höchsten Punktzahlen zu Buche, die in der diesjährigen Studie unter allen Kategorien gemessen wurden.“

In diesen Disziplinen sind die Deutschen Weltmeister
FrisierenZugegeben, es hat nichts mit Sport zu tun, aber wir Deutschen sind Friseur-Weltmeister. Bei dem im Mai in Frankfurt am Main ausgetragenen OMC Hairworld World Cup 2014 holte das Team des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks gleich in drei Kategorien die meisten Punkte und brachte so den Titel nach Hause. Die WM der Friseure gibt es übrigens schon seit 1949. Damals hieß der Wettbewerb allerdings noch Confédération Internationale de la Coiffure und fand in Paris statt. Quelle: dpa
RettungsschwimmenDie Deutschen sind im Rettungsschwimmen nicht nur Europa-, sondern auch Weltmeister. Zuletzt holten die Deutschen vor ein paar Wochen bei den World Military Championships im Schwimmen und Rettungsschwimmen den Titel. Mitte Juni gewannen sowohl das Team der Frauen als auch der Männer Gold in den Disziplinen Schwimmen, Paddeln und Kajak fahren. Quelle: ZB
BasketballWer gedacht hat, beim Basketball haben die Amerikaner die Nase vorn, der irrt sich. Zumindest was die Altersgruppe ü45 anbelangt. Im Juli letzten Jahres wurde die deutsche Frauenmannschaft in dieser Altersklasse Weltmeister und auch die Männer siegten bei der Senioren-Basketball-WM im griechischen Thessaloniki. Allerdings in der Altersgruppe ü55. Quelle: AP
OperierenDie Deutschen sind Weltmeister im Operieren: Nirgendwo sonst landen so viele Patienten unter dem Messer wie hier. Binnen fünf Jahren hat sich allein die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen in Deutschland verdoppelt, wie aktuelle Zahlen zeigen. Quelle: dpa
GlobalisierungDeutschland profitiert im internationalen Vergleich am stärksten von der Globalisierung. Das ergab eine Untersuchung des McKinsey Global Insitute. Der Country Connectedness Index des Beratungsinstituts wird anhand von Exportzahlen, Kommunikationswegen und Vernetzung von Unternehmen gebildet. Demnach ist Deutschland das weltweit am stärksten vernetzte Land - noch vor den USA, Singapur und Großbritannien. Quelle: dpa
ObstsaftDer Pokal für diese Leistung sähe sicher ungewöhnlich aus, aber die Deutschen sind Weltmeister im Saft trinken. Im vergangenen Jahr hat jeder Deutsche rund 33 Liter Saft getrunken. Quelle: ZB
LogistikDie Weltbank hat in Dutzenden von Ländern geprüft, wie es um die Pünktlichkeit und Effizienz der Logistik steht. Das Ergebnis: Die Deutschen sind nicht nur Export- sondern auch Logistik-Weltmeister. Insgesamt verliehen die befragten Logistikunternehmen Deutschland 4,12 Punkte. Damit hat sich die Bundesrepublik nicht nur verbessert (Rang vier im Jahr 2012), sondern sich auch gegen 159 andere Länder durchgesetzt. Quelle: dpa
BackenAußerdem gibt es in keinem Land der Welt so viele Brotsorten wie in Deutschland. Mit mehr als 300 verschiedenen Sorten die deutschen Bäcker Weltbrotmeister. Quelle: dpa
FußballUnd immerhin waren wir ja auch schon drei mal Fußball-Weltmeister. Auch wenn das letzte Mal schon etwas länger zurück liegt. Quelle: dpa

USA haben sich unbeliebt gemacht

Insgesamt werden die Umfrageergebnisse in sechs Kategorien zusammengefasst, nach denen das nationale Image beurteilt wird: Exporte, Regierung, Kultur, Bevölkerung, Tourismus sowie Immigration/Investitionen. Für die diesjährige Studie wurden insgesamt 20.125 Interviews in 20 Ländern durchgeführt.

Die beliebtesten Länder der Welt

Der bisherige Spitzenreiter, die Vereinigten Staaten von Amerika, büßten an Renommee ein. Während sie in Bereichen wie beispielsweise Kreativität, zeitgenössische Kultur und Bildungsinstitutionen nach wie vor als Nummer eins gesehen werden, liegen sie bei dem Thema „Engagement für weltweiten Frieden und Sicherheit“ nur auf Platz 19 von insgesamt 50 Nationen.

Ukraine-Krise schädigt Russlands Image

„In einem Jahr mit vielen internationalen Konfrontationen haben die Vereinigten Staaten vor allem in den Regionen deutlich an Boden verloren, in denen die Spannungen besonders stark waren“, erklärt GfK-Experte Xiaoyan Zhao.

„Sowohl Russland als auch Ägypten haben die USA so deutlich wie noch nie herabgestuft – vor allem in Bezug auf das amerikanische Engagement für weltweiten Frieden und Sicherheit, sowie ihre Bewertung für die Kompetenz der US-Regierung. Auf globaler Ebene muss aber Russland die stärkste Kritik einstecken.“

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In den vergangenen Jahren hatte sich Russlands Image bislang kontinuierlich verbessert. In der diesjährigen NBISM-Studie jedoch hat es die meisten Ränge aller 50 bewerteten Nationen verloren. Am stärksten ist der Wert in der Kategorie „Regierung“ gesunken; hier vor allem bei dem Merkmal für seine wahrgenommene Rolle für internationalen Frieden und Sicherheit.

Insgesamt ist Russland in der diesjährigen Studie um drei Plätze auf Rang 25 gefallen. Argentinien, China und Singapur konnten Russland überholen.

„Internationale Diplomatie spiegelt sich nicht nur in der öffentlichen Meinung wider“, sagt Xiaoyan Zhao. „Politiker müssen sich bewusst sein, dass die Art und Weise, in der ihr Land weltweit wahrgenommen wird, einen deutlichen Einfluss auf seine Wirtschaft, seinen Handel und den Tourismus hat. Ebenso wie auf seine diplomatischen und kulturellen Beziehungen zu anderen Nationen.“

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