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Landtagswahl Bayern: Wie die Opposition in die Regierungsverantwortung kommen will

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Genau das ist das Problem der SPD: Sie profitiert nicht von der Schwäche der CSU. In Umfragen kommt sie auf höchstens 20 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass die SPD kaum Gesichter hat. Maget kennen zwar die meisten Bayern noch – und viele mögen den freundlichen Münchner. Aber würde der 54-Jährige, der einen Magister in Sozialwissenschaften gemacht und seinen Wehrdienst verweigert hat, vor einem Bierzelt in der Provinz bestehen? Und würde es mit dem Wirtschaftsstandort Bayern unter der SPD nicht womöglich bergab gehen? Oder zumindest eben auch nicht besser laufen – wie denn auch, in einem Bundesland in dem nahezu Vollbeschäftigung herrscht?

Zum anderen wählt, wer mit der CSU unzufrieden ist, noch lange nicht SPD. In alteingesessenen Familien, wo schon der Vater und der Großvater ihr Kreuz bei der C-Partei gemacht haben, bleibt man am Wahltag lieber zu Hause.

Und so stecken die bayrischen Oppositionsparteien im doppelten Dilemma: Sie haben nicht nur ein Mobilisierungsproblem, sondern müssen auch noch im bürgerlichen Lager fischen, denn dieses ist im traditionsbewussten Freistaat weitaus größer als anderswo.

Selbst der grüne Spitzenkandidat Sepp Daxenbürger hat die ländlich-konservative Zielgruppe im Visier. Der Vater von drei Kindern betreibt einen Biobauernhof und geht regelmäßig in die Kirche. Doch jetzt leisteten sich die Grünen einen Schnitzer. Auf ihrem Landesparteitag im Juni beschlossen sie ein Kopftuchverbot – und ein Kruzifixverbot gleich mit. Für viele Bayern machen sie sich damit unwählbar.

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    Doch mit der grünen Gentechnik hat die Ökopartei ein Thema, das bei den Landwirten Anklang findet. Sie fordert eine gentechnikfreie Landwirtschaft, aber auch den Ausbau erneuerbarer Energien. Außerdem versuchen die Grünen bei frustrierten Eltern von Schulkindern mit bildungspolitischen Reformvorschlägen zu punkten, die sich klar von jenen der CSU unterscheiden: eine längere gemeinsame Grundschulzeit, mehr Ganztagsangebote und einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren. Reformvorschläge, die ankommen und so ist – trotz Kruzifixstreit – den Grünen der Landtag sicher, sie liegen bei elf Prozent.

    Bei der FDP  ist das nicht ganz so klar, sie dümpelt bei sieben Prozent und ist seit 1994 nicht im Landtag vertreten. „Die FDP hat die falschen Leute“, sagt ein Ergoldsbacher Biergartengast. „Martin wer?“, fragen die Leute in Bayern, wenn man sie auf den FDP-Spitzenmann Martin Zeil anspricht. Der tourt im grauen Anzug durch die Provinz, diskutiert mit dem Bauernverband über die Milchquote und kostet fränkischen Müller-Thurgau. „Die FDP will die Erbschaftsteuer abschaffen“, ruft Zeil „denn diese ist mittelstandsfeindlich und kostet Arbeitsplätze“ – ein paar Winzer nicken. Dumm nur, dass auch die CSU die Erbschaftsteuer lieber heute als morgen streichen würde und sich auf Bundesebene derzeit für eine Reform einsetzt. Damit steht die FDP mit ihrer populären Forderung nicht alleine da.

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