Landtagswahl in Bremen SPD gewinnt trotz starker Verluste

Nach drei Tagen Auszählung steht es fest: Die regierende SPD hat die Bürgerschaftswahl zwar gewonnen, ist aber stark geschwächt. Bürgermeister Jens Böhrnsen steht als Chef einer neuen Regierung nicht mehr zur Verfügung.

Stimmzettel der SPD bei der Brmer Landtagswahl. Quelle: dpa

Die Bremer SPD hat nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis trotz großer Verluste die Landtagswahl vom Sonntag gewonnen. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen die Sozialdemokraten auf 32,8 Prozent der Stimmen, die CDU erreicht 22,4 Prozent. Die Grünen haben 15,1 Prozent, die Linke kommt auf 9,5 Prozent. Die FDP zieht mit 6,6 Prozent in die Bürgerschaft ein, die AfD mit 5,5 Prozent.

Die stärksten Verluste mussten die Grünen mit 7,4 Prozentpunkten hinnehmen. Sie hatten 2011 nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ein außerordentlich gutes Ergebnis erzielt. Die SPD verlor 5,8 Prozentpunkte und damit deutlich stärker als in Umfragen vorhergesagt. Die CDU konnte sich von ihrem schwachen Ergebnis der letzten Wahl um 2 Punkte leicht verbessern. Größte Gewinner der Wahl sind die Linken mit plus 3,9 Prozentpunkten und die FDP, die um 4,2 Prozentpunkte zulegte und damit in die Bürgerschaft zurückkehrt. Auch die AfD schaffte es klar über die Hürde.

Die FDP feiert, SPD und Grüne schmollen
Wahllokal in Bremen Quelle: dpa
Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP, jubelt bei der Wahlparty der FDP über ihr Ergebnis in der Bürgerschaftswahl in Bremen. Nach der ersten Hochrechnung werden die Freien Demokraten nach vierjähriger Abstinenz wieder in die Bremische Bürgerschaft einziehen. Nach ersten Prognosen kommt die FDP auf 6,5 Prozent. Quelle: dpa
Weniger Grund zur Freude hat Karoline Linnert (r, Grüne). Nach Bekanntgabe der vorläufigen Wahlergebnisse kommen die Grünen nur auf 14,5 Prozent der Stimmen und damit auf 13 Sitze. Mit den 30 Sitzen der SPD könnte es nach wie vor eine sehr knappe Mehrheit geben – dafür braucht es 42 Sitze. Quelle: dpa
Auch die Besucher der Wahlparty der SPD hatten wenig Grund zur Freude. Die SPD hat 33 Prozent erreicht und damit massiv eingebüßt. Trotzdem dürfte es weiter für die rot-grüne Mehrheit reichen – auch wenn CDU-Mitglieder das anzweifeln. Fest steht allerdings: Die SPD hat das schlechteste Ergebnis seit 1945 in Bremen eingefahren. Quelle: dpa
Fest steht allerdings auch: Die SPD hat das schlechteste Ergebnis seit 1945 in Bremen eingefahren. Entsprechend schockiert schauen die Mitglieder. Quelle: dpa
Dementsprechend spricht auch SPD-Spitzenmann Jens Böhrnsen von einer "bitteren" Wahl. "Wir hatten schon schönere Wahlabende", sagt er. "Es sind heftige Verluste, die uns eine Aufforderung bringen: Genau zu fragen, woran hat es gelegen." Quelle: REUTERS
Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD), Piet Leidreiter, hat dagegen Grund zu feiern: Laut ersten Prognosen kommt die AfD auf 5,2 Prozent und zieht damit in die Bürgerschaft ein. Quelle: dpa

Die Wahlbeteiligung sank von 55,5 Prozent 2011 auf den neuen Tiefstand von nur noch 50,1 Prozent.

In der Bremischen Bürgerschaft, dem Landtag des kleinsten Bundeslands, ist die SPD künftig mit 30 Abgeordneten vertreten. Die CDU stellt 20, die Grünen 14 Parlamentarier. Die Linke entsendet 8 Abgeordnete, die FDP 6 und die AfD 4. Auch die Wählervereinigung Bürger in Wut (BIW) stellt einen Abgeordneten. Das ist möglich, weil es nach dem Wahlgesetz ausreicht, in einer der beiden Städte über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Das gelang BIW in Bremerhaven.

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Falls SPD und Grüne ihre Koalition fortsetzen, hätten sie eine Mehrheit von 44 der 83 Sitze. SPD-Chef Dieter Reinken hat aber auch ein Bündnis mit der CDU als Möglichkeit genannt. Diese große Koalition würde über 50 Mandate verfügen.

Eine Entscheidung, wem sie Koalitionsgespräche anbietet, will die SPD erst nach der Analyse des Endergebnisses treffen. Zunächst muss die Partei einen Nachfolger für Böhrnsen finden. Dazu will Reinken dem Landesvorstand am Montag einen Vorschlag machen. Als Favorit gilt der Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling.

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