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Langsames Internet Ist dieser Mann an allem schuld?

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"Ein ideologischer Kampf, der mit technischen Dingen nichts zu tun hatte"

Die CDU mit Schwarz-Schilling als medienpolitischem Sprecher dagegen hatte andere Prioritäten: Sie wollte zuerst das Meinungsmonopol der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten brechen und über die TV-Kabel private Fernsehprogramme in Millionen von Haushalten bringen. Entsprechende Forderungen hatte der Kabelverfechter schon 1976 auf medienpolitischen Tagungen erhoben. Als Gesellschafter einer Kabelprojektgesellschaft, die er zusammen mit dem Computer-Bauer Heinz Nixdorf gründete, hatte er auch ein geschäftliches Interesse am Gelingen seiner Kabelträume.

100.000 Kilometer Glasfaser

Die Vorliebe der SPD für Glasfaser betrachtete Schwarz-Schilling, so sagt er es heute, nur als „politische List“. Immer wieder hatten die Sozialdemokraten betont, dass „unter keinen Umständen für die vorgesehene Verkabelung Kupferkabel verwendet werden dürfen“. Die Glasfaser sei viel moderner, man solle deshalb darauf warten, bis sie ausgereift und einsatzbereit sei: So hatte die SPD nach dem Regierungswechsel im Oktober 1982 den von Schwarz-Schilling bevorzugten Ausbau der TV-Kabelnetze torpediert. „Die SPD verbreitete sehr erfolgreich die These“, erinnert sich Schwarz-Schilling. „Das war ein ideologischer Kampf, der mit technischen Dingen nichts zu tun hatte.“ Es sei Strategie der SPD gewesen, das TV-Kabelnetz zu stoppen.

Viele Städte und Kommunen schlossen sich damals dieser Argumentation an. Selbst die Industrie machte sich für den Glasfaserausbau stark, weil sie – so mutmaßt Schwarz-Schilling heute – sich hohe Zuschüsse aus dem Forschungsministerium erhoffte. Aber: „Bis zum Regierungswechsel hatte die sozialliberale Koalition merkwürdigerweise überhaupt keine Glasfaser für solche Zwecke eingesetzt“, erinnert sich Schwarz-Schilling. Tatsächlich hatte die Bundespost nur vergleichsweise kleine Versuchsprojekte wie die 1979 gebaute Teststrecke im Berliner Stadtteil Wilmersdorf gestartet.

Den ersten Auftrag für ein großes Glasfasernetz habe er schon 1983 in seinem ersten Jahr als Postminister erteilt, betont der Expostminister. 100.000 Kilometer Glasfaser wurden für diese erste Datenautobahn verlegt – für eine Ferntrasse, die von Bremen über Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Nürnberg bis nach München reichte. Für den Einsatz im Ortsnetz bis zu den Häusern sei die Glasfaser damals noch nicht ausgereift und viel zu teuer gewesen. Die Kosten pro Anschluss hätten sich vervierfacht.

Die großen Glasfaserlücken der Gegenwart soll jetzt ausgerechnet ein anderes Familienmitglied schließen. Schwarz-Schillings Tochter Cara arbeitet als Referatsleiterin in der Bundesnetzagentur. Jetzt, so heißt es in der Behörde, gelte sie als „heißer Anwärter“ für den Posten des obersten Streitschlichters in der Agentur, der alle Konflikte beim Verlegen und Mitnutzen von Leerrohren entscheiden soll. Die Personalentscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Ein kleiner, später Trost für den Vater: Cara Schwarz-Schilling könnte dann das Glasfaserstückwerk vollenden, das er zurückgelassen hat.

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