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Laschet vs. Söder Kanzlerkandidatur: Tabakrauch statt Datenschutz

Die ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, r.) und Helmut Schmidt (SPD) Quelle: ddp images

Angesichts der Impfmisere erinnern wir uns wehmütig an die politischen Krisenmanager vergangener Zeiten. Wieviel Schmidt und Schröder stecken in Laschet und Söder? Und wie sähe der ideale Kanzlerkandidat aus?

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Wenn in diesen Tagen wieder die Namen von Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder fallen, sollten bei Armin Laschet und Markus Söder die Alarmglocken läuten. Die Beschwörung der alten Recken zeigt nämlich überdeutlich, wie unzufrieden die Bevölkerung mit dem derzeitigen Personalangebot der Union ist. So wie Helmut Schmidt als Hamburger Innensenator 1962 quasi im Alleingang die Sturmflut gemanagt hat, so wünscht man sich jetzt die rasche Überwindung der Pandemie durch Laschet und Söder. Ein „richtiger Krisenmanager“ müsste halt ran, ein kettenrauchender Befehlsverteiler, der nur mit Hilfe von Cola, schwarzem Kaffee und unangreifbarer Autorität die Katastrophe bezwingt. Ein richtiger Haudegen eben, einer der im Weltkrieg gekämpft und nicht in Staatskanzleien gemauschelt hat. Einer, dem Zuständigkeiten, Bedenken und Konsensrunden so egal sind wie dem Metzger die Wurst.

Wir ahnen, dass nach diesem Schema weder Laschet noch Söder die Richtigen wären. Der eine zögert und schwankt zwischen Öffnungskurs und „Brücken-Lockdown“. Und der andere stößt täglich markige, aber folgenlose Sätze aus – und hat in Bayern seit über einem Jahr mit die höchsten Inzidenzwerte zu verantworten.

Oft ist es ja auch nur der äußere Eindruck, den ein richtiger Krisenmanager braucht, die richtige Inszenierung, der passende Soundtrack. Die Jüngeren erinnern sich jetzt vielleicht an Gerhard Schröder, der 2002 mit Gummistiefeln und grimmigem Feldherrenblick durch die Elb- und Oderfluten in Ostdeutschland watete, eingehüllt in eine dekorative Regenjacke und finster entschlossen, dieses nasse Geschenk der Natur politisch zu nutzen – ganz nach dem Churchill-Motto: „never miss a good crisis“.



Natürlich waren das andere Zeiten, sagen heute die Besonnenen und Korrekten, also alle die, die weniger Truppen, Tabakrauch und Testosteron wollen und dafür mehr Datenschutz, Kontaktsperren und Impfgerechtigkeit. Und es ist ja richtig – natürlich könnten die Schmidts, Schröders und Churchills dieser Welt heute auch nicht zaubern. Aber ein bisschen mehr von ihrer „leadership“ und ihrer Ergebnisorientierung würde man sich schon wünschen.


Der ideale Kanzlerkandidat für das Jahr 2021 wäre schlank und wirtschaftsfreundlich wie Friedrich Merz, jung und kantig wie Jens Spahn, sympathisch und besonnen wie Armin Laschet und listig-verschlagen wie Markus Söder. Und vielleicht könnte der ideale Kandidat auch noch so markant formulieren wie Ralph Brinkhaus, der (nach 16 Jahren Unionsregierung) soeben mit echter Betroffenheit festgestellt hat, dass Deutschland unter einer Schicht von 200 Jahren Staub begraben liegt.

Klar, da fehlt noch etwas, denn die Frauenquote verlangt bei den künftigen „Nachfolgenden“ von Angela Merkel nach mütterlicher Empathie, weiblicher Raffinesse und emanzipatorischer Unabhängigkeit, idealerweise ergänzt durch den Erlebnishorizont nicht-christlicher Aufsteigermilieus mit Migrationshintergrund. Gut wirken würde unter Umständen auch die durch Unerfahrenheit gespeiste „Frische“ und Spontanität einer Annalena Baerbock.

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Sonst noch was? Ach ja, die dampfenden Pfeifen und qualmenden Zigarren der alten Recken Schmidt und Schröder würden heute so absurd aussehen wie einst die Melone auf dem Kopf von Churchill. Damit kann man heute nun wirklich keinem mehr kommen. Allerdings raucht Armin Laschet gerne Zigarillos. Vielleicht sollte er versuchshalber doch mal eine davon bei der nächsten Markus-Lanz-Sendung im Studio paffen – als Reminiszenz an Altkanzler Schmidt? Aber das geht ja auch nicht. Qualmen mit Mundschutz ist mindestens so unmöglich wie das Modellieren eines idealen Kanzlerkandidaten.

Mehr zum Thema: Umfragetief, Maskenaffäre, Impfdesaster – und dann noch eine Kanzlerin, die sich öffentlich für ihren Fehler entschuldigt. Vom CDU-Chef ist wenig zu hören.

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