LeFloid interviewt Angela Merkel "Ein erster, großer Schritt"

YouTube-Star LeFloid hat Angela Merkel interviewt. Für die Bundeskanzlerin ist YouTube ein bekanntes Spielfeld. Ihre bisherigen Unternehmungen auf der Videoplattform waren ineffektiv und teuer.

Deutschland hat keine Ahnung vom Internet
Laut einer Studie der Internationale Fernmeldeunion (ITU) haben 4,3 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zum Internet oder zu Handys, ein Großteil von ihnen lebt in Entwicklungsländern. Besonders in Afrika mangelt es an der Verbreitung der modernen Technik, wie der Informations- und Kommunikationsentwicklungsindex der ITU zeigt. Internationales Schlusslicht ist die Zentralafrikanische Republik auf Platz 166. Allerdings steigt in den Entwicklungsländern die Verbreitung rasant: 2013 stieg die Verbreitung um 8,7 Prozent - in den Industrienationen waren es dagegen nur 3,3 Prozent mehr. Und einige der Industriestaaten könnten durchaus noch Nachhilfe gebrauchen. Quelle: AP
So schafft es Deutschland nur auf Platz 17, was die Zugänglichkeit und die Nutzung von Internet und Handys sowie die Kompetenz der Bevölkerung im Umgang mit der Technik angeht. In der Bundesrepublik hapert es jedoch nicht nur an der flächendeckenden Versorgung mit schnellen Internetanbindungen. Bereits im Jahr 2012 hat eine Studie von Eurostat den Deutschen in Sachen Computerkenntnisse kein gutes Zeugnis ausgestellt. Und daran hat sich bis dato nicht viel geändert. Nur 58 Prozent der Deutschen haben mittlere bis gute PC-Kenntnisse. Und selbst die Digital Natives, die mit Computern, Internet und Handy groß geworden sind, gehen nicht automatisch kompetent mit den neuen Medien um. Zu diesem zentralen Ergebnis kommt eine weltweite Studie zu den Computer- und Internetkenntnissen von Achtklässlern. Quelle: dpa
Doch selbst die USA - Heimatland von Google, Facebook, Microsoft, Twitter & Co. - wurden von der ITU nur auf Platz 14 eingestuft. Im kommenden Jahr könnten sich die USA jedoch hocharbeiten. Dann nämlich sollen zumindest in New York alte Telefonzellen durch kostenlose Wifi-Stationen ersetzt werden. Fehlen nur noch die ländlichen Regionen versorgt. Quelle: dpa
Österreich und die Schweiz landen im weltweiten Internet-Ranking auf den Plätzen zwölf und 13. Auch bei der „ International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) schnitten Österreich und die Schweiz besser ab, als Deutschland. Die Schüler aus den Nachbarstaaten taten sich leichter, einfache Textdokumente am Computer zu erstelle oder eigenständig Informationen zu ermitteln (Kompetenzstufen III und IV). Von den deutschen Schüler erreichte dagegen nur jeder Dritte die untersten Kompetenzstufen I und II: Das bedeutet, dass viele deutsche Jugendlichen gerade einmal über rudimentäres Wissen und Fertigkeiten beim Umgang mit neuen Technologien verfügt. Sie konnten etwa einen Link oder eine E-Mail öffnen. Quelle: AP
Besser als die deutschsprachigen Länder schnitten dagegen Japan (Platz elf), Luxemburg (Platz zehn), Hongkong (Platz neun) und Finnland (Platz acht). Quelle: dapd
Selbst unsere Nachbarn im Westen sind in puncto Verbreitung und Kompetenz deutlich besser aufgestellt: Mit einem Informations- und Kommunikationsentwicklungsindex von 8.38 kommen die Niederlande auf Platz sieben und sind damit zehn Plätze vor Deutschland mit einem Index von 7,90. Quelle: AP
Auf Platz drei liegt Schweden mit einem Index von 8.67 vor Island (8.64), Großbritannien (8.50) und Norwegen (8.39). Quelle: REUTERS

Für ihre digitalen Ichs gibt es bei Angela Merkel eine klare Arbeitsteilung. Auf Facebook tritt sie vor allem als CDU-Parteivorsitzende auf. Der Account wird von der Parteizentrale im Konrad-Adenauer-Haus betreut.  Auf dem Profil der Bundesregierung ist sie zudem als Kanzlerin zu sehen. Hierfür ist das Bundespresseamt zuständig. Beim Kurznachrichtendienst Twitter lässt Merkel sich von Regierungssprecher Steffen Seibert vertreten.

Die Videoplattform YouTube ist hingegen Chefsache. Am vergangenen Freitag ließ sich Merkel von Florian Mundt alias LeFloid für seinen gleichnamigen YouTube-Kanal interviewen. Am Montagabend ging das Interview mit knapp 30 Minuten Verspätung online.

Für Thorsten Faas, Politikwissenschaftler und Wahlkampfexperte von der Universität Mainz, ist das nicht ausschließlich PR in eigener Sache, sondern vielmehr eine „zeit- und zielgruppengemäße Ansprache von Kindern und Jugendlichen“. Gleichwohl seien die 2,6 Millionen Abonnenten, die LeFloid mit seinem YouTube-Kanal hat, für Politik und Politiker sehr wichtig – „nicht zuletzt in Zeiten, in denen wir über Wählen mit 16 diskutieren“, sagt Faas. Allein in den ersten elf Stunden erreichte das Video über 851.000 Zuschauer - und das mag nicht nur an der Prominenz von Angela Merkel liegen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Zum Vergleich: Die Bundesregierung hat auf YouTube gerade mal 13.000 Abonnenten. Seit 2006 spricht Merkel einmal pro Woche in ihrem Podcast „Die Kanzlerin direkt“ über ein Thema ihrer Wahl. Einige hundert, manchmal einige tausend Klicks sind hier normal. Rein nach Zuschauerzahlen sind die Videos also ein Flop – ein teurer dazu: 2.000 Euro kostet eine Folge, 386 wurden seit dem Jahr 2006 produziert.

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Macht 772.000 Euro in neun Jahren. Anfang dieses Jahres kam zudem das Format „Die Woche der Kanzlerin“ hinzu wofür bislang 46.700 Euro anfielen. Aus Sicht von Thorsten Faas ist entscheidend, dass Politik dort hingeht, wo sich politisch interessierte junge Leute aufhalten. Vor dem Hintergrund sei das Interview "ein erster, großer Schritt".

 

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