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Leipzig Wie Leipzig sich mithilfe der UBS verzockte

Bis zu 290 Millionen Euro Verlust drohen Leipzig, weil Geschäftsführer der Wasserwerke mithilfe der UBS dubiose Geschäfte machten.

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Augustusplatz in Leipzig Quelle: Leipzig Tourismus und Marketing - Schmidt

Nichts deutete am späten Nachmittag des 9. Dezember darauf hin, dass eine unscheinbare E-Mail eine Lawine ins Rutschen bringen könnte. Nur zwei Monate später droht sie eine ganze Kommune unter sich zu begraben. Der Mitarbeiter der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV), der sie empfing, war es gewohnt, im täglichen Nachrichtenverkehr der städtischen Unternehmensholding Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Diese Nachricht las er zweimal – nicht um sie zu verstehen, sondern weil er nicht glauben konnte, was ihm da auf den Tisch geflattert war. „Mit freundlichen Grüßen“ hatte ein Mitarbeiter der Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) ihm gerade eine „Risikomeldung der KWL bezüglich Risiken aus bestehenden Zahlungsverpflichtungen aus Kreditportfolio“ gesandt. Aufgrund eines Schadensfalls entstünde eine Nachschusspflicht von 20 Millionen Euro.

Die Nachricht löste eine Kettenreaktion aus. Am 22. Dezember beurlaubte die Gesellschafterversammlung der Wasserwerke die KWL-Geschäftsführer Klaus Heininger und Andreas Schirmer. Am 4. Januar erstattete Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) Anzeige gegen beide, der Aufsichtsrat feuerte sie vier Tage später.

Finanzwetten in der Londoner City

Inzwischen steht fest: Leipzig muss im schlimmsten Fall 290 Millionen Euro an die Schweizer Bank UBS zahlen, weil Heininger und Schirmer auf Rechnung der Wasserwerke Finanzwetten in der Londoner City abgeschlossen hatten. Die genaue Schadenssumme lässt sich bisher nur erahnen. „Ich rechne aber schon heute definitiv mit Millionenforderungen aus diesen Geschäften innerhalb der nächsten Monate“, teilte der sichtlich bedrückte Oberbürgermeister am 20. Januar dem Stadtrat mit.

Seitdem steht das Leipziger Rathaus kopf: 150 Ermittler, Wirtschaftsprüfer, Bankexperten und Anwälte untersuchen die Geschäfte. Die Ines, eine Sonderabteilung der sächsischen Staatsanwaltschaft, befasst sich ebenfalls mit den Vorgängen.

Unangenehme Fragen

Was die Rathaus-Taskforce bisher zutage gefördert hat, erlaubt zum ersten Mal einen Blick auf die zweifelhaften Geschäftsmethoden einer internationalen Großbank gegenüber deutschen Kommunen. Und es geht um Manager eines kommunalen Unternehmens, die womöglich zum Schaden ihrer Stadt die Grenzen der Legalität überschritten haben. Es ist die Geschichte eines finanziellen Kollateralschadens, der eine Stadt ereilte, weil ihre Manager taten, was sie wollten, und ihre Aufseher nicht bemerkten, was jene taten. Und die für die UBS viele unangenehme Fragen aufwirft.

Im Mittelpunkt stehen Klaus Heininger, ein nach der Wende aus München nach Leipzig gewanderter Kommunalmanager, und die Schweizer Großbank UBS. 2006 reiste Heininger nach London, um dort ein atemberaubendes Geschäft in Gang zu setzen. Es könnte die Messestadt Leipzig schlimmstenfalls für die nächsten beiden Generationen beschäftigen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll Heininger mit seinem Co-Geschäftsführer Schirmer in der City über ein schwarzes Konto bei der UBS zwei hochriskante Finanzwetten abgeschlossen haben, weitgehend an Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfer vorbei.

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