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LinksparteiJemand muss die Linke vor Wagenknecht retten

In der Debatte um Russlands Aggression in der Ukraine blamiert sich die Linke. Jemand muss die Partei vor ihren eigenen Populistinnen schützen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Max Biederbeck 14.09.2022 - 15:57 Uhr

Sahra Wagenknecht im Bundestag.

Foto: dpa

Der Zustand der Linkspartei muss aktuell jeden schmerzen, der noch an eine sozialistische Alternative in Berlin glaubt oder überhaupt an eine Zukunft der Linken. Sahra Wagenknecht und ihre Genossen im Geiste führen einmal mehr eine geradezu prototypische Querfront-Parade auf – inklusive jener Pro-Russland-Verdrehungen, die auch die AfD runterbetet. Der Regierung wirft Wagenknecht „einen Wirtschaftskrieg gegen unseren wichtigsten Energielieferanten“ vor. Auf Social Media fragt einer passend: „Arbeitet die eigentlich für den russischen Geheimdienst, oder sagt sie den Quatsch freiwillig?“

Dabei ist es kaum überraschend. Die Rede-Führerin der Linken ist schon lange tief in den Populismus-Graben gefallen. Man erinnere sich an die Sammelbewegung #aufstehen, an Wagenknechts Youtube-Auftritte während der Corona-Zeit oder ihr unsägliches Buch „Die Selbstgerechten“. Die intellektuelle Vordenkerin von einst ist längst zur Wutbürger-Fängerin geworden, die in Minderheitenrechten eine linksliberale Marotte sieht, und für die soziale Gerechtigkeit nur in einer ethnisch homogenen Gesellschaft funktioniert, wie es „taz"-Autor Stefan Reinecke einmal treffend beschrieb

Ihre Partei scheint Wagenknecht mitzureißen. Wo andere ihre Extremisten – ihre Sarrazins, Palmers, Maaßens und Ottes – intern einhegen oder gar ausschließen, hat der größte Landesverband der Linken Wagenknecht vergangenes Jahr zur Spitzenkandidatin gemacht. Seitdem wächst ihr Einfluss wieder. Viele Reden im Bundestag klingen heute nicht mehr links, sie klingen nach Sahra Wagenknecht. 

Gleichzeitig schwächelt der Widerstand. Populäre Vertreter wie Fabio di Masi und Ulrich Schneider verlassen die Partei. Linken-Chef Martin Schirdewan kommt nicht über eine kümmerliche Distanzierung zu Wagenknecht hinaus. Dabei müssten gerade die Vernünftigen jetzt dagegen halten: Es gilt, junge modern denkende Parteimitglieder und deren Netzwerke zu fördern, gemeinsam neue Antworten und Erzählungen gegen den Populismus in den eigenen Reihen zu finden und dem schon ewig andauernden Flügelstreit in der Partei einen grundsätzlich neuen Spin zu geben.

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