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Lockdown für Salons endet Friseure zu öffnen ist richtig – aber der Grund ist falsch!

Ab dem 1. März dürfen Friseurbetriebe in der Bundesrepublik unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen. Quelle: dpa

Der Lockdown bleibt, die Modehändler müssen erst einmal zu lassen, aber Haare dürfen in den Salons wieder geschnitten werden. Unfair? Nein, sinnvoll! Aber nicht wegen des schrägen Grunds, den die Politiker anführen. Ein Kommentar.

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Wenn die Friseurbetriebe ab März wieder Kunden begrüßen dürfen, haben sie das ihrer „Bedeutung für die Körperhygiene“ zu verdanken, so ein Ergebnis der Bund-Länder-Konferenz vom Mittwochabend. Nachdem die Beratungen beendet waren, hörte man einen Landeschef nach dem anderen sagen, wie wichtig, gerade für alte Menschen, der Friseurbesuch als Teil der regelmäßigen Hygiene sei.

NRWs Ministerpräsident Armin Laschet sprach etwa von Briefen zahlreicher Senioren mit der Bitte, ihnen das nicht zu verwehren. Auch Bayern-Chef Markus Söders Beschreibung der Notwendigkeit, die Haarsalons wegen der Hygiene zu öffnen, mutete am Mittwochabend rührselig an.

Doch wenn das der Versuch sein sollte, die Menschen zu besänftigen, die lieber wieder mit Maske und Abstandhalten in den Klamottenladen um die Ecke gegangen wären, als die Möglichkeit zu haben, ihre Haare schneiden zu lassen, dürfte diese Argumentationskette vielerorts nach hinten losgehen.

Das Schlimmste daran ist aber: Es gäbe rational viel bessere Argumente, die dafür sprechen, dass Friseursalons frühzeitig wieder öffnen sollten.

Es gibt da ein Zitat aus dem März 2020, als Italien unter dem härtesten Lockdown stand, den man sich vorstellen kann – teils mit absolutem Ausgangsverbot. In dieser Zeit fluchte Antonio Tutolo, Bürgermeister der italienischen Stadt Lucera im März 2020 in seine Handykamera: „Diese verdammten Friseurinnen und Friseure, die von Haus zu Haus gehen, um die Haare von Frauen zu richten. Wofür verdammt noch mal machen die das? Wozu das Ganze? Versteht ihr, dass Särge geschlossen sind? Wer wird all die schönen Friseuren in den Särgen sehen?“

Diese Wortwahl wünscht sich hierzulande keiner von Politikern – aber Tutolo hatte dennoch Recht. Vielleicht sollten wir uns diese Worte nochmal bewusst machen, wenn wir darüber diskutieren, warum ausgerechnet Friseursalons jetzt wieder öffnen dürfen für Strähnchen, Dauerwelle und den frechen Bob, der dringend wieder in Form geschnitten werden müsste.



Das Problem der geschlossenen Friseursalons für ein Gros der Gesellschaft und die Lage in dieser Pandemie dürfte nämlich nicht sein, dass es älteren Menschen schwerfällt, sich selbst die Haare zu waschen. Das ist für einzelne Personen sicher eine Herausforderung, womöglich auch ein Problem, zieht aber sicher nicht als gutes Argument für die Menschen hierzulande. Dadurch, dass Friseure und Friseurinnen, die im Privaten von Haushalt zu Haushalt tingeln, und – im schlimmsten Fall sogar ohne Abstand, Desinfektion und Masken – heimlich ihre Dienste anbieten, könnten sie durchaus versteckte Pandemietreiber sein.

Dass Schwarzarbeit im Friseurhandwerk seit der Pandemie zum Problem geworden ist, belegen sogar Zahlen: So verzeichnete die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) 2020 in Friseursalons bei 1913 Kontrollen 866 Strafverfahren wegen Beitragsvorenthaltung und Leistungsmissbrauch. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es, trotz höherer Kontrolldichte, noch 764 Strafverfahren. Geldbußen gab es drei Mal so viele! Und selbst der Präsident des Zentralverbandes vom Deutschen Friseurhandwerk, Harald Esser, sagte erst kurz vor dem Bund-Länder-Gipfel der WirtschaftsWoche: „Es gibt im Friseurhandwerk viel mehr Schwarzarbeit – das Ordnungsamt darf nur nicht in den Privaträumen kontrollieren.“

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Und er lieferte im gleichen Atemzug auch das weltbeste Argument, das Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs am Mittwochabend hätten heranziehen müssen: „Um Schwarzarbeit zu verhindern, sollten die Friseure so schnell wie möglich wieder öffnen und in ihren Salons sichere Friseurdienstleistungen anbieten“, sagte Esser.

Dass Friseure also im März öffnen, ist keine schlechte Idee. Im Gegenteil! Die Chance, den Menschen diese Entscheidung sinnvoll zu vermitteln, haben die Politiker allerdings verpasst.

Mehr zum Thema: „Das wäre der Worst Case“: Niedersachsens Ministerpräsident Weil warnt vor einer dritten Coronawelle und spricht im WiWo-Interview über Wechselunterricht in Schulen, ein Ende des Lockdowns und Steuern für Reiche.

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