Löhne und Nebenkosten Arbeitskosten in Deutschland ziehen weiter an

Die Arbeitskosten in Deutschland waren im Frühjahr so hoch wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Damit liegt die Bundesrepublik über dem Durchschnitt der Euro-Zone. Treiber sind vor allem die hohen Tarifabschlüsse.

Euromünzen und Euroscheine. Quelle: dpa

Arbeit in Deutschland hat sich im Frühjahr so stark verteuert wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten erhöhten sich von April bis Juni zusammen um 3,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Treiber sind vor allem die Löhne und Gehälter. Sie legten überdurchschnittlich um 3,4 Prozent zu.

Die Lohnnebenkosten, zu denen etwa die Beiträge zur Kranken- und Sozialversicherung zählen, stiegen um zwei Prozent. Vertreter aus dem Lager der Gewerkschaften und Arbeitgeber sind sich einig, dass höhere Löhne und Gehälter den Konsum ankurbeln könnten. Strittig ist jedoch, inwieweit zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen eingeschränkt wird.

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Euro-Scheine Quelle: dpa
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Mit dem Mehrwert für das Unternehmen argumentierenDas Gehalt hängt auch von den eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen ab. Je mehr man vorzuweisen hat, desto mehr kann man erwarten und verlangen. Bei der Gehaltsverhandlung sollte man herausstellen, wie man zum Unternehmenserfolg beiträgt – und sein Geld entsprechend wert ist. Man kann etwa Vertriebserfolge, Kosteneinsparungen oder Projektabschlüsse nennen, die mit einem eintreten werden. Quelle: Fotolia
Achten Sie auf Ihre Worte Quelle: Fotolia
Immer vom Jahresgehalt sprechenWichtig ist, mit wie viel man am Ende des Jahres da steht. Verhandelt man allerdings mit Monatsgehältern, kann es dabei zu Missverständnissen kommen. Denn nicht jedes Unternehmen zahlt ein 13. Gehalt. Quelle: dpa

Tarifexperte Rainer Bispinck vom gewerkschaftsnahen WSI-Institut erwartet Impulse für die Kaufkraft. "Das gibt mehr Raum für die private Nachfrage in Deutschland", sagte Bispinck zu Reuters. Dies sei positiv für die Konjunktur, fördere ein ausgeglichenes Wachstum und reduziere die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Export.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hingegen warnt, dass die Lohnstückkosten - eine wichtige Kennziffer im internationalen Konkurrenzkampf - 2015 das vierte Jahr in Folge steigen dürften. Dies sei bedenklich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, sagte IW-Fachmann Christoph Schröder. "Die Unternehmen müssen Gewinne machen, um zu investieren."

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Sollte sich die Konjunkturschwäche in China und anderen Schwellenländer in den nächsten Monaten auf die deutsche Wirtschaft niederschlagen, könnten die Firmen bei den Arbeitskosten kurzfristig kaum gegensteuern. "Sie könnten sich höchstens bei Sonder- und Bonuszahlungen zurückhalten."

Im ersten Quartal verteuerte sich die Arbeit in Deutschland mit 2,8 Prozent stärker als im EU-Schnitt mit 2,5 Prozent oder im Durchschnitt der Euro-Zone mit 2,2 Prozent. Die höchsten Wachstumsraten gab es in Lettland (+7,3 Prozent), Rumänien (+7,1 Prozent) und Bulgarien (+6,9 Prozent) auf. In Zypern, das von internationalen Gläubigern finanziell gestützt wird und einen harten Sparkurs durchmacht, sanken die Arbeitskosten um 1,8 Prozent.

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