WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Lohnsteigerungen bis 5 Prozent Gysi will mit großem Tarifplus Euro-Krise entschärfen

Seite 2/2

Mehrheit der Deutschen steht hinter Weidmanns Vorschlag

Die IG Metall sieht sich in der Diskussion um anstehende Tariferhöhungen durch die Bundesbank bestätigt. „Präsident Jens Weidmann hat exakt die Berechnung des verteilungsneutralen Spielraums beschrieben, an der wir uns auch orientieren“, sagte der Leiter der IG-Metall-Tarifabteilung, Stefan Schaumburg, jüngst der Nachrichtenagentur dpa.

Kritik am Bundesbank-Chef kam vom Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Durch die Debatte leide die Glaubwürdigkeit der Bundesbank, schrieb Hüther im Magazin „Focus“. Die große Mehrheit der Deutschen steht dagegen laut einer Umfrage für das Magazin „Focus“ hinter Weidmanns Vorschlag.

„Es gibt keinen Grund, der Lohnpolitik eine Abkehr von der Beschäftigungsorientierung anzuraten“, erklärte dagegen Hüther. Angesichts von knapp 2,9 Millionen Arbeitslosen sei es wichtig, den Lohnerhöhungsspielraum nicht auszuschöpfen.

Hüther ist der Auffassung, dass die Debatte über höhere Löhne der Notenbank insgesamt geschadet habe: „Am Ende bleibt, dass die Bundesbank als eigentlich erwartungstreue Institution Erwartungen nicht erfüllt. Gelitten hat dabei die wichtigste Währung der Bank: Ihre Glaubwürdigkeit.“

Die Argumente der Bundesbank seien nachvollziehbar, da es ihr ausschließlich um die Geldwertstabilität gehe, sagte Schaumburg. Die IG Metall befürchte zwar aktuell keine Deflation, sehe aber durchaus am Beispiel Japan die Gefahren dauerhaft stagnierender oder gar fallender Preise für eine Industrienation. „Wir haben uns oft genug über die Bundesbank geärgert, wenn sie mal wieder im aus unserer Sicht falschen Moment zur Lohnzurückhaltung aufgerufen hat. Warum sollen wir uns jetzt nicht freuen, wenn sie mal unserer Meinung ist?“

Schaumburg nennt die Reaktion der Arbeitgeber auf Weidmanns Äußerungen unangemessen. Die behaupteten negativen Auswirkungen von Lohnerhöhungen auf den Arbeitsmarkt seien anhand von Daten aus der Vergangenheit nicht belegbar. Dass wegen schrumpfender Gewinne Investitionen ausbleiben könnten, sei ebenfalls nicht nachzuvollziehen. „Es hat auch in den Zeiten sprudelnder Gewinne bei den Unternehmen eine gewisse Investitionszurückhaltung gegeben, die zu Nachholbedarf geführt hat.“

Einer Emnid-Umfrage für den „Focus“ zufolge unterstützen drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) Weidmanns Forderung nach höheren Tariflöhnen. 16 Prozent lehnten den Vorschlag ab. Für die Umfrage waren am 30. und 31. Juli 1007 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland befragt worden.

Die IG Metall werde ihre Forderung für die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie wie angekündigt erst im November beschließen. Dabei würden auch konjunkturelle Einflussfaktoren berücksichtigt. So gebe es einige Unsicherheiten in Bezug auf das Russland-Geschäft einiger Rüstungs- und Maschinenbauunternehmen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%