WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Macht Was nun, Sigmar Gabriel, Philipp Rösler, Jürgen Trittin?

Das Meucheln und das Metzeln hat begonnen. Wer überlebt? Wer nicht? Eine kleine Übersicht – mit Prognosen für SPD, FDP und Grüne.

Impressionen aus den Wahllokalen
Umringt von Kameraleuten und Sicherheitskräften kommt Kanzlerin Angela Merkel mit ihrem Ehemann ins Wahllokal. Sie kamen gegen 13.30 Uhr zu Fuß. Quelle: REUTERS
Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist frohen Mutes: Er habe gut geschlafen, sagte der SPD-Politiker. Der Wahlkampf habe ihm Spaß gemacht. Die SPD sei in der letzten Zeit in der Lage gewesen, sich deutlich zu profilieren. Das habe ihn gefreut. „Ich hoffe, dass sich das auch im Wahlergebnis widerspiegelt.“ Quelle: dpa
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein Lebenspartner Michael Mronz wählten in einem Wahllokal in Bonn. Er warb auf der Abschlusskundgebung der FDP um die Zweitstimme. Die Freidemokraten müssen um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Quelle: dpa
Gregor Gysi, Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke im deutschen Bundestag wählte in Berlin-Pankow. Seine Partei muss nicht um den Wiedereinzug bangen, allerdings wird sie es wohl auch nicht in die Regierungsverantwortung schaffen: Eine Rot-Rot-Grüne-Koalition scheidet aus, weil SPD und Grüne eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen haben. Quelle: dpa
Einer der ersten an der Wahlurne war Bundespräsident Joachim Gauck, der gegen 9.30 Uhr gemeinsam mit Bundeswahlleiter Roderich Egeler und seiner Lebensgefährtin Daniela Schad seine Stimme abgab. Quelle: dpa
Tradition wird groß geschrieben: In niedersorbisch-wendischer Festtagstracht gibt diese Frau im Wahllokal im Spreewalddorf Leipe (Brandenburg) ihre Stimme für die Bundestagswahl 2013 ab. Quelle: dpa
Diese Trachten kommen traditionell aus dem Schwarzwald - und dort trägt man sie sicher nicht nur am Wahltag. Quelle: REUTERS

Man möchte nicht wirklich oft Mäuschen spielen, um die Sitzungen von Parteigremien zu verfolgen. Aber heute ist es schon etwas anderes. Jetzt sitzen sie nämlich zusammen, die Vorstände von SPD, FDP und Grünen, jetzt werfen sie sich Vorwürfe an den Kopf, jetzt wird aufgerechnet und abgerechnet, gekränkt und gesägt. In diesen dramatischen Stunden entscheiden sich politische Schicksale. Wer in diesen Momenten die Nerven behält oder verliert, stellt damit wichtige Weichen, steht in zwei, drei Jahren im Scheinwerferlicht oder im Abseits. Die spannendsten Fragen:

Greift Sigmar Gabriel nach der ganzen Macht in der SPD?

Nichts ist klar bei der SPD in diesen dramatischen Stunden: Geht sie mit der Union eine Große Koalition ein? Und wenn ja: Zu welchem Preis? Zieht sie inhaltlich rote Linien ein? Und wer soll welche Ministerposten in einem Kabinett Merkel übernehmen? Fragen über Fragen – und alle sind offen. Deshalb wäre Parteichef Sigmar Gabriel gut beraten, die ganze Macht an sich zu ziehen und auch den Fraktionsvorsitz zu übernehmen. Das Beispiel Angela Merkel hat 2002 gezeigt, dass allein beide Führungspositionen in einer Hand  eine Machtbasis darstellen, die keinen Raum mehr lässt für  Personaldiskussionen. Das Problem: Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier will dem Vernehmen nach wieder kandidieren. Er ist beliebt, integer, loyal - und hat sich nichts vorzuwerfen. Prognose: Alles bleibt beim Alten.

Schlägt nun die Stunde von Christian Lindner?

Ziemlich sicher sogar. FDP-Parteichef Philipp Rösler hat die große Idee des Liberalismus ausgedünnt, verzehrt: Eine Freiheit, die das Recht auf Billigschnitzel  und Tempo 220 meint, scheitert sehr zu recht an der Fünf-Prozent-Hürde. Auch der Versuch, die alte Deregulierungs-FDP zur Ordnungspolitik-FDP umzuschminken, ist grandios gescheitert: Lieber verstand sich die FDP in den vergangenen Monaten als Schutzpatron von Steuerbetrügern. Der Weg ist frei für den NRW-Landesvorsitzenden  Christian Lindner: Er (allein) hat das Format, den Liberalismus wieder mit Inhalten zu füllen – und einer qualitativen Freiheit das Wort zu reden. Prognose: Lindner kommt.

Sägen die Grünen Jürgen Trittin ab?

Schön wärs. Und konsequent auch. Jürgen Trittin hat die Grünen mit Ressentiment, Hochmut und Reichenneid, sprich: mit einem selten dämlichen Steuerwahlkampf marginalisiert. Das Ergebnis zeigt zweierlei: Die Grünen haben eine ordentlich große Stammwählerschaft  - mehr als acht Prozent nach diesem Wahlkampf, das ist eine echte Hausnummer. Das Ergebnis zeigt aber auch: Nur als bürgerliche Grüne haben die Grünen mehr Potenzial. In die Nähe von 15, 20 Prozent kommen sie allein, wenn Bio den schwäbischen Wohlstandsbürgern Spaß macht.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Anders gesagt: Die Trittin-Grünen landen als moralinsaure, besserwisserische Verbotspartei bei maximal acht Prozent. Die Kretschmann-Grünen haben - selbst in einer Koalition mit Angela Merkel - viel Luft nach oben. Die einzig offene Frage ist: Wer sagt’s Jürgen Trittin? 

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Prognose: Der Absturz der Grünen setzt sich fort. Es wird wochenlange Sticheleien geben. Vielleicht auch eine bitterböse Schlammschlacht. Tritt der Vorstand zurück mit Roth und Özdemir, gibt es eine Kampfabstimmung in der Fraktion? Alles offen. 

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%