Managergehälter Aktionärsdemokratie ja, Gehaltsdeckel nein

Es ist ein richtiger Schritt: Die Eigentümer sollten beschließen, welches Gehalt sie ihren leitenden Angestellten zahlen wollen. Doch mehr Rechte für Aktionäre bedeutet nicht automatisch weniger Geld für die Vorstände.

Die Bundesregierung will die Entscheidung über die Gehälter der Vorstände hervorzerren in das Licht der Hauptversammlungen. Quelle: dpa

Endlich mal ein staatlicher Eingriff, der die Marktwirtschaft nicht schwächt, sondern stärkt: Die Bundesregierung will die Vergütung der Vorstände aus den Hinter- und Oberzimmern der Aufsichtsräte oder gar der Präsidialausschüsse hervorzerren in das Licht der Hauptversammlungen. Da gehört die Entscheidung auch hin, denn die Eigentümer sollten beschließen, wie viel Gehalt sie ihren leitenden Angestellten zahlen wollen - also die Aktionäre. Kanzlerin Angela Merkel hätte gern eine europaweite Regelung, aber in den Koalitionsfraktionen will man - der Wahlkampf naht - das heikle Thema nicht so lange ohne Lösung lassen. Schon vor der Sommerpause könnte das entsprechende Gesetz vorliegen.

Die bestverdienenden Firmenlenker Europas
Platz 10: Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender bei der Daimler AG 8.654.000 EuroQuelle: Die Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) hat die Vergütung der in den Börsenindizes STOXX Europe 50 und EURO STOXX 50 geführten Unternehmen für das Geschäftsjahr 2011 ausgewertet. Quelle: dpa
Platz 9: Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG 8.706.633 Euro Quelle: dpa
Platz 8: Josef Ackermann, Ex-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank 9.355.150 EuroLaut hkp-Studie liegen die Gehälter für Manager im Finanz- und Bankenbereich unter dem europäischen Durchschnitt (5.719.286 Euro). Der Grund: Die Marktsituation, sowie eine verstärkte Regulierung der Branche drücken die Gehälter - auch auf den höheren Managementebenen. Noch vor der Wirtschafts- und Finanzkrise waren die CEO-Löhne bei Banken & Co die höchsten in Europa. Quelle: dpa
Platz 7: Sir Terry Leahy, Chief Executive der britischen Handelsmarktkette Tesco 9.922.936 EuroDie Gehälter der Top-Manager in Großbritannien, Schweiz und Deutschland bilden die Spitze im europäischen Vergleich. Im Durchschnitt verdienen die Schweizer CEOs 8.047.000 Euro, ihre Kollegen auf den britischen Inseln 6.730.000 Euro und die deutschen Vorstandsvorsitzenden 6.664.000 Euro. Die hkp-Studie stellt fest, dass innerhalb derselben Branche sich die Gehälter nach und nach annähern, doch die Unterschiede im Ländervergleich bleiben groß. Ein Schlüsselfaktor für die Vergütung: die Unternehmensgröße, die Branche, und der Standort des Konzernsitzes. Die Gehälter der europäischen Manager liegen laut hkp deutlich unterhalb der ihrer us-amerikanischen Kollegen. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 6: Severin Schwan, Chief Executive Officer beim Schweizer Pharmakonzern Roche 10.021.932 Euro Quelle: REUTERS
Platz 5: Peter Voser, Chief Executive Officer beim britischen Mineralöl- und Erdgaskonzern Royal Dutch Shell 10.208.000 Euro Quelle: dpa
Platz 4: Bernard Arnault, Chef der französischen Luxusgüter-Gruppe Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) 10.696.670 EuroArnault hat im September die belgische Staatsbürgerschaft beantragt und angenommen - aus Angst vor den Steuererhöhungsplänen der französischen Regierung unter Staatspräsident Francois Hollande. Quelle: dpa
Platz 3: Alfredo Saenz Abad, Vorstandsvorsitzender der Banco Santander S.A. 10.723.000 Euro Quelle: dapd
Platz 2: Joseph Jimenez, Chief Executive Officer des Pharmakonzerns Novartis 12.544.596 Euro Unternehmenslenker aus der Pharmabranche verdienen laut der hkp-Studie die höchsten Gehälter. Der Sektor zähle zu den wenigen globalen Branchen, die überall auf der Welt Forschungs- und Produktionsmärkte besitzen. Die Folge: Führungskräfte sind einem globalen Wettbewerb ausgesetzt, Unternehmen müssen weltweit um die besten Manager werben. Quelle: REUTERS
Platz 1: Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG 16.569.206 EuroDer Grund für das hohe Gehalt in Großbritannien, Schweiz und Deutschland: In den drei Ländern beträgt der Anteil der langfristig variablen Vergütung am Gesamtgehalt jeweils 65, 62 und 53 Prozent - also fast zwei Drittel. In Italien, Spanien und Frankreich bestimmt das Gesamtgehalt dagegen ein Fixbeitrag - in Spanien beträgt er im Schnitt 39 Prozent des Gesamtgehalts. Langfristige Erfolge werden somit weniger stark honoriert. Quelle: dapd

Das ist richtig, obwohl es unerwünschte Nebenwirkungen gibt. So wie es die Aktionäre alles anzugehen hat, was die Vorstände kassieren, so hat es die Öffentlichkeit nichts anzugehen (so wie ja auch jede andere individuelle Gehaltsvereinbarung vertraulich zu behandeln ist). Das ist natürlich eine Fiktion, weil die Hauptversammlung in der Regel öffentlich ist (und wenn die Presse rausgeschickt wird, weckt das nur größtes Misstrauen). Also gelten damit für Spitzenmanager strengere Regeln und mehr öffentliche Beobachtung als für andere Arbeitnehmer und auch manch anderen Spitzenverdiener, bei dem sich beispielsweise Rednerhonorare, Transfergelder oder Werbeeinnahmen nur grob schätzen lassen.

Zur Ehrlichkeit gehört: Die geplante Neuregelung bedeutet nicht, dass nun die Kleinaktionäre den Bossen die Millionenbezüge zusammenstreichen könnten. Denn in den allermeisten AGs, nicht nur in den DAX-Konzernen, haben die Ankeraktionäre oder Fonds das sagen. Und selbst die Banken, die die Stimmen der Kleinaktionäre gebündelt vertreten, bekommen von ihren Kunden ja in der Regel keine Weisung, nicht mit der Beschlussvorlage zu stimmen. Dennoch: Der detaillierte Einblick der Öffentlichkeit macht Gehaltsexzesse unwahrscheinlicher.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Klar ist aber auch: Wer die Aktionärsdemokratie stärkt, der verbietet sich selbst weitere Eingriffe. Wer festlegt, dass es das vornehmste Recht der Eigentümer ist, über die Höhe der Bezüge zu entscheiden, der darf nicht von staatlicher Seite festlegen wollen, welcher Betrag dafür angemessen ist. Höchstsummen für Gehälter oder Boni darf es dann nicht geben. Denn jedem Teilnehmer an der Marktwirtschaft muss überlassen bleiben, wie und wofür er sein Geld ausgeben mag - oder aus dem Fenster werfen will. Wer eine Niete in Nadelstreifen mit Millionen belohnen möchte - bitte sehr! 

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%