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Managergehälter Das Ende der Gehaltsexzesse naht

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Reformvorschläge liegen auf dem Tisch

Präsident François Hollande Quelle: dpa

Entscheidend ist zudem, ob unter den Eigentümern Private-Equity-Investoren sind. "Steht eine Familie hinter dem Unternehmen, werden Sicherheit und Nachhaltigkeit stärker belohnt", sagt Sabine Hansen, Personalberaterin bei Amrop Delta. Private-Equity-Investoren dagegen geht es um das Steigern des Unternehmenswerts, um den Betrieb profitabel losschlagen zu können. Ist es so weit, werden die Vorstände am Exit meist beteiligt und können ein Mehrfaches ihres Gehalts erreichen.

Konkrete Reformvorschläge liegen auf dem Tisch. Seit Jahren versucht die Corporate-Governance-Kommission, die Unternehmen zur Mäßigung zu bewegen – bisher offensichtlich ohne großen Erfolg. Das könnte sich nun angesichts des wachsenden Drucks ändern. In ihren jüngsten Reformvorschlägen plädiert die Kommission dafür, die Gesamtversorgung für jedes einzelne Vorstandsmitglied zu deckeln. Ist ein Maximalbetrag erreicht, sollen Pensionszahlungen zusammengestrichen werden. Dasselbe gilt für erfolgsabhängige Boni. Um Ausreißer zu vermeiden, sollen die Vergütungen an die Gehälter des oberen Führungskreises gebunden werden und in einem bestimmten Verhältnis zur "relevanten Gesamtbelegschaft" stehen, wie es in den Empfehlungen heißt. Bei forschungsintensiven Unternehmen könnten das zum Beispiel die Forscher sein, auf die der Betrieb dringend angewiesen ist.

EU will Boni auf die Fixgehälter beschränken

Ob das genügt, um Politik und Volksseele zu beruhigen? Viele Manager fürchten das Szenario Blessing: Als die Commerzbank zwischen 2009 und 2011 überwiegend in Staatshand war, musste der Chef sich mit 500 000 Euro im Jahr begnügen. Frankreichs Präsident François Hollande hat diese Grenze bereits für alle Staatskonzerne gesetzt, der Rest der Wirtschaft soll – in anderer Höhe – folgen. In ganz Europa könnte es zudem 2014 den Bankern ans Portemonnaie gehen. Im Zuge der Basel-III-Regeln will die EU die Boni auf die Höhe der Fixgehälter beschränken. Für SPD-Mann Poß nur der Anfang: "Wir brauchen eine gesetzliche Eindämmung für die gesamte Wirtschaft, nicht nur für die Finanzindustrie." Auch in der Koalition werden die Gedankenspiele konkreter: "Man muss gegebenenfalls eine gesetzliche Regelung finden, die die Boni-Zahlungen unterhalb der Dividendenausschüttung beschränkt", sagt CDU-Politiker Fuchs.

Angst vor schlechter PR

Die Schweiz zeigt, dass es nicht viel braucht, um aus Gedankenspielen Gesetzesvorhaben zu machen. Drei Wochen vor der Abstimmung über die "Abzockerinitiative" gab die UBS einen Jahresverlust von 2,5 Milliarden Euro bekannt – zugleich schüttet das Geldhaus Boni in eben dieser Höhe aus. Bei der Credit Suisse vertagte man die Veröffentlichung der Boni auf einen Termin nach der Abstimmung, aus Sorge vor schlechter PR.

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Das übernahm stattdessen Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella. Wegen seines exorbitanten Jahressalärs ohnehin Lieblingsfeind der Abzocker-Bewegung, wurde Mitte des Monats bekannt, dass Vasella sich nach seinem Abgang Anfang des Jahres ein Konkurrenzverbot über sechs Jahre mit 59 Millionen Euro hatte versilbern lassen. Drei Tage später machte er einen Rückzieher, die Aufregung blieb.

Nach jüngsten Umfragen kann Rebell Minder nun bei der Volksabstimmung mit über 60 Prozent der Stimmen rechnen.

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