Mangelhafte Verträge Verbesserungsbedarf beim Rohstoffabkommen

Eine aktuelle Studie lässt kein gutes Haar an den mit der Mongolei und Kasachstan geschlossenen Rohstoffabkommen. "Eine sinnvolle Rohstoffaußenpolitik kann die Bundesrepublik so nicht erreichen", bemängelt auch Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer.

Was in iPhones und Panzern steckt
Hybridauto von Porsche Quelle: rtr
Neodym Neodym ist Ausgangsstoff für starke Permanentmagnete, die in kleinen Mikrophonen und Lautsprechern – etwa in Apples iPhone – stecken. Sie machen auch moderne Audioanlagen erst möglich. Quelle: ap
Praseodym Auch Praseodym ermöglicht die Produktion kräftiger Magneten, die für die Herstellung kompakter Elektromotoren, aber auch von Generatoren für Windkraftanlagen verwendet werden. Quelle: ap
Samarium Samarium ist ebenfalls Ausgangsstoff für Permanentmagnete, die beispielsweise in militärischen Navigationssystemen stecken, wie die US-Armee sie im Kampfpanzer Abrams einsetzt. Damit endet die Vorstellung der ersten vier Vertreter aus der Gattung der „leichten seltenen Erden“, weiter geht's mit den sogenannten „schweren seltenen Erden“. Quelle: Reuters
Terbium Als grünlicher Fluoreszenzstoff hilft Terbiumden Herstellern von Lampen ohne Glühfaden, die Lichttemperatur einzustellen. So verbrauchen Energiesparlampen bei gleicher Helligkeit weniger Strom. Quelle: ap
Gadolinium In Kernreaktoren dient Gadolinium dazu, überschüssige Neutronen zu absorbieren - entweder für eine Schnellabschaltung oder in Meilern, die nur selten neu bestückt werden, etwa für Atom-U-Boote. Quelle: ap
Yttrium In Radargeräten dienen kristallische Elemente mit Yttriumanteil dazu, die zurückkommenden elektromagnetischen Wellen besser aufzufangen. Als nächstes folgen die seltenen Metalle. Quelle: Reuters
Lithium Lithium ist der neue Star am Börsenhimmel. Die Anleger kaufen, was auch nur annähernd mit dem begehrten Rohstoff zu tun hat. Papiere von Fördergesellschaften, Explorern und Batterie-Herstellern sind daher kräftig gestiegen. Lithium wird vielseitig verwendet, in der Medizin beispielsweise, in Batterien für Handys, Laptops, Kameras, - und zukünftig auch für Fahrzeuge, darin sehen Experten das meiste Potenzial. Auffällig ist die hohe regionale Konzentration von Lithium. 70 Prozent der Vorkommen befinden sich im Lithium-Dreieck Chile, Bolivien und Argentinien. Die Salzseen Salar de Atacama, Salar de Uyuni und Salar de Hombre Muerto bilden das größte Reservoir. Das Foto zeigt den Lithium-Abbau am Uyuni-Salzsee in Bolivien. Quelle: ap
Tantal Das zur Vanadiumgruppe zählende graphitgrau-glänzende Metall Tantal wird vorwiegend für Kondensatoren mit hoher Kapazität bei gleichzeitig geringer Größe verwendet. Es wurde 1802 von einem Finnen entdeckt und zunächst für Glühfaden in Glühlampen verwendet, später wurde es in Gleichrichtern und in Radioröhren eingesetzt. Das Erz ist schwer zu gewinnen, es kommt Tantal grundsätzlich nur in Verbindung mit verschiedenen anderen Mineralen vor.
Germanium Germanium, nach dem Heimatland seines Entdeckers Clemens Winkler benannt, gehört zu den Kohlenstoffen und ist nah mit Silizium verwandt. Es ist zwar weit verbreitet, kommt aber in Mineralien, Erzen und sogar einigen Pflanzen nur in sehr geringen Konzentrationen vor. Es kommt zur Anwendung in der Elektronik, bei der Waffenherstellung und in der Infrarotoptik, hauptsächlich aber bei der Herstellung von Lichtwellenleitern. Darüber hinaus findet es sich auch in verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln.
Zinn Der jährliche Verbrauch an Zinn liegt weltweit bei etwa 300.000 Tonnen. Davon werden etwa je ein Drittel für Lote, für Weißblech und für Chemikalien und Pigmente eingesetzt. Das extrem weiche und silberweiß glänzende Schwermetall lässt sich dank seines sehr niedrigen Schmelzpunktes schon über einer Kerzenflamme im Teelöffel schmelzen. Das Material wird mit Kupfer zu Bronze legiert und u.a. seit Jahrhunderten schon (als Zinnblech) zur Herstellung von Orgelpfeifen verwendet.
Hafnium Hafnium ist sehr chemisch eng mit Zirconium verwandt und wurde 1923 erstmals in Kopenhagen nachgewiesen. Das silbergrau glänzende, korrosionsbeständige Metall ist sehr schwer zu gewinnen. Sein Einsatzgebiet ist hauptsächlich die Kerntechnik, wo Hafnium bei der Regulierung der Kettenreaktion in Kernreaktoren Verwendung findet.
ZirkoniumIst zwar als Mineral durch den Schmuckstein Zirkon bereits seit der Antike bekannt, wurde aber als Element erst 1789 von Martin Heinrich Klaproth entdeckt. Es ist zwar in der Erdkruste weit verbreitet, findet sich aber meist nur in geringen Mengen und in sehr kleinen Kristallen, hauptsächlich in Brasilien, Südafrike, den USA und Australien. Zwar ist das Haupt-Einsatzgebiet die Herstellung von Hüllen für Uran-Brennstäbe, doch Zirconium löst beim Aufprall auf Metalloberflächen auch einen Funkenschwall ab und ist brennbar. Daher wird es vom Militär in einigen Munitionssorten und für Special Effects in der Filmtechnik genutzt.
Indium Indium, das 1863 von den deutschen Chemikern Ferdinand Reich und Theodor Richter entdeckt wurde, gilt als eines der ersten Elemente, dessen Verwendung schon jetzt zu einer zunehmenden Verknappung führt und dessen natürliche Vorkommen bald vollständig erschöpft sein werden. Das seltene, silberweiße und weiche Schwermetall wird fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Produktion von Zink oder Blei gewonnen. Auf Grund der geringen natürlichen Vorräte von geschätzten 11.000 Tonnen bei gleichzeitig hoher Nachfrage zählt Indium zu den knappsten Rohstoffen auf der Erde. Der größte Teil des produzierten Indiums wird zu Verbindungen weiterverarbeitet. Diese wurden früher oft als Schutzbeschichtungen für Gleitlager in Automobilen oder Flugzeugen verwendet. Seit dem deutlichen Anstieg des Indiumpreises ist dies jedoch nicht mehr wirtschaftlich.
Gallium Gallium, das chemisch eng mit Indium und Aluminium verwandt ist, kommt ebenfalls nur sehr selten in der Erdekruste vor. Das silberweiße Metall wurde erst im späten 19. Jahrhundert entdeckt und kommt nie rein, sondern immer gebunden in anderen Erzen vor. Der größte Teil des heutzutage produzierten Galliums wird zum Halbleiter Galliumarsenid weiterverarbeitet, der vor allem für Leuchtdioden verwendet wird.
Europium Auch Europium zählt zu sehr seltenen Chemikalien, die kaum in der Natur vorkommen, es liegt gewöhnlich in Form von zwei Erzen vor und wurde erst 1890 entdeckt. Zu den Endprodukten, in denen es häufig Verwendung findet, zählen Haushaltsgeräte, Farbfernseher, Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen, Katalysatoren und Glaspolituren.
Erbium Erbium wird neben anderen Selten-Erden-Elementen wie Neodym oder Holmium in Festkörperlasern eingesetzt, die hauptsächlich in der Humanmedizin Anwendung finden.
Holmium Auch Holmium zählt zu den seltenen schweren Erden, die nur in Verbindungen vorkommen und nie rein zu finden sind. Das silberweiß glänzende Metall ist weich, schmiedbar und weist besondere magnetische Eigenschaften auf. Daher findest das Material Anwendung in der Medizintechnik und in Hochleistungsmagneten.
Lutetium Das silbergraue Metall der Seltenen Erden wurde erst 1905 entdeckt, ist sehr weich, gut dehnbar und schmiedbar. Lutetium wird, ebenso wie Holmium, in der Tomographie bzw. Nuklear-Medizin eingesetzt.
Thulium Thulium, ist ein schweres Metall, das nach Thule, der mythischen Insel am Rande der Welt benannt wurde, als der schwedische Chemiker Per Teodor Cleve es 1879 zusammen mit Holmium entdeckte. Auch Thulium kommt in der Natur nur in mineralischen Verbindungen vor und muss aufwändig abgetreent werden. Neben einer minimalen Verwendung in Fernsehgeräten, zur Aktivierung der Leuchtstoffe auf der Bildschirmfläche, gibt es nur wenige kommerzielle Anwendungen.

Im Oktober vergangenen Jahres unterzeichnete die Bundesregierung ein sogenanntes bilaterales Rohstoffpartnerschaftsabkommen mit der Mongolei. Und da man auf einem Bein nicht stehen kann, folgte ein zweites Rohstoffabkommen mit der Republik Kasachstan im Februar 2012. Frei nach dem Motto: Wenn China nicht will, Pech gehabt.

Das Ziel des Abkommens ist die Versorgung der deutschen Industrie mit den notwendigen Rohstoffen. Im Gegenzug sollen die beiden Partner Kasachstan und Mongolei wirtschaftlich und gesellschaftlich profitieren. Ein guter Ansatz: ThyssenKrupp bekommt das Eisenerz für seinen Stahl zu fairen Preisen und die mongolische Wirtschaft floriert.

Ganz so positiv, wie das Abkommen ursprünglich gedacht war, scheint es aber nicht zu sein. So sagt beispielsweise der Grünen-Politiker und Abgeordnete des Europaparlaments, Reinhard Bütikofer, dass die Verträge unausgewogen seien. "Eine strategisch sinnvolle Rohstoffaußenpolitik kann die Bundesrepublik auf der Basis solcher Abkommen nicht erreichen", sagt er.

Weitere Abkommen geplant

Da nicht nur China, sondern auch die Bundesrepublik - konkret die deutsche Industrie - einen ordentlichen Rohstoffhunger hat, sind weitere solcher Partnerschaften geplant. "Bevor jetzt weitere Abkommen abgeschlossen werden, muss die Bundesregierung ihre Politik korrigieren", fordert Bütikofer. Er verlangt von Rohstoff-Partnerschaften, die tatsächlich partnerschaftlich sind, eine breitere Basis. Ein vom Wirtschaftsvölkerrechtler Markus Krajewski vorgestelltes Alternativmodell könnte Bütikofer sich für die weitere Zusammenarbeit vorstellen. Im einzelnen müsse sich ein derartiges Abkommen an folgende Punkten orientieren:

  • Transparenz
  • nachhaltige Entwicklung
  • ökologischer Abbau
  • Unternehmensverantwortung
  • Beteiligung der Bevölkerung

Transparenz statt Geheimniskrämerei

Bütikofers Kritik wird von einer aktuellen Studie Krajewskis untermauert. Der Kern der Studie ist, dass die Bundesregierung "wichtige soziale, entwicklungs-, umwelt- und handelspolitische Aspekte" außer Acht lässt. Und es ist nicht das erste Mal, dass das mittlerweile ein Jahr alte Abkommen mit der Mongolei kritisiert wird. Der allgemeine Vorwurf lautet, dass die Rohstoffpartnerschaft vor allem der deutschen Industrie nutze: Die Rohstoffförderung werde maßgeblich erleichtert, Obergrenzen für den Export gibt es es nicht - nur die Partnerländer bekommen wenig von der versprochenen Beratung und Unterstützung zu sehen.

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Auch Krajewski fordert, den Transfer von Wissen und Technologie stärker zu fördern und darauf zu achten, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor der Bevölkerung des Landes zugutekommen. Das Stichwort laute Nachhaltigkeit. Ein wichtiger Anhaltspunkt dafür seien internationale Transparenz- und Nachhaltigkeitsstandards wie die Extractive Industries Transparency Initiative (EITI). Dazu gehörten Umweltverträglichkeitsprüfungen genauso wie eine bessere Bürgerbeteiligung oder die Offenlegung von Zahlungen. Letzteres hätten sowohl die Europäischen Kommission als auch das Europäische Parlament zwar vorangetrieben, das Vorhaben sei aber am deutschen Bundesrat gescheitert.

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