WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Markus Söder "Mich muss ja nicht jeder mögen"

Die politische Kultur leidet, heißt es. Es gebe zu viel Streit und Polemik. Markus Söder sieht das anders: Unsympath zu sein ist sein Geschäftsmodell. Im Interview spricht der CSU-Politiker über Image und Populismus.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
bayerische Finanzminister Markus Söder Quelle: dpa

Es gibt Politiker, die sind unbeliebt. Und dann gibt es Markus Söder. Der 49 Jahre alte CSU-Mann war schon laut und provokant, als die Populisten von der Alternative für Deutschland (AfD) – über die sich der deutsche politische Diskurs nach ihren Erfolgen bei den Landtagswahlen am Sonntag den Kopf zerbricht – noch sehr leise waren.

Selbst Parteifreunde unterstellen dem Franken Skrupel- und Prinzipienlosigkeit, erkennen aber zugleich an, wie zuverlässig er bei Wahlen gewinnt. Und Söder ist noch lange nicht am Ende seiner Karriere angelangt. Der amtierende bayrische Finanzminister hat beste Chancen, 2017 Horst Seehofer im „schönsten Amt der Welt“ (Franz Josef Strauss) zu beerben, dem des Ministerpräsidenten von Bayern.

WirtschaftsWoche: Herr Söder, welche Eigenschaften braucht man, um politisch Karriere zu machen?

Markus Söder: Man braucht Leidenschaft, Überzeugungen und Interesse an den großen und kleinen Sorgen der Bürger. Wer nur Weltpolitik machen will und den direkten Kontakt mit Menschen scheut, sollte besser nicht Politiker werden.

Zur Person

Nur mit Menschenliebe kommt man in der Politik nicht weiter. Können Sie für Nichtbayern erklären, was „Schmutzeleien“ sind?

Da ich den Begriff nie verwendet habe, kann ich auch nicht erläutern, was damit gemeint ist. Die Urheberschaft liegt bei jemand anderem.

Ihr Chef Horst Seehofer hat Sie dessen vor einigen Jahren auf einer CSU-Weihnachtsfeier öffentlich bezichtigt …

Wir sagen in Bayern gerne über jemanden, den eine gewisse Schlitzohrigkeit oder Cleverness auszeichnet: „A Hund is’ a scho’.“ So könnte es gemeint gewesen sein.

Aha, in der Politik muss man also feste Tritte vors Schienbein ertragen.

Das ist wie im Fußball. Wer nur schön spielen kann, aber bei der kleinsten Rempelei umfällt, der wird sich weder in der Politik noch im Journalismus oder in der Wirtschaft durchsetzen. Man muss auch körperlich etwas aushalten können.

Was halten Sie von der These, dass der Ministerpräsident und Sie sich sehr ähnlich sind?

In Bayern sagt man: Wir sind beide gestandene Mannsbilder. Aber uns trennt auch einiges, zum Beispiel 20 Jahre.

Wie sehr hat es Sie getroffen, als Seehofer Sie außerdem als „vom Ehrgeiz zerfressen“ und mit „charakterlichen Schwächen“ beschrieb?

Wir haben uns damals ausgesprochen. Damit ist das für mich erledigt. Ich gehöre nicht zu denen, die ständig mit einem Rucksack schlechter Erinnerungen herumlaufen.

Sie klingen sehr abgeklärt. Ist es manchmal nicht auch anstrengend, von so vielen als Unsympath gesehen zu werden?

Sie haben recht: Es geht in der politischen Diskussion leider nicht immer sauber und sachlich zu. Da darf man aber wie im Fußball nicht auf ein Revanchefoul sinnen, sondern muss weiter fair spielen. Wer alles persönlich nimmt, hat es schwer.

Sie haben offenbar ein ziemlich dickes Fell. Viele Gegner halten Sie für skrupellos. Braucht es in der Politik eine gewisse Skrupellosigkeit?

Das ist doch ein Klischee! Das würde ja bedeuten, man hätte keine Werte und kein Ethos. Wer einem so etwas unterstellt, bei dem habe ich Zweifel, ob er selbst über eine ordentliche Ethik verfügt. Ich bin Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie glauben doch nicht, dass die Kirche Menschen ohne Ethos in ihre Synode berufen würde.

Was hat öffentliche Aufmerksamkeit zu Beginn Ihrer politischen Karriere für Sie bedeutet? Fanden Sie das toll?

Als Politiker muss man die Begegnung mit Menschen suchen. Marktplätze und Bierzelte sind Orte, an denen man viele Menschen treffen kann. In Bayern gehört das Bierzelt nun mal ebenfalls zur politischen Tradition dazu. Ich wundere mich, dass sich viele Politiker da nicht hintrauen und stattdessen lieber nur mit Journalisten reden.

"Ein Politiker braucht Selbstbewusstsein, aber keine Selbstüberschätzung"

Man muss sich selbst schon gut finden, um in der Politik voranzukommen?

Vor allem muss man überzeugt sein von dem, was man macht. Die Menschen merken schnell, ob man sich für sie und ihre Anliegen begeistert. Ein Politiker braucht Selbstbewusstsein, aber keine Selbstüberschätzung.

Solche Auftritte erfordern Disziplin. Wie sehr hat Ihre Karriere beeinflusst, dass Ihr Vater Maurermeister war?

Ich wurde zu Fleiß erzogen. Wenn es in der Schule Probleme gab, war die Ansage meines Vaters: Entweder du schaffst die Schule oder du gehst auf den Bau. Ich war dann der Erste in der Familie, der aufs Gymnasium gegangen ist und studiert hat.

Beeinflusst Ihre Herkunft Ihr heutiges Auftreten?

Ich verdanke meinen Eltern viel. Sie haben mir das Rüstzeug fürs Leben mitgegeben. Das waren fleißige und anständige Leute. Mein Vater sagte immer: Habe keine Angst vor Thronen und stehe zu deiner Meinung. Das habe ich mir bis heute behalten. Ich laufe nicht jedem Trend hinterher. Aus einem 1,94 Meter großen Mann mit 105 Kilo Gewicht kann man auch keinen feministischen Veganer machen.

Das Bild des vor Kraft strotzenden, der Heimat verbundenen Politikers befeuern Sie, indem Sie es auch über soziale Medien verbreiten. Was macht Facebook und Twitter so interessant für Sie?

Die sozialen Netzwerke sind schnell, ungefiltert und direkt.

Sie posten selbst. Wie viele Stunden am Tag verbringen Sie damit?

Ich mache das nebenbei. Aber ich hatte auch schon Tweets, die für große Diskussionen sorgten. Das ist normal im Netz. Ich finde diese Diskussionen spannend, da man über soziale Medien ganz andere Menschen erreichen kann.

Sie haben auf Facebook ein Jugendbild gepostet, auf dem Sie in Ihrem damaligen Jugendzimmer vor einem Poster von Franz Josef Strauß posieren. Ist Ihnen nichts peinlich?

Da haben einige geschrieben, mir hätte das einen Shitstorm eingebracht. In der Tat gab es einige Hundert böse Kommentare – gesehen haben den Post aber eine Million Menschen. Als Jugendlicher fand ich Strauß einfach cool und hatte ihn über meinem Bett hängen.

Ein Poster von Franz Josef Strauß zierte zu Jugendzeiten die Wand über dem Bett von CSU-Politiker Markus Söder. Top oder Flop? Und wer durfte euer Zimmer schmücken?

Posted by wiwo on Montag, 20. Juli 2015

Wie viel Persönliches geben Sie preis?

Die Menschen dürfen einen schon ein bisschen näher kennenlernen. Ich poste daher auch Ereignisse aus meiner Freizeit wie ein Tennisturnier. Homestorys mache ich aber nicht. Da ist für mich eine Grenze.

Auch in Talkshows sind Sie omnipräsent.

Ich lehne mehr Einladungen in Talkshows oder andere TV-Formate wie Ratesendungen ab, als ich annehme. Ich bin Politiker, kein Entertainer.

Was tun Sie, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren?

Dafür sorgen schon Journalisten und die Opposition. Ich bekomme ständig Anfragen, wo ich wann war, was dort passiert ist und wer neben mir saß. Das diszipliniert einen. Außerdem trinke ich kaum Alkohol, stehe jeden Tag zwischen halb sechs und sechs Uhr auf und mache regelmäßig Sport. Das hält fit.

Was kann mit Ihrer Karriereplanung noch schiefgehen?

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Ich habe gelernt: Manchmal ist es cleverer, die Dinge laufen zu lassen, statt sie erzwingen zu wollen. Das Amt kommt zum Mann und nicht umgekehrt.

Sollte es mit Ihrem Traumjob nicht klappen: Was machen Sie dann?

Ich bin ein großer Kinofan. Mich würde es einmal reizen, als Regisseur einen Film zu drehen. Angebote liegen aber leider nicht vor …

Welches Genre?

Sicherlich keinen Liebesfilm. Vielleicht einen modernen Western oder eine deutsche Version von „House of Cards“ – das würde sicher spannend werden.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%