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Maybrit Illner Der Albtraum Energiewende

Gestern diskutierte eine prominente Runde bei Maybrit Illner im ZDF über die Frage, ob die Energiewende zu einem Albtraum werde. Wir fassen die wichtigsten Argumente zusammen.

Die Gesprächsrunde am Donnerstagabend bei Maybrit Illner. Quelle: Screenshot

Die Hoffnungen waren so groß wie die Ängste. Die Energiewende stehe auf dem Spiel, fürchteten die einen. Endlich werde die Kostenexplosion gestoppt, hofften die anderen. Es ging um den Energie-Gipfel, bei dem Bund und Länder gestern Maßnahmen für eine Kostendämpfung der Strompreise beschließen wollten. Heraus kam, wie so oft in den vergangenen Wochen beim Thema Energiewende: Nichts.

Bund und Länder konnten sich auf keine konkreten Schritte einigen. Ein Vorstoß der Länder, die Stromsteuer zu senken, wurde von der Bundesregierung abgeschmettert. Doch auch Umweltminister Altmaier kam mit seiner Idee einer Strompreisbremse nicht durch. Alte Solaranlagen werden nicht im Nachhinein schlechter gestellt, wie geplant, und energieintensive Betriebe nicht höher belastet - zumindest im Moment.

Beste Voraussetzungen also, einmal ausgiebig darüber zu diskutieren, ob die Energiewende nicht langsam zu einem Albtraum wird und zu einem bösen Erwachen bei den Verbrauchern führt. Darüber diskutierten gestern Abend bei Maybrit Illner: Umweltminister Peter Altmaier, Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin, EWE-Chef Werner Brinker, Energieökonomin Claudia Kemfert, Luise Neumann-Cosel, Mitbegründerin der Genossenschaft "BürgerEnergie Berlin" und WirtschaftsWoche Chefredakteur Roland Tichy. Was bleibt von der Diskussion in Erinnerung?

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

1. Die Strompreise sind nicht zu bremsen

Das wurde am schnellsten deutlich: Bei dem Thema sitzen zu viele Interessengruppen mit am Tisch, die ihre eigene Agenda verfolgen. Energieversorger, Länder, Bundesregierung, die Lobby der Erneuerbaren, die Lobby der fossilen Energieträger, Wirtschaftsverbände und die Vertreter der energieintensiven Industrie. Am Ende blockieren sich die Lager; die Politik kann weder vor noch zurück. Und daher kreiste auch die Diskussion gestern Abend immer wieder um die Frage abwandernder Industriebetriebe, steigender Kosten für die Bürger und die Verheißungen des billigen Gases in den USA. Alles richtig, irgendwie. Aber was tun? Eine Pause für die Energiewende, wie Tichy vorschlägt? Neues EEG, wie Altmaier will? Unklar.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

2. Die Lage scheint fast aussichtslos

Selbst wenn die Regierung - wie von den verschiedenen Parteien gefordert - die Stromsteuer senken, die energieintensiven Industrien stärker an der Energiewende beteiligen und die EEG-Umlage deckeln würde, ändert das noch lange nichts an den steigenden Preisen. Denn: Je mehr Erneuerbare ins Netz gehen, desto stärker senkt das den Börsenpreis und desto mehr würde die EEG-Umlage steigen. An dieser Stelle wurde die Diskussion kleinteilig. Zu Recht, denn diese Zusammenhänge sind eines der entscheidenden Probleme.

3. Der Schuldige ist schwer zu finden

Trittin ist der Meinung, dass Industriebetriebe, die von der Finanzierung der Energiewende ausgenommen sind, die Schuld für die steigenden Preise tragen, weil ihr Anteil von den Verbrauchern und kleineren Unternehmen geschultert werden müsse. Sieben Milliarden Euro müssten die Stromkunden mehr zahlen. Das Problem nur: Mit steigenden Preisen seien viele Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig und wanderten ab, fürchtet Tichy. Dennoch will Trittin die Unternehmen mit 1,6 Milliarden Euro mehr zur Kasse bitten und damit den Preisanstieg bremsen. Alles richtig, findet Kemfert, aber: Die steigenden Preise spiegeln nicht die wahren Kosten wieder. Denn laut der Ökonomin sinken die Preise für die Netznutzung, Kohle und CO2-Zertifikate - beim Verbraucher komme davon aber nichts an.

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