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Mecklenburg-Vorpommern Windmacher aus dem hohen Norden

Vom Nordosten kann sich der Rest der Republik eine Scheibe abschneiden. Mecklenburg-Vorpommern kann sich schon im Jahr 2020 komplett mit Ökostrom versorgen.

Mecklenburg-Vorpommern belegt den zweiten Platz des Bundesländer-Rankings. Das Land ist führend bei Windstrom und Kraftwerken. Im Bild: Der Ostsee-Windpark Baltic I. Quelle: Laif

Als es die DDR noch gab, hatte auch in Mecklenburg-Vorpommern nur einer das Sagen: die Partei. Ein bisschen lebt die Tradition auch unter heutigen, demokratischen Vorzeichen fort: In keinem anderen Bundesland treibt die Regierung den Umbau der Energielandschaft so vehement voran wie an der Ostseeküste. Das Vorpreschen des Staates hat gute Gründe.

Ministerpräsident Erwin Sellering hofft auf den Aufbau einer Zukunftsbranche in seinem Bundesland, das mit 14,1 Prozent die höchste Arbeitslosenquote aufweist. 22.000 Menschen könnten im Bereich erneuerbarer Energien bis 2030 Arbeit finden – rund drei Mal so viele wie heute. Die Wertschöpfung würde von 223 Millionen Euro auf fast 700 Millionen Euro klettern, ergab jüngst eine Studie der Technischen Universität Berlin. Sellerings zweites Ziel ist, dass sich Mecklenburg-Vorpommern spätestens Ende des Jahrzehnts vollständig mit Grünstrom versorgen kann und die Überschüsse gewinnbringend exportiert.

Die größten Anlagenbauer
NordexNach zwei verlustreichen Jahren und vielen Einsparungen lief es 2013 für Nordex wieder besser. Der Windturbinenbauer kehrte in die Gewinnzone zurück. In der Vergangenheit trennte sich Nordex unter anderem verlustreichen Produktionsstätten in den USA und China und konzentrierte sich ganz auf den Bau von Onshore-Anlagen. Mit der Strategie konnte das Unternehmen in Deutschland Marktanteile gewinnen. 2012 kam Nordex auf 3,5 Prozent, 2013 waren es im On- und Offshore-Bereich zusammen bereits sieben Prozent. Auch die Aussichten sind gut: Für 2014 rechnet der Vorstand mit neue Aufträge im Umfang von 1,6 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Siemens WindenergiesparteSiemens ist Weltmarktführer bei Offshore-Windrädern und dominiert auch in Deutschland diesen Bereich. Hierzulande kommt das Unternehmen in dem Segment auf 52,1 Prozent Marktanteil. Im On- und Offshore-Bereichen zusammen hatte Siemens Wind Power 2013 einen Anteil von 9,8 Prozent und liegt damit auf Platz vier. Nach dem Verkauf der gefloppten Solarsparte will sich Siemens künftig noch mehr auf die Energie aus Wind und Wasser zu konzentrieren. Das Geschäft lief zuletzt insbesondere im Ausland gut. Im Dezember 2013 erhielt das Unternehmen mehrere Großaufträge in den USA. In Deutschland gibt es aber auch Probleme: Bei der Anbindung von vier Offshore-Windparks in der Nordsee liegt Siemens dem Zeitplan um mehr als ein Jahr hinterher. Die Verzögerungen sollen Siemens bereits mehr als 600 Millionen Euro gekostet haben. Quelle: dpa
SenvionDas Hamburger Unternehmen Senvion ( ehemals Repower) ist eine Tochter des indischen Windkraftkonzerns Suzlon. Wie Nordex ist es auch dem Hamburger Unternehmen gelungen, Marktanteile zu gewinnen. 2013 installierte Senvion Anlagen mit rund 484 Megawatt und nun einen Markanteil von insgesamt 13,5 Prozent. Im Onshore-Bereich sind es sogar 16,2 Prozent. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland hat das Unternehmen nach eigenen Angaben nun eine Gesamtleistung von 2,8 Gigawatt installiert. Im März 2014 hat Senvion die Schwelle von 10 Gigawatt weltweit installierter Leistung überschritten. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen allerdings auch mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Quelle: dpa
VestasDer weltgrößte Windturbinenhersteller Vestas hatte in Deutschland 2013 einen Marktanteil von 16,7 Prozent (Onshore 20 Prozent). Damit hat der Anlagenbauer zwar rund sechs Prozent an die kleineren Mitbewerber verloren, liegt aber weiterhin klar auf Platz zwei. Allein 2013 stellte das dänische Unternehmen Anlagen mit einer Leistung von 598,9 Megawatt in Deutschland auf. Wirtschaftlich ist Vestas offenbar auf einem guten Weg: Nach massiven Sparmaßnahmen in den Vorjahren hat das Unternehmen im letzten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Der Jahresverlust lag bei 82 Millionen Euro, nach 963 Millionen Euro 2012. Quelle: ZB
EnerconDas vom Windpionier Aloys Wobben gegründete Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in Deutschland bei Anlagen auf dem Festland (49,6 Prozent Marktanteil). Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 1.484,6 Megawatt hat Enercon allein 2013 aufgestellt. Auf dem Gesamtmarkt musste der Windanlagenbauer allerdings Verluste hinnehmen. Lag der Markanteil 2012 bei 54,3 Prozent, betrug er zuletzt noch bei 41,4 Prozent. Weltweit hat das Unternehmen mittlerweile mehr als 20.000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 28 Gigawatt installiert. Laut den Wirtschaftsforscher von Globaldata liegt Enercon im globalen Vergleich damit auf Platz. Geschlagen werden die Ostfriesen von der dänische Konkurrenz Vestas. Quelle: dpa

Der Norden punktet mit Windkraft

Tatsächlich liegt das Land bei Ökoelektrizität heute schon vorn. Dabei spielt Windkraft mit einem Anteil von drei Viertel am Energiemix längst eine alles überragende Rolle: Vor der Halbinsel Zingst ist im vergangenen Jahr mit Baltic I der erste kommerzielle deutsche Meeres-Windpark ans Netz gegangen; zehn weitere Offshore-Anlagen sind in Planung und teils schon genehmigt. Die Schweriner Landesregierung will deshalb Sassnitz auf Rügen zum Basishafen für die Montage der gigantischen Windräder auf See ausbauen.

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