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Mehr als 14.000 Neuinfektionen an einem Tag Rufe nach einheitlichen Corona-Regeln werden immer lauter

Insgesamt haben sich in Deutschland seit Beginn der Pandemie mindestens 418.005 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Quelle: dpa

Die Kanzlerin war unzufrieden mit dem Bund/Länder-Treffen zur Bekämpfung der Pandemie. Kommende Woche steht eine weitere Beratung mit den Ministerpräsidenten an. Die Erwartungen sind hoch. Und die Zahlen steigen weiter.

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Das Robert-Koch-Institut hat zum Auftakt des Wochenendes erstmals mehr als 14.000 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages in Deutschland gemeldet. Die am Samstag registrierte Zahl von 14.714 wäre eigentlich ein neuer Rekord, allerdings wurden wegen technischen Übermittlungsproblemen zwischen dem RKI sowie Gesundheitsämtern und Landesbehörden am Donnerstag einige Fälle nachgemeldet. Um wie viele Fälle es sich dabei handelt, war zunächst unklar. Insgesamt haben sich damit in Deutschland seit Beginn der Pandemie 418.005 Menschen mit dem neuartigen Virus angesteckt. Die Zahl der Covid-19-Todesfälle stieg dem RKI zufolge über die Marke von 10.000, sie erhöhte sich wie am Vortag um 49 auf nun 10.003. Als genesen gelten 314.100 Menschen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnete die Infektionslage als „dramatisch“, warnte aber zugleich vor einem Herunterfahren der Wirtschaft. „Einen neuen flächendeckenden Lockdown darf es nicht geben und ich halte ihn auch nicht für erforderlich“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Es kommt auf entschiedenes Handeln an – dort, wo es notwendig ist.“ Altmaier machte zugleich Einschränkungen mit Blick auf die Wachstumsprognose der Regierung für das kommende Jahr: „Die positiven Konjunkturannahmen, die wir für das Jahr 2021 gemacht haben – also ein substanzielles Wachstum in der Größenordnung von mindestens vier Prozent – stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass es uns gelingt, die hohen Infektionszahlen wieder zu senken.“ Der Minister kündigte einen Vorschlag für neue Corona-Wirtschaftshilfen an.

Vor einem erneuten Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder in der kommenden Woche werden die Rufe nach schärferen und vor allem einheitlicheren Corona-Regeln lauter. Altmaier sprach sich wie zuvor Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dafür aus, notfalls auch mehr Kompetenzen auf den Bund zu verlagern.

„Entscheidungen eines einzelnen Bundeslandes können Auswirkungen auf alle anderen Bundesländer haben. Deshalb brauchen wir dringend mehr gemeinsame Entscheidungen“, erklärte er in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Entweder durch alle Länder zusammen oder - wo das zu schwerfällig ist - auf Bundesebene, wo die Länder ja durchaus beteiligt sind“, fügte er offenbar mit Blick auf den Bundesrat hinzu.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die in der Pandemie einen besonders vorsichtigen und strikten Kurs fährt, sagte der „Bild“: „Ich sehe den Anstieg der Zahlen mit Sorge. Es ist gut, dass wir die Corona-Ampel eingeführt haben. Wir müssen aber nächste Woche bei der Konferenz der Ministerpräsidenten beraten, ob weitere Schritte erforderlich sind.“

Auch Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat Gesprächsbedarf, will aber zunächst abwarten, ob die letzten Beschlüsse von Bund und Ländern wirken. Sein Land habe sie schnell umgesetzt. „Ob diese ausreichen, wird sich in den kommenden zehn bis vierzehn Tagen zeigen. Diese Zeit sollten wir abwarten, bevor wir weitere Schritte einleiten“, sagte er ebenfalls „Bild“.

Merkel hatte sich bereits mit den Beschlüssen der vergangenen Runde mit den Ministerpräsidenten vor eineinhalb Wochen unzufrieden gezeigt. „Die Ansagen von uns sind nicht hart genug, um das Unheil von uns abzuwenden“, sagte die CDU-Politikerin bei den Beratungen laut Teilnehmern. Wenige Tage später hatte sie in einem dramatischen Videoappell die Bevölkerung aufgefordert, auf jede unnötige Reise oder Feier zu verzichten und zu Hause zu bleiben.

Bundesweit liegt die Zahl der Neuinfektionen inzwischen über dem Warnwert von 50 pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Samstagmorgen haben die Gesundheitsämter in Deutschland 14.714 neue Corona-Infektionen gemeldet, so viele wie noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland. Da es allerdings am Donnerstag zeitweise zu Datenlücken bei der Übermittlung von Infektionszahlen gekommen war, könnten in der jüngsten Zahl der Neuinfektionen entsprechende Nachmeldungen enthalten sein. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung überschritt am Samstag die Marke von 10.000.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der in der Coronakrise eher auf Merkels Linie liegt, will trotz zunehmender Kritik an seinem eher strikten Kurs festhalten. „Ich habe keinen Grund, meinen Kurs zu ändern“, sagte der CSU-Chef der „Augsburger Allgemeinen“. „Wir haben mit allen grundsätzlichen Einschätzungen Recht behalten.“

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach gibt es nur zwei Möglichkeiten: freiwillige Kontaktbeschränkungen eines Jeden oder „immer neue Zwangs-Lockdowns“. „Wird das Virus laufen gelassen, schießen die Zahlen so schnell in die Höhe, dass die Krankenhäuser überfordert sind und viel zu viele Menschen an Corona sterben“, sagte der schon seit Monaten warnende Epidemiologe der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ („NOZ“/Samstag). „Wir müssen also ganz schnell die persönlichen Kontakte herunterfahren, damit wir nicht in einem Monat im Gesundheitsnotstand aufwachen.“

Der Landkreistagspräsident Reinhard Sager wies auf die Probleme vieler Gesundheitsämter hin, die Masse an Neuinfektionen noch nachzuverfolgen. Die Länder forderte er auf, sie schnell personell zu verstärken, so wie im Sommer vereinbart. Auf Grundlage des Pakts von Bund und Ländern sei „derzeit noch keine Neueinstellung erfolgt“, so Sager in der „NOZ“. Der Pakt müsse rasch umgesetzt werden. „Seitens der Länder muss es hier um Schnelligkeit gehen.“

Vizekanzler Olaf Scholz äußerte Verständnis für junge Menschen, die hungrig aufs Leben sind. „Ich verstehe alle, die jeden Tag voll auskosten, die feiern und Freunde treffen wollen“, sagte der Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat dem Nachrichtenportal watson. Doch es brauche Geduld. „Die aktuellen Einschränkungen zum Schutz vor Corona sind für viele nervig, für andere bedrückend und für wieder andere auch wirtschaftlich eine Zumutung. Leider sind sie nötig, um Schlimmeres zu verhindern. Wir sollten weiter alles tun, um die zu schützen, die wir lieben und deren Gesundheit uns wichtig ist.“


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Im besonders betroffenen Berlin gelten ab Samstag neue Beschränkungen. Ein Mund-Nasen-Schutz muss nun auch auf Märkten und auf zehn besonders belebten Straßen, in Shoppingmalls und Warteschlangen getragen werden. Rund 1000 Polizisten wollen jeweils am Samstag und Sonntag kontrollieren, wie die verschärften Regeln eingehalten werden.

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