Mehrere Interessenten ADAC will Nürburgring kaufen

Der legendäre Nürburgring ist pleite und steht zum Verkauf. Nun hat der mächtige ADAC offiziell sein Interesse angemeldet, wie die Wirtschaftswoche bereits exklusiv im Juni berichtete.

Die größten Investitionsruinen Deutschlands
Flughafen ZweibrückenNach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren, das er im vergangenen Jahr nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro drückte. Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Maschine der Lufthansa überquert die Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle Quelle: Uwe Schoßig
Freizeitpark am Nürburgring Quelle: dpa
Ein Transrapid TR 09 steht auf der Teststrecke im Emsland Quelle: dpa
Menschen verspeisen Kaffee und Kuchen im Reaktorhauptgebaeude des Kernkraftwerkes Kalkar Quelle: AP
Aussenansicht der Halle des Tropical Islands Resorts Quelle: dpa/dpaweb
Passanten vor dem Dortmunder U-Turm Quelle: PR

Der ADAC will den Nürburgring kaufen. Der zweitgrößte Automobilclub der Welt hat ein unverbindliches Angebot für die insolvente Rennstrecke in der Eifel abgegeben. Entsprechende Berichte der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bestätigte der ADAC. Dabei trete er als alleiniger Bieter für den Ring auf, der dem Land Rheinland-Pfalz und dem Kreis Ahrweiler gehört. Bereits im Juni berichtete die Wirtschaftswoche, dass der ADAC in das Bieterverfahren für den Verkauf der Rennstrecke eingestiegen ist. Verbandschef Peter Meyer bestätigte damals auf Nachfrage, dass sich der Automobilclub offiziell als Interessent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gemeldet hat. Diese führt das Verkaufsverfahren im Auftrag der Insolvenzverwalter der staatlichen Nürburgring GmbH durch. „Beim Nürburgring handelt es sich ohne Frage um die Wiege des deutschen Motorsports“, sagt Meyer, „man kann ihn mit Recht als automobiles Kulturgut bezeichnen. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um diese Sportstätte auch für die Zukunft im Sinne des Motorsports zu erhalten.“

Das Nürburgring-Desaster

ADAC-Motorsportchef Lars Soutschka sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Mit dem unverbindlichen Angebot hoffen wir Zugang zu Zahlen und Daten des Nürburgrings zu erhalten. Danach entscheiden wir über unser weiteres Vorgehen.“ Am Kauf des Freizeitparks, der neben der Grand-Prix-Strecke liegt, hat der ADAC nach früheren Angaben kein Interesse.
Der Sprecher der Ring-Sanierer, Pietro Nuvoloni, wollte einzelne Angebote nicht kommentieren. Es gebe jetzt mehrere unverbindliche Offerten. Verbindliche Angebote könnten bis Jahresende abgegeben werden. Im ersten Quartal 2014 wollen Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt und Sachwalter Jens Lieser die Verhandlungen mit ausgesuchten Bietern vertraglich beenden. Es gibt Interessenten für den gesamten Ring-Komplex und Bieter, die wie der ADAC nur Teile kaufen wollen. Der Automobilclub ist mit dem 1927 eröffneten Nürburgring eng verbunden, etwa über seinen Truck Grand Prix und sein 24-Stunden-Rennen.
Als möglichen Kaufpreis nennen gut informierte Fachleute laut „FAZ“ auf Basis von Gutachten etwa 100 Millionen Euro. Die Landesregierung unter dem früheren SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck hatte allerdings mehr als 330 Millionen Euro Steuergeld in den überdimensionierten Freizeitpark gesteckt, in dem auch eine Achterbahn steht. Insgesamt belaufen sich die von Gläubigern angemeldeten Forderungen jetzt auf mehr als 560 Millionen Euro.

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Bislang war auch schon spekuliert worden, Formel-1-Chef Bernard Ecclestone könne den Nürburgring übernehmen. Oder die Autoindustrie, die den Ring als Teststrecke nutzt. In Sorge sind die Motorsportfans. Der Verein „Ja zum Nürburgring“ befürchtet, dass die Asphaltschleife in die Hände eines Investors fällt, der nur auf Gewinn aus ist, so dass der Breitensport das Nachsehen hat. Der rheinland-pfälzische Landtag hat zwar ein Schutzgesetz verabschiedet, das den öffentlichen Zugang sichern soll. Der Verein hält das aber für zu wenig.
Seit Mitte Mai stehen alle Vermögenswerte der Nürburgring GmbH zum Verkauf. Dazu zählen die beiden Rennstrecken, die legendäre Nordschleife aus dem Jahr 1927 und ein moderner, in den 1980er Jahren erbauter Grand-Prix-Kurs, auf dem unter anderem die Formel-1-Rennen stattfinden. Den Rennstrecken gilt das Hauptinteresse des ADAC.

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