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Merkel erinnert an Auschwitz-Befreiung "Jeder muss frei und sicher leben können"

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte auf der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz die Bedrohung von Juden in Deutschland eine Schande.

Angela Merkel bei ihrer Ansprache anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 70 Jahren. Quelle: REUTERS

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bedrohung von Juden in Deutschland als Schande und deren Schutz als Staatsaufgabe bezeichnet. Gerade nach dem von den Deutschen zu verantwortenden Holocaust sei es "wunderbar", dass heute wieder weit mehr als 100.000 Juden in Deutschland ihre Heimat hätten, sagte Merkel am Montag in Berlin in einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

"Doch befürchten nicht wenige Juden heute in unserem Land Beleidigungen oder gar Übergriffe - und das leider nicht ohne Grund", kritisierte Merkel. "Es ist eine Schande, dass Menschen in Deutschland angepöbelt, bedroht oder angegriffen werden, wenn sie sich irgendwie als Juden zu erkennen geben oder auch wenn sie für den Staat Israel Partei ergreifen", fügte sie hinzu.

Dass Synagogen und jüdische Institutionen unter Polizeischutz stehen müssten, laste wie ein Makel auf Deutschland. Es zeigten sich zwei Übel unserer Zeit - islamistischer Terrorismus und Antisemitismus, sagte sie mit Hinweis auf die Anschläge in Paris gegen die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt.

Antisemitismus die Stirn bieten

Merkels demonstratives Bekenntnis zu den in Deutschland lebenden Juden ist auch eine Reaktion auf Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Dieser hatte nach den Anschlägen in Paris die französischen Juden aufgerufen, nach Israel zu ziehen.

Die zehn reichsten Terrorgruppen der Welt
Platz 10: Boko HaramJahreseinkommen: 25 Millionen US-Dollar Ziele: „Die moderne Erziehung ist Sünde“ – dafür steht Boko Haram. Die islamistische Terrorgruppe, die sich mittlerweile „Vereinigung der Sunniten für den Ruf zum Islam und den Dschihad“ nennt, will westliche Bildung in Nigeria verbieten und die Scharia einführen. Sie machte sich einen Namen, indem sie zahlreiche Christen und moderate Muslime in Nigeria ermordet hat. Im Frühjahr 2014 hatte Boko Haram über 200 Mädchen aus einer Schule entführt (Foto). Quelle: AP
Platz 9: Real IRAJahreseinkommen: 50 Millionen US-Dollar Ziele: Die Real IRA beansprucht der einzige rechtmäßige Nachfolger der „Irish Republican Army“ (IRA) zu sein. Wie ihre von 1919 bis in die 70er Jahre bestehende paramilitärische Organisation, strebt auch die neue IRA die komplette Unabhängigkeit ganz Irlands – also auch Nordirlands – von Großbritannien an. Die 1997 gegründete Gruppe zeigt sich verantwortlich für einen Bombenanschlag 1998 im nordirischen Omagh, der 29 Menschen tötete. Beim Beschuss einer Kaserne tötete die Real IRA 2009 zwei britische Soldaten. Quelle: AP
Platz 8: Al-ShabaabJahreseinkommen: 70 Millionen US-Dollar Ziele: Sie waren sogar Osama bin Laden zu hart: Bis zu dessen Tod bemühte sich die somalische Terrororganisation al-Shabaab ins Netzwerk von al-Qaida aufgenommen zu werden. Bin Laden wehrte sich dagegen, da al-Shabaab auch Muslime ermordet. Das Ziel der Gruppe ist es, einen islamischen Staat am Horn von Afrika zu errichten und sich an einem weltweiten Dschihad zu beteiligen. Sie bekämpft dafür die somalische Regierung und kontrolliert bereits Teile Südsomalias, wo sie streng nach der Scharia regiert. Das Foto zeigt Denis Allex, einer 2013 von den Terroristen getötete französische Geisel. Al-Shabaab hat bin Ladens Nachfolger Aiman az-Zawahiri die Treue geschworen und gilt seitdem als lokaler Ableger von al-Qaida. Quelle: dpa
Platz 7: Laschkar e-TaibaJahreseinkommen: 100 Millionen US-Dollar Ziele: Im Kaschmirkonflikt zwischen Indien und Pakistan mischt auch die Terrororganisation Laschkar e-Taiba mit. Sie wollen die Muslime im indischen Teil Kaschmirs befreien und einen islamischen Staat errichten. Auf ihr Konto gehen Anschläge in Mumbai 2006 und 2008 – unter anderem auf das Luxushotel Taj Mahal Palace (Foto). Quelle: REUTERS
Platz 6: Al-Qaida und seine AblegerJahreseinkommen: 150 Millionen US-Dollar Ziele: Das lose weltweite Netzwerk meist sunnitischer Islamisten will einen weltumspannenden Gottesstaat aller islamischen Länder herbeiführen. Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist al-Qaida in aller Munde. Das Foto zeigt die New Yorker Gedenkstätte. Quelle: AP
Platz 5: TalibanJahreseinkommen: 400 Millionen Euro Ziele: Die Taliban wollen ihre Macht in Afghanistan zurückerlangen, die sie nach dem Einmarsch der US-Einheiten ins Land 2003 verloren hatten. Die Islamisten verüben seit dem von Pakistan aus gezielte Anschläge gegen afghanische und internationale Truppen sowie gegen die afghanische Bevölkerung. Letztere leidet am meisten darunter: mehr als doppelt so viele Anschläge treffen die Zivilbevölkerung. Das Bild zeigt einen Anschlag vom Oktober 2014. Quelle: dpa
Platz 4: HisbollahJahreseinkommen: 500 Millionen US-Dollar Ziele: Einerseits Partei, andererseits Miliz – die schiitische Hisbollah stellt mehrere  Parlamentsabgeordnete im Libanon und war schon an mehreren libanesischen Regierungen beteiligt. Die Miliz der Hisbollah sieht sich angesichts der schwachen libanesischen Armee als die Beschützer des Libanons – vor allem vor Israel. Die Hisbollah entstand 1982, nachdem Israel das Land angegriffen hatte. Mit den USA, Kanada und Israel stufen lediglich drei Staaten die gesamte Hisbollah als terroristisch ein; die EU sieht lediglich die Miliz als Terrororganisation. Quelle: dpa

Die Kanzlerin betonte, "Antisemitismus und jeder anderen Form von Menschenfeindlichkeit" müsse gerade in Deutschland von Anfang an die Stirn geboten werden. "Bei uns muss jeder, unabhängig von Religion oder Herkunft, frei und sicher leben können."

Ohne die anti-islamischen Pegida-Demonstrationen etwa in Dresden direkt zu nennen, fügte Merkel hinzu: "Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verlangen stets unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz. Das beginnt schon damit, alte und neue Vorurteile und Feindbilder als solche zu entlarven."

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