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#Merkelstreichelt Auf allen Seiten nur Hilflosigkeit

Angela Merkel misslingt es, ein Mädchen zu trösten, dem die Abschiebung droht. Dafür bekommt die Kanzlerin viel Kritik und Häme ab. Dabei offenbart die Szene ein viel größeres Problem. Ein Kommentar.

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Die Kanzlerin versuchte, den Jugendlichen die Flüchtlingspolitik zu erklären. Quelle: dpa

Die Kanzlerin hätte es besser machen können. Besser aus Sicht von Kommunikationsstrategen und Rhetoriktrainern. Sie hätte andere Worte und Gesten wählen können, sie hätte sagen können, dass sie den Fall noch einmal prüfen lässt und möglicherweise ja gar keine Abschiebung droht. Dann wären die Kameras ausgeschaltet worden und die Sache wäre, vermutlich, im Sande verlaufen.

Aber Angela Merkel tut das nicht. Sie reagiert ehrlich – und das ist gut. Denn das Verhalten der Kanzlerin auf ein weinendes libanesisches Mädchen offenbart das ganze Dilemma der Flüchtlingspolitik in weniger als drei Minuten. Was ihr bleibt: Politikersprech und Rückentätscheln.

Das Ganze spielte sich in einem Bürgerdialog zwischen der Kanzlerin und 29 Schülern in Rostock ab. Eine der Jugendlichen ist Reem. Sie ist mit ihrer Familie aus dem Libanon geflüchtet und lebt seit vier Jahren in Rostock. Nun droht ihrer Familie die Abschiebung. „Ich habe ja auch Ziele wie jeder andere. Ich möchte studieren. Es ist wirklich ein Wunsch und ein Ziel, das ich gerne schaffen möchte“, erklärt die Schülerin der Kanzlerin.

Demaskierend hilflos wirkt Merkels Reaktion darauf, sie spricht zu dem Kind wie zu einem Erwachsenen: „Ich verstehe das“, entgegnet sie zwar, aber: „Manchmal ist Politik auch hart.“ Die Schülerin sei „ja ein sympathischer Mensch“, aber es könnten nicht alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen und „es werden manche auch wieder zurückkehren müssen“. Der Subtext, der beim Mädchen ankommt: Du wirst wohl zurückkehren müssen.

Dann die Tränen, Merkels misslungener Versuch zu trösten und die Tatsache, dass die Kanzlerin offenbar verkennt, dass dieses Mädchen nicht weint, weil es glaubt, ihre Sache vor den Fernsehkameras schlecht gemacht zu haben.

Dass Merkel jetzt ein Mangel an Empathie vorgeworfen wird, ist wohlfeil. Vor allem aber greift dieser Vorwurf zu kurz. Ihre fast schon grotesk distanziert wirkenden Worte haben eines sehr viel deutlicher brachgelegt: Wie hilflos Europa – und wenn man es größer betrachtet – die ganze reiche Nordhalbkugel angesichts der Flüchtlingsströme ist, die Krisen, Kriege, Hunger und Elend produzieren. Der Kontrast zwischen Politik und Realität wurde selten deutlicher.

Die Begegnung zwischen der Kanzlerin und dem palästinensischen Mädchen: Sie ist ein Zeugnis der Hilflosigkeit – auf beiden Seiten.

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