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Michael Sommer im Interview "Die Rente mit 67 ist falsch"

Der DGB-Vorsitzende ledert gegen die Regierung, will den Arbeitsmarkt reformieren – und hält kritische Distanz zu SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

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DGB-Vorsitzender Michael Sommer Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Sommer, 2013 ist Bundestagswahl. Union und SPD treten für Mindestlöhne, neue Regeln für Zeitarbeiter und Konzepte gegen Altersarmut ein. Können Sie die Parteien noch auseinanderhalten?

Sommer: Das gelingt mir gut. Die großen Parteien versuchen, unsere Themen aufzunehmen – und ich hoffe, dass das auch für unsere Lösungen gilt. Inzwischen haben wir bei Themen wie Mindestlohn oder Leiharbeit die Hegemonie in den Köpfen erreicht. Selbst in der FDP vernehme ich Stimmen, die differenziert an den Mindestlohn herangehen. Entscheidend ist aber, was am Ende im Gesetzblatt steht.

Der DGB-Bundesvorstand hat sich gerade auf Prüfsteine für die kommende Bundestagswahl geeinigt. Woran werden Sie die Parteien 2013 messen?

Es gibt drei Hauptthemen für uns. Erstens wollen wir eine Politik für ein soziales Europa. Wir müssen die Euro-Krise auch mit sozialstaatlichen Mitteln und Konjunkturprogrammen überwinden...

Ob das bei Ihren Mitgliedern ankommt, die das mit Steuern bezahlen müssten?

Auch die profitieren von einem stabilen Europa, denn das sichert auch ihre Arbeitsplätze. Daran hängt das zweite und wichtigste Thema für uns: Gewerkschaften sind die Organisation der Arbeit. Nach 30 Jahren Deregulierung liegt der Arbeitsmarkt in totaler Unordnung, prekäre Beschäftigung und der Niedriglohnsektor nehmen zu. Wir wollen eine neue Ordnung der Arbeit – vom Mindestlohn bis zur Bekämpfung des Missbrauchs der Leiharbeit. Davon abgeleitet ist das dritte Thema: eine vernünftige Alterssicherung.

Damit ignorieren die Gewerkschaften aber viele andere Themen, die ihren Mitgliedern wichtig sind.

Das war eine bewusste Entscheidung. Natürlich können wir auch über Energiepolitik oder den Kampf gegen Nazis reden. Je mehr wir uns aber auf das Thema Arbeit konzentrieren, desto ernster werden wir genommen.

Wie das Einkommen das Wahlverhalten bestimmt
Die Anhänger dieser Partei würde wahrscheinlich diese Wahlkabinen nicht betreten - es ist die Partei der Nichtwähler. 18,5 Prozent der Nichtwähler verdienen weniger als 1.000 Euro pro Monat. Auch in der Einkommensgruppen über 2.500 pro Monat finden sich immer noch 26 Prozent der Nichtwählerpartei. Quelle: Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig Quelle: REUTERS
Die Linkspartei kommt nicht richtig bei den Armen an. Lediglich 6,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro - 30,8 Prozent der Linke-Wähler stehen hingegen mehr als 2.500 Euro zur Verfügung. Quelle: dpa
Anders als die Vermutung nahe legt, befindet sich auch die SPD bei den Personen, die weniger als 1.000 Euro verdient, klar in der Minderheit. Nur 6,1 Prozent der SPD-Wähler kommen aus dieser Schicht, während bei den Personen mit einem Einkommen von mehr als 2.500 Euro bereits 31,3-Prozent der Wähler stammt. Quelle: AP
Die Piratenpartei hat eine breite Basis an Anhängern. Sie überholt alle etablierten Parteien im Spektrum der Personen, die weniger als 1.000 Euro verdienen: Sie finden hier 10,8 Prozent ihrer Wähler. Und bei den großen Einkommen über 2.500 Euro vereinen die Freibeuter gleich 31,8 Prozent ihrer Wählerschaft. Quelle: dpa
Untentschlossene Wähler stammen zu 32,9 Prozent aus der Einkommensgruppe über 2.500 Euro. Sie sind auch in der Gruppe unter 1.000 Euro mit 11,4 Prozent vertreten. Quelle: ZB
31,8 Prozent der Wähler, die ihr Stimme der CDU/CSU geben, verdienen mehr als 2.500 Prozent. In der Einkommensgruppe von unter 1.000 Euro sind lediglich nur 5,7 Prozent der Wähler. Quelle: dpa/dpaweb
Gut in den allen Einkommensgruppen vertreten: Die Rechtsparteien. 15,8 Prozent ihrer Wähler verdienen weniger als 1.000 Euro; 35 Prozent mehr als 2.500 Euro. Quelle: dapd

Sie wollen für 2013 aber keine Wahlempfehlung abgeben. Trauen Sie sich nicht?

Wir sind parteipolitisch unabhängig. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die deutsche Gewerkschaftsbewegung viel mehr durchsetzen kann, wenn sie mit allen demokratischen Parteien konstruktive Dialoge führt. Ich lege Wert darauf, dass wir uns nicht als Vorhof bestimmter Parteien behandeln lassen. Wir sind weder der Vor- noch Hinterhof von irgendwem.

Sie spielen auf die Zeit der Agenda-Politik unter Gerhard Schröder an. Sie selbst sind seit 1981 SPD-Mitglied. Haben Sie schon mal aus Wut nicht SPD gewählt?

Ich nehme für mich das Wahlgeheimnis in Anspruch.

Gewerkschaften und die SPD

Die längsten Streiks Deutschlands
GDL gegen die Deutsche BahnSechs Tage streikten die Lokführer der Bahn, um ihre Forderungen durchzusetzen. Nur ein Drittel der Züge im Personenverkehr fuhr. Der Güterverkehr wurde noch einen Tag länger bestreikt. Es handelte sich um den längsten Streik in der Geschichte der Bahn - was aber bei einem ehemaligen Staatsbetrieb nicht weiter erstaunlich ist. In anderen Wirtschaftszweigen und Unternehmen haben Tarifkonflikte zu weit längeren Arbeitsniederlegungen geführt. Nachfolgend die zehn längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Eine Anästhesistin überwacht während einer Operation den Patienten. Quelle: dpa
Einsatzkräfte der Polizei Quelle: dpa
An Naben für Windkraftanlagen arbeiten Monteure Quelle: dpa
In der Druckerei des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie kontrolliert ein Angestellter an einer Zwei-Farben-Bogen-Offsetdruckmaschine die gerade gedruckte Karte des Seehafens Rostock. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Firma SH Natursteine GmbH befestigt ein Seil an einem Block Granitporphyr Quelle: ZB
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe geht an mehreren Omnibussen entlang. Quelle: dpa

Wie ist denn Ihre Erinnerung an Rot-Grün?

Unser Verhältnis war seit der Agenda 2010 davon geprägt, dass sich eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung bewusst entschlossen hatte, die Gewerkschaften und die Interessen der arbeitenden Menschen zu missachten.

Und wie ist das Verhältnis von Gewerkschaften und SPD heute?

Das zweier großer Organisationen, die in vielen Punkten gemeinsame Auffassungen teilen und in manchen Punkten nicht. Wir haben eine gemeinsame Geschichte und üben jetzt eine kooperative Gegenwart.

Spartengewerkschaften mit viel Macht
GdFWelche Auswirkungen die Aktivitäten einer eher kleineren Gewerkschaft haben können, zeigt sich im Februar am Frankfurter Flughafen während des Streiks der Vorfeldbeschäftigten des von der Fraport AG betriebenen Flughafens in einem Abfertigungsterminal. 200 Vorfeldmitarbeiter legten dort ihre Arbeit nieder - das führte dazu, dass über 100 Flüge ausfallen mussten. Unternehmen, die gar nicht bestreikt wurden, wie etwa die Deutsche Lufthansa, haben dadurch bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag verloren. Die Gewerkschaft GdF, die auf ihrer Homepage mit dem Spruch "Wir lassen Euch nicht in der Luft hängen" wirbt, wurde im Jahr 2004 gegründet. Quelle: dapd
Gewerkschaft der ServicekräfteIm Dezember 2010 bildete sich die GdS, die Gewerkschaft der Servicekräfte im Bereich von Serviceunternehmen unter Beteiligung der öffentlichen Hand, speziell an Krankenhäusern. Nach etwas über einem Jahr des Bestehens blickt die Gewerkschaft auf Ihrer Homepage auf erfolgreiche Verlängerungen von Arbeitsverträgen, Klärungen in Lohnangelegenheiten und die Rücknahme von Kündigungen zurück. Für das laufende Jahr hat sie sich eine Ausweitung ihrer Tätigkeit und Kontakte vorgenommen. Quelle: Screenshot
NAG Quelle: Screenshot
DFeuG Quelle: dpa/dpaweb
TGL Quelle: dpa
Verband Private SicherheitInnerhalb der Polizeigewerkschaft DPolG hat sich der Verband Private Sicherheit gegründet. Er will Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten vertreten, beispielsweise an Flughäfen. Quelle: Handelsblatt Quelle: AP

Unterscheidet sich das von Ihrem Verhältnis zu Angela Merkel, die sich sehr um die Gewerkschaften bemüht, um der SPD Themen wegzunehmen?

Mit beiden Volksparteien eint uns, dass wir in den Krisenjahren 2008 und 2009 gemeinsam die Folgen der Lehman-Krise bewältigt haben. Aus dieser Zeit resultiert eine gute Arbeitsbeziehung zur Bundeskanzlerin. Die Bundesregierung hat damals das Gegenteil von dem getan, was sie heute Europa verordnet: Das war keine Austeritätspolitik, sondern eine Politik der Investitionen und der sozialen Gemeinsamkeiten. Nach der Wahl 2009 wurden wir dann auch nicht mit der neoliberalen Politikwende konfrontiert, die wir befürchtet hatten.

Dann ist Schwarz-Gelb aus Ihrer Sicht doch gar nicht so schlimm?

Unsere schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten. Das ist aber schon das Positivste, was man sagen kann. Der Output nach drei Jahren Schwarz-Gelb ist für Arbeitnehmer gleich null. Wir haben drei Jahre Stillstand erlebt – bestenfalls. Ich rechne nicht mehr damit, dass die Koalition einen allgemeinen Mindestlohn einführt oder die Leiharbeit reguliert. Ihre Ankündigungen sind bloße Politik für die Galerie. Die Koalition ist handlungsunfähig – aber das ist immer noch besser als faule Kompromisse. Sonst kommt am Ende noch ein Betreuungsgeld für Hoteliers.

In Ihren Wahlprüfsteinen fordern Sie einen „Politikwechsel“. Ist das kein Plädoyer für die Abwahl von Schwarz-Gelb?

Wir wollen eine andere Politik. Dass ich persönlich eine Rösler-FDP nicht für die Inkarnation des gesellschaftlichen Fortschritts halte, ist kein Geheimnis.

Und wie wäre es mit einer Lindner-FDP?

Ich weiß nicht, ob sich die FDP politisch wenden will. Viele FDP-Politiker signalisieren mir, dass sie sich nach der Wahl eine sozialliberale Politik vorstellen können. Allein, mir fehlt der Glaube.

Sommer und Steinbrück

Wenn Peer Steinbrück Klartext spricht
Die Grünen stoßen mit ihrer Idee eines fleischlosen Tags in den Kantinen auf Widerspruch. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte sich im Zuge eines Wahlkampfauftritts im BR-Fernsehen von seinem Wunschpartner Grüne mit dem ironischen Satz distanziert: "Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht." Quelle: dpa
Zurück aus dem Urlaub gab Steinbrück der „Süddeutschen Zeitung“ Mitte August 2012 ein ausführliches Interview. Thema Nummer 1 war selbstverständlich die Euro-Krise. Zu dem Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel, dass die Euro-Länder auf längere Sicht gemeinsam für ihre Schulden haften sollten, sagte Steinbrück: „Wenn Europa die richtige Antwort auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts ist, und wenn Europa die richtige Antworten auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist, dann wird sich dieses Europa einig aufstellen müssen.“ Quelle: rtr
Wenig später greift Steinbrück in dem Interview die Regierungskoalition an: „Wir sind im Zeitalter der Rettungsschirme längst in einer Haftungsgemeinschaft, an der die verbalen Kraftprotze von Union und Liberalen mitgewirkt haben. Umso dümmlicher sind die Vorwürfe von FDP und CSU, die SPD plädiere für einen ,Schuldensozialismus’.“ Quelle: dapd
Mit seinen 65 Lenzen sieht Peer Steinbrück in seinem Alter kein Hindernis für eine Kanzlerkandidatur. „Erfahrung und ein gutes Rüstzeug sind vielleicht mehr denn je nachgefragte Qualitäten. Offensichtlich erscheine ich vielen noch nicht als politisches Auslaufmodell“, sagte er Ende Juli der Zeitung „Bild am Sonntag“. Quelle: rtr
Auf dem SPD-Parteitag in Berlin Äußerte sich Peer Steinbrück zu den Steuersenkungsplänen der schwarz-gelben Regierung: „Diese sind nichts anderes als ein Pausentee für die FDP auf der Wegstrecke zur nächsten Wahl – manche sagen Abführtee. Ich nehme an, dass sich Wolfgang Schäuble jeden Tag in der Adventszeit eine, vielleicht zwei Kerzen ins Fenster stellt, damit die SPD im Bundesrat diesen Schwachsinn verhindert“. Quelle: rtr
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Steinbrück ab, die europäische Geschichte zu verstehen. Sie habe keinen Zugang zur „europäischen Story“, sagte er auf dem Parteitag im Dezember 2011 in Berlin. Mit Blick auf Merkels Studium ätzte er: „Europa ist nicht Physik“. Quelle: rtr
Steinbrück über die FDP und ihren neuen Vorsitzenden Philipp Rösler ("Bild" vom 26.09.2011): "Eine Primanerriege, Leichtgewichte wohin man blickt. Bei manchem Interview von FDP-Chef Rösler denke ich: Das ist eine alte Loriot-Aufnahme. Diese Unbedarftheit und Naivität – Entschuldigung, wir reden hier vom deutschen Wirtschaftsminister und Vizekanzler." Quelle: rtr

Würden Sie ein Bündnis von SPD und FDP denn begrüßen?

Ich führe weder Koalitionsverhandlungen, noch ist es die Aufgabe von Gewerkschaften, Koalitionen oder Kandidaten zu küren. Aber es ist gut, dass selbst die Liberalen nicht mehr ignorieren können, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung den Mindestlohn oder die Bekämpfung prekärer Arbeit will.

Die SPD hat nun mit Peer Steinbrück einen Kanzlerkandidaten, der in der FDP mehrheitsfähig ist. Bloß enge Drähte zu den Gewerkschaften hatte er nie.

Ich kenne Peer Steinbrück schon sehr lange. Es gibt viele inhaltliche Positionen, die ich mit ihm teile, und Punkte, bei denen wir uns unterscheiden.

Steinbrück ist von der IG Metall zur IG BCE gewechselt, weil er keine Lust mehr hatte, „immer wieder von denen verbal verprügelt zu werden“, wie er sagte.

Es steht Abgeordneten offen, welcher Gewerkschaft sie beitreten.

Steinbrücks Positionen

Er sagt, die SPD brauche mehr Stolz auf die Agenda 2010. Was lernen Sie daraus?

Dass es in der Sozialdemokratie ein breites Spektrum an Meinungen gibt. Ich teile diese Haltung ausdrücklich nicht.

Können Sie Steinbrück noch überzeugen?

Er ist jetzt 65 Jahre alt. Ab einem gewissen Zeitpunkt haben sich Meinungen fertig ausgebildet.

Sommer und die Rente

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

Steht Ihre Meinung zur Agenda-Politik denn genauso unverrückbar fest?

Ich bin zwar erst 60 Jahre alt. Aber bis an mein Lebensende wird mich niemand überzeugen, dass die Agenda 2010 eine gute Sache war – weder der Inhalt noch das Ergebnis. Ich werde mich nie damit abfinden, dass viele Menschen in Angst vor sozialem Abstieg leben müssen.

Seit den Reformen ist die Arbeitslosigkeit doch auf einen Niedrigstwert gesunken.

Das kann ich so nicht stehen lassen. Der Niedriglohnsektor weitet sich aus, die prekäre Beschäftigung nimmt zu. Hartz IV ist ein Armutsprogramm. Ich will nicht, dass Menschen Existenzängste haben, aber ich werde nicht für Vergangenheitsbewältigung bezahlt. Jetzt kämpfe ich für eine neue Ordnung der Arbeit und suche Bündnispartner. Wenn ich sie in der SPD finde, ist das gut. Wenn ich sie auch in der CDU fände, umso besser.

Der DGB fordert ein Zurückdrehen der Rentenreform, Steinbrück lehnt das ab.

Es gibt nicht nur Trennendes zwischen den Gewerkschaften und Steinbrück. Ich stelle fest, dass er bei der Frage, wie man Arbeit gestaltet, längst umdenkt. Und ich habe mit ihm auch über die Regulierung der Finanzmärkte beraten, da sind wir uns in vielen Punkten einig. Allerdings hätte er schon in seiner Zeit als Bundesfinanzminister mehr tun können.

Wir hatten nach der Rente gefragt, da gibt es große Differenzen mit der SPD.

Natürlich diskutieren wir mit der SPD über die Vorarbeiten für das Wahlprogramm. Inzwischen setzt sich der SPD-Vorsitzende für eine Vollrente nach 45 Versicherungsjahren ein, da kommt die Sozialdemokratie uns und den Menschen entgegen. Trotzdem darf niemand von mir erwarten, dass ich die Rente mit 67 toll finde. Ich halte sie für falsch, weil sie zu Rentenkürzungen führt.

In Arbeit
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Sie wollen auch das Rentenniveau bei 51 Prozent einfrieren. So belasten Sie die Arbeitnehmer mit höheren Beiträgen.

Niemand will, dass die Beiträge ins Unendliche steigen. Aber statt die Beiträge jetzt zu senken, plädieren wir in unserem Rentenkonzept für eine moderate jährliche Steigerung des Beitragssatzes für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um je 0,1 Prozentpunkte, bis die 22 Prozent erreicht sind, die auch die Regierung bis 2030 anpeilt. So könnten wir eine weitere Niveauabsenkung bei der Rente verhindern.

Wird es keinen Kompromiss geben, mit dem die SPD Sie zufriedenstellen kann?

Zwei Dinge sind für uns existenziell: Die Rente mit 67 muss ausgesetzt werden. Und das Rentenniveau von heute 51 Prozent ist alles andere als üppig, und es darf nicht noch weiter absinken. Mit einem Rentenniveau von 43 Prozent in 2030 werden massenhaft Menschen in Altersarmut stürzen. Genau das wollen wir verhindern.

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