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Michael Sommer im Interview "Die Rente mit 67 ist falsch"

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Sommer und die Rente

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia

Steht Ihre Meinung zur Agenda-Politik denn genauso unverrückbar fest?

Ich bin zwar erst 60 Jahre alt. Aber bis an mein Lebensende wird mich niemand überzeugen, dass die Agenda 2010 eine gute Sache war – weder der Inhalt noch das Ergebnis. Ich werde mich nie damit abfinden, dass viele Menschen in Angst vor sozialem Abstieg leben müssen.

Seit den Reformen ist die Arbeitslosigkeit doch auf einen Niedrigstwert gesunken.

Das kann ich so nicht stehen lassen. Der Niedriglohnsektor weitet sich aus, die prekäre Beschäftigung nimmt zu. Hartz IV ist ein Armutsprogramm. Ich will nicht, dass Menschen Existenzängste haben, aber ich werde nicht für Vergangenheitsbewältigung bezahlt. Jetzt kämpfe ich für eine neue Ordnung der Arbeit und suche Bündnispartner. Wenn ich sie in der SPD finde, ist das gut. Wenn ich sie auch in der CDU fände, umso besser.

Der DGB fordert ein Zurückdrehen der Rentenreform, Steinbrück lehnt das ab.

Es gibt nicht nur Trennendes zwischen den Gewerkschaften und Steinbrück. Ich stelle fest, dass er bei der Frage, wie man Arbeit gestaltet, längst umdenkt. Und ich habe mit ihm auch über die Regulierung der Finanzmärkte beraten, da sind wir uns in vielen Punkten einig. Allerdings hätte er schon in seiner Zeit als Bundesfinanzminister mehr tun können.

Wir hatten nach der Rente gefragt, da gibt es große Differenzen mit der SPD.

Natürlich diskutieren wir mit der SPD über die Vorarbeiten für das Wahlprogramm. Inzwischen setzt sich der SPD-Vorsitzende für eine Vollrente nach 45 Versicherungsjahren ein, da kommt die Sozialdemokratie uns und den Menschen entgegen. Trotzdem darf niemand von mir erwarten, dass ich die Rente mit 67 toll finde. Ich halte sie für falsch, weil sie zu Rentenkürzungen führt.

In Arbeit
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Sie wollen auch das Rentenniveau bei 51 Prozent einfrieren. So belasten Sie die Arbeitnehmer mit höheren Beiträgen.

Niemand will, dass die Beiträge ins Unendliche steigen. Aber statt die Beiträge jetzt zu senken, plädieren wir in unserem Rentenkonzept für eine moderate jährliche Steigerung des Beitragssatzes für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um je 0,1 Prozentpunkte, bis die 22 Prozent erreicht sind, die auch die Regierung bis 2030 anpeilt. So könnten wir eine weitere Niveauabsenkung bei der Rente verhindern.

Wird es keinen Kompromiss geben, mit dem die SPD Sie zufriedenstellen kann?

Zwei Dinge sind für uns existenziell: Die Rente mit 67 muss ausgesetzt werden. Und das Rentenniveau von heute 51 Prozent ist alles andere als üppig, und es darf nicht noch weiter absinken. Mit einem Rentenniveau von 43 Prozent in 2030 werden massenhaft Menschen in Altersarmut stürzen. Genau das wollen wir verhindern.

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