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Migration Die Mär vom einwandernden Wachstumsbringer

Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten erzählen gerne von Einwanderern, die für Wachstum sorgen. Vergessen werden dabei meist nicht nur die geistesgeschichtlichen Wurzeln dieses Narrativs, sondern auch die entscheidenden politischen Fragen.

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Obergrenze - wer ist dafür, wer dagegen?
Gerhard Schröder (SPD) erwartet in diesem Jahr erneut rund eine Million Flüchtlinge in Deutschland. „Wir werden das in diesem Jahr noch einmal schaffen, selbst wenn wir mit einer weiteren Million rechnen müssen - so alle Voraussagen“, sagte der Altkanzler. „Aber dann sind die Kapazitätsmöglichkeiten in den Kommunen, in den Ländern auch erschöpft.“ Und weiter: „Ich hätte nicht gesagt: Wir schaffen das“, sagte Schröder und bezog sich damit auf die entsprechende Aussage von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Flüchtlingsfrage. „Ich hätte gesagt: Wir können das schaffen, wenn wir bereit sind, Voraussetzungen dafür hinzubekommen.“ (Stand: 4. Februar 2016) Quelle: AP
Bundespräsident Joachim Gauck hat eine offene Diskussion über die Begrenzung des Flüchtlingszuzugs gefordert. Begrenzungsstrategien könnten „moralisch und politisch geboten“ sein, sagte Gauck im WDR-Rundfunk. Gerade in dem Bemühen, möglichst vielen Menschen helfend zur Seite zu stehen, könne es begründet sein, „dass man nicht allen hilft“. Es sei möglich, hilfsbereit und sorgenvoll zugleich zu sein, betonte Gauck. Es zeige sich, dass wir „das Für und Wider und das Maß an Aufnahmebereitschaft“ öffentlich besprechen müssen. (Stand: 4. Februar 2016) Quelle: REUTERS
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will eine spürbare Reduzierung des Flüchtlingszustroms in diesem Jahr erreichen. Eine Lösung der Flüchtlingskrise sehe sie in der Bekämpfung der Fluchtursachen und der Sicherung der Außengrenzen, sagte Merkel. „Ich verspreche Ihnen, weil ich weiß, dass es vielen Tag und Nacht durch den Kopf rumgeht, dass wir alles daran setzen, die Zahlen für dieses Jahr spürbar zu reduzieren“, fügte die Kanzlerin hinzu. Eine starre Obergrenze, wie von der Schwesterpartei CSU gefordert, lehnt die Kanzlerin bislang ab. (Stand: 22. Januar 2016) Quelle: AP
Sigmar Gabriel will "von einer chaotischen zu einer planbaren Zuwanderung kommen". Deutschland müsse "feste Kontingente für die Aufnahme von Flüchtlingen einführen, um die Kontrolle zu behalten, wie viele Menschen kommen und wann sie kommen", sagte der Wirtschaftsminister der der Funke-Mediengruppe. Deutschland könne deutlich mehr als die von CSU-Chef Horst Seehofer genannten 200.000 Flüchtlinge im Jahr aufnehmen. "Aber das Kontingent muss auch deutlich unter den Zuwanderungszahlen des vergangenen Jahres liegen." Zwar stimme der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), das Asylrecht kenne keine Obergrenze, sagte der Vizekanzler. "Aber in einer Demokratie entscheiden die Bürger. Und ich rate uns allen, diese Grenze, die das Land aufzunehmen in der Lage ist, nicht auszutesten." Wenn die Maßnahmen zur Verringerung der Flüchtlingszahlen im Frühjahr nicht wirkten, "bewegen wir uns auf Zahlen zu, die schwierig werden". (Stand: 16. Januar 2016) Quelle: dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnt vor einer Überforderung Deutschlands in der Flüchtlingskrise. "Jeder sieht ein, dass wir nicht die ganze Welt aufnehmen können", sagte Schäuble. "Zu Unmöglichem kann man nicht verpflichtet werden." Schäuble forderte, Deutschland und Europa müssten sich künftig deutlich stärker finanziell und sicherheitspolitisch im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika engagieren, um den Flüchtlingszuzug einzudämmen. Der Finanzminister stärkte zudem der wegen ihres Kurses in der Flüchtlingspolitik auch innerparteilich in die Kritik geratenen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken. "Sie kämpft darum, dass Europa so wenig wie möglich beschädigt wird. Darin unterstütze ich sie", sagte Schäuble. (Stand: 2. Februar 2016) Quelle: dpa
Die CSU setzt in der Flüchtlingskrise voll auf Konfrontation mit der Bundeskanzlerin und fordert eine Obergrenze von 200.000 Personen pro Jahr. „Wir werden diese Begrenzung weiterhin massiv einfordern - politisch, und möglicherweise auch rechtlich“, sagte Parteichef Horst Seehofer bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Wildbad Kreuth. Bayern erwägt zudem eine Verfassungsklage gegen die Bundesregierung, an der die CSU selbst beteiligt ist. (Stand 21. Januar 2016) Quelle: dpa
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hält eine Obergrenze aus rechtlichen Gründen nicht für möglich. Sie unterstützt den Ansatz, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Zugleich fordert sie, anerkannten Asylbewerbern unter bestimmten Umständen zu verbieten, sich den Wohnsitz innerhalb Deutschlands frei zu wählen. "Es darf nicht sein, dass alle Flüchtlinge, sobald sie anerkannt sind, wie prognostiziert in die Großstädte ziehen", sagte die SPD-Politikerin dem "Kölner Stadt-Anzeiger". (Stand: 1. Februar 2016) Quelle: dpa

Ibrahim Demir hat es geschafft, findet er. Und das finden auch Ralph Bollmann und Lena Schipper, Wirtschaftsredakteure bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der aramäische Christ aus der Türkei hatte, so berichten sie im September 2015, „nur fünf Jahre lang die Grundschule besucht, als er Mitte der neunziger Jahre mit 16 Jahren nach Deutschland flüchtete, weil sein Vater in der Heimat verfolgt wurde“.

Doch er machte eine Ausbildung und rackerte sich nach oben: „Zweieinhalb Jahre lang nur arbeiten, Sport machen, lernen, schlafen, und dann das Gleiche wieder von vorne.“  Aber es hat sich gelohnt: „Heute betreibt der Schuhmachermeister ein Atelier für Maßschuhe in Wiesbaden.“

Eine Volkswirtschaft braucht Einwanderer wie Demir, wenn sie wachsen soll, obwohl in ihr immer weniger Kinder geboren werden und diese wenigen offenbar immer weniger Lust verspüren, Unternehmer zu werden. Und Geschichten wie die von Demir oder „Tung, Software-Entwickler aus Vietnam oder Sun­deep, Elektroingenieur aus Indien“ finden sich in jüngerer Zeit immer häufiger in den Wirtschaftsressorts der Presse.

Aus diesen Ländern kommen Asylbewerber in Deutschland

Die Erzählung von der Einwanderung als Frischzellenkur, die einer müden Gesellschaft weiteres Wirtschaftswachstum ermöglicht, war auch der Tenor zahlreicher wirtschaftsjournalistischer Artikel und Ökonomenkommentare anlässlich der Grenzöffnung im Sommer 2015. In der ZEIT heißt es: „Einwanderer haben ihre Gesellschaften immer bereichert und Innovation, Dynamik und wirtschaftlichen Erfolg gebracht. Schon deshalb, weil diejenigen, die das existenzielle Risiko einer Flucht auf sich nehmen und alles hinter sich lassen, Außergewöhnliches zu leisten bereit sind.“

Und noch einmal Bollmann und Schipper: „Denn wer sich aufmacht, der zeigt, dass er bereit ist, ein Risiko auf sich zu nehmen. Und in aller Regel gelingt es nach Anfangsschwierigkeiten dann auch, sich eine neue Existenz aufzubauen. Historisch gesehen, haben Einwanderer ihre Gesellschaften stets bereichert: Sie brachten Innovation, Dynamik, wirtschaftlichen Erfolg. Sie sind oft ambitioniert, ihre Beweglichkeit haben sie durch den Abschied vom angestammten Ort unter Beweis gestellt. Wenn man ihnen Raum gibt, ihre Pläne zu verwirklichen, und ihnen nicht mit fehlgeleiteter Politik im Weg steht – dann sind sie für das Gastland ein großer Gewinn.“


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Die Häufung dieser Geschichten vom Einwanderer als Wachstumsmotor – oft verbunden mit dem Schlagwort „Fachkräftemangel“ – ist ein eher junges Phänomen. Vor der Jahrtausendwende war von Einwanderern wie Demir oder Tung in deutschen Zeitungen und Magazinen nichts zu lesen. Und doch erinnert die ökonomische Hoffnung, die heute auf Einwanderern ruht, an eine rund neunzig Jahre alte These, deren Urheber allerdings unerwähnt bleibt.

Sie stammt aus Werner Sombarts Hauptwerk „Der moderne Kapitalismus“ (1928). Für Sombart stand fest, dass „die Fremden“ besonders gut als Unternehmer geeignet sind und Einwanderer in vielen Ländern eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Kapitalismus spielten. Die „Wanderung entwickelt den kapitalistischen Geist“, schreibt Sombart, „durch Abbruch aller alten Lebensgewohnheiten und Lebensbeziehungen“. Der Fremde sei also zum wirtschaftlichen Erfolg „verdammt“, denn: „die Fremde ist öde. … Sie bedeutet ihm nichts. Höchstens kann er sie als Mittel zum Zweck – des Erwerbes nutzen.“ Er ist weniger abgelenkt als der Einheimische. Für ihn gibt es, so Sombart, weder Vergangenheit noch Gegenwart. „Es gibt für ihn nur eine  Zukunft.“ Und: „der Fremde ist durch keine Schranke in der Entfaltung seines Unternehmergeistes gehemmt, durch keine persönlichen Rücksichten: In seiner Umgebung, mit der er in geschäftliche Beziehungen tritt, stößt er wieder nur auf Fremde.

Reaktionen zu möglichen Grenzschließungen

Und unter Fremden sind überhaupt zuerst gewinnbringende Geschäfte gemacht worden, während man dem Genossen half.“ Für den Eingewanderten gibt es, so Sombart: „Keine Tradition! Kein altes Geschäft! Alles muss neu geschaffen werden, gleichsam aus dem Nichts: keine Bindung an einen Ort: in der Fremde ist jeder Ort gleich.“ Aus diesen Voraussetzungen erwachse „die Entschlossenheit zur vollendeten Ausbildung des ökonomisch-technischen Rationalismus.“

Verbindung von Moral und Nutzenkalkül

Dass heutige Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen Sombart nicht erwähnen, mag an Sombarts konservativer Distanz zum Kapitalismus liegen, und an seiner Überzeugung, dass dieser nur eine historische Episode mit vorbestimmtem Ende sein werde. Oder, was wohl am wahrscheinlichsten ist, einfach an der Tatsache, dass spätestens nach Kriegsende die amerikanisch dominierte Ökonomie und mit ihr auch der Wirtschaftsjournalismus aktiv die alten Nationalökonomen der „historischen Schule“ aus dem Kanon tilgten. Die Ökonomie hat, wie Geoffrey Hodgson feststellt, im Laufe des 20. Jahrhunderts aktiv die Geschichte vergessen und dafür Rechnen gelernt („How Economics Forgot History“, 2001).

Die These von der besonderen Eignung Eingewanderter für die kapitalistische Wirtschaftsweise hat Sombarts Marginalisierung jedenfalls überstanden und ist von heutigen Ökonomen neu aufgelegt worden, zum Beispiel vom früheren Weltbank-Vizepräsidenten und Oxforder Ökonom Ian Goldin („Außergewöhnliche Menschen“, 2011). Im Wirtschaftsjournalismus ist daraus ein Narrativ geworden, eine bestimmte Art und Weise also, wie man Einwanderung erzählt und damit bestimmte Annahmen wirksam verbreitet:  „Mit ihren Ideen, mit Gründergeist oder ihrer Ausbildung treiben die Zuwanderer das Wirtschafts­wachstum häufig mit an“, schreibt ZEIT-Redakteur Axel Hansen 2014.

Ähnlich schreibt auch Spiegel-Online-Kolumnist Henrik Müller: „Der Zuzug mobiler, leistungsfähiger Ausländer birgt für die sesshaften Einheimischen einen erheblichen Nutzen, erst recht in einer alternden, müden Gesell­schaft wie der deutschen. … Wachstum beginnt mit dem Willen, ein besseres Leben führen zu wollen. Migranten beweisen eindrucksvoll, dass sie ebendies wollen: Sie verlassen ihre Heimat, um in der Frem­de ein besseres Leben zu führen. … Leistungsfähige und Leistungswillige werden gebraucht: Akademi­ker, Fachleute mit Biss, Unternehmertypen, die in Deutschland Firmen gründen wollen.“

Besondere Überzeugungskraft gewinnt dieses Narrativ vom Wanderer als Wachstumsbringer dadurch, dass es oft moralisch unterfüttert wird. Die beiden Stränge der  Debatte um Einwanderung und „Flüchtlinge“ sind auf seltsame Weise miteinander verwoben. Moralische, humanitäre Appelle zur Hilfsbereitschaft werden im selben Atemzug mit der Aussicht auf ökonomische Gewinne, also künftiges Wirtschaftswachstum genannt. „Das ist nicht nur moralisch geboten. Es nützt auch uns allen“, begrüßen Bollmann und Schipper die Öffnung der deutschen Grenze für Flüchtlinge der Balkan-Route. Die Flüchtlinge erscheinen in vielen Artikeln als die fleischgewordene Win-Win-Situation von Kommerz und Moral. Einwanderung scheint den Traum des modernen Menschen wahr werden zu lassen, und seine beiden widersprüchlichen Begierden zu versöhnen: Gutes tun und dabei noch reicher werden.

Die Wirtschaftsjournalisten der 1960er Jahre waren noch nüchterner. Die ersten Einwanderer der Nachkriegsgeschichte, die damals so genannten Gastarbeiter wurden in der Wirtschaftspresse keineswegs begeistert begrüßt. Ihre Anwerbung wurde allenfalls als ökonomisch unumgänglich hingenommen. „Das Wandern von Arbeitern über Staatsgrenzen hinweg ist gewiss keine Ideallösung … . Es ist eine Vernunftehe, ziemlich dicht am Rand einer Notlösung“, schrieb 1966 FAZ-Herausgeber Jürgen Eick. In der zweiten Phase der Einwanderungsgeschichte seit den 1980er Jahren, gekennzeichnet durch die starke Zunahme der Asylbewerberzahlen, standen dann vor allem moralische Gründe für die Aufnah­me im Vordergrund der Berichterstattung, während Wachstumshoffnungen angesichts Millionen einheimischer Arbeitsloser keine Rolle spielten. Seit wenigen Jahren, besonders aber in der so genannten „Flüchtlingskrise“ treten nun beide Argumente, humanitäres Mitleid und Nutzenkalkül, gemein­sam auf.

Politische, nicht ökonomische Fragen sind entscheidend

Eine Wirtschaft, die scheinbar entgegengesetzte Interessen entschärft, indem sie alle zu Gewinnern macht, war jahrzehntelang das Erfolgsrezept der freien Gesellschaften des Westens. Das Wachstumsparadigma, also die allgemein verbreitete Vorstellung, dass Wirtschaftswachstum ein Allheilmittel für gesellschaftliche Probleme  und die Politik daher verpflichtet sei, für Wachstum zu sorgen, bestimmt seit dem Zweiten Weltkrieg und der Erfindung des Bruttosozialprodukts die Wirtschafts- und Sozialpolitik fast aller Länder.  In den Nachkriegsjahrzehnten gelang in der westlichen Welt durch Wirtschaftswachstum die Entschärfung sozialer Verteilungskonflikte, deren Sprengkraft sich in den stagnierenden Volkswirtschaften der Zwischenkriegszeit auf traumatisierende Weise gezeigt hatte.

Hinter der Erzählung vom einwandernden Wachstumsbringer steht die auf bestimmten historischen Erfahrungen vor allem der klassischen Einwanderungsländer gegründete Hoffnung, dass dieses Win-Win-Wunder des Wirtschaftswachstums auch die drohenden Verteilungskonflikte zwischen den reichen Ureinwohnern der frühindustrialisierten Länder und den armen Zuwanderern entschärfen werde. Während es zugleich durch die Ungleichheit, also den Wohlstandshunger der letzteren, neue Nahrung erhält.

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern

Die Sache hat allerdings nicht nur einen Haken. Ist diese verheißungsvolle Geschichte vom Einwanderer als Wachstumstreiber zeitlos und universell zutreffend? Beweisen heutige Einwanderer allein dadurch, dass sie ihr Land verlassen, tatsächlich einen besonderen Unternehmergeist? Ist es dabei egal, welchen kulturellen oder religiösen Hintergrund die potentiellen Wachstumsbringer haben?  Oder ist diese Erzählung nichts als ein letzter Strohhalm der Hoffnung in reifen Volkswirtschaften, die dem Schicksal der „säkularen Stagnation“ mit allen Mitteln zu entkommen hoffen?

Wer die hierzu verbreiteten Studien einigermaßen unvoreingenommen überblickt, wird zu dem Schluss kommen müssen, dass niemand eine belastbare Antwort darauf geben kann, ob die Zuwanderung der Gegenwart und nahen Zukunft unterm Strich gesellschaftliche Kosten oder Wohlstandsgewinn erzeugt und erzeugen wird. Außerdem kann man wohl davon ausgehen, dass künftige Historiker, wenn sie die heutige Migrationsbewegung bewerten, ihre Antworten sicher nicht nur in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung suchen werden.

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Denn entscheidender als die ökonomische Zuversicht, die im Narrativ des Einwanderers als Wachstumsbringer verbreitet wird, sind die Fragen, die dadurch verdeckt werden. Es sind nicht nur ökonomische, sondern politische Fragen: Sollte man überhaupt bei der Entscheidung über die künftige Einwanderungspolitik deren Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum zum entscheidenden Kriterium machen? Es gibt sicher verschiedene gute Gründe für verschiedene Regelungen der Zuwanderung. Humanitäre und andere. Aber wollen wir Einwanderung wirklich vor allem deswegen, weil unsere Wirtschaft noch weiter wachsen soll? Soll unsere Wirtschaft überhaupt weiter wachsen? Sollten möglicherweise andere Ziele – sozialer Frieden zum Beispiel – nicht mindestens ebenso sehr beachtet werden?

Vom Autor ist kürzlich im Oekom-Verlag erschienen: "Wachstum über Alles? Wie der Journalismus zum Sprachrohr der Ökonomen wurde"

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