Mindestlohn Überraschung bei der Konjunkturprognose

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin wartet in seiner neuen Konjunkturprognose gleich mit zwei Überraschungen auf. Das Wachstum schießt nach oben, und der Mindestlohn hinterlässt bisher keine negativen Spuren in der Bilanz.

Der Mindestlohn schlägt zu – aber nicht überall
8,50 Euro stehen als große Aufsteller vor dem Bundeskanzleramt Quelle: dpa
Jemand trägt einen Tannenbaum Quelle: dpa
Ein Mann steht auf einer Leiter, die an einen Stapel aus Baumstämmen angelehnt ist Quelle: AP
Eine Frau trägt ein Tablett mit verschiedenen Biersorten Quelle: dpa
Ein großes Glas Bier im Vordergrund im Hintergrund der Berliner Fernsehturm "Alex" Quelle: dpa
Lastwagen eines Umzugsunternehmens vor der neuen Zentrale der EZB Quelle: dpa
Eine Friseurin frisiert eine Kundin Quelle: dpa
Jemand zerlegt ein Fleischstück Quelle: dpa
Rostbratwurst Quelle: AP
Erntehelfer auf einem Kohlfeld Quelle: dpa
Ein Mann steckt eine Zeitung in einen Briefkasten Quelle: dpa
Menschen gehen eine Treppe zu einem Arbeitsamt hinauf Quelle: dpa
Ein Auszubildender im BMW-Motorradwerk Berlin Quelle: dpa
Eine Mauer und eine Maurerkelle Quelle: dpa

Für dieses Jahr erwarten die Berliner Wissenschaftler ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent. „Wir sind sehr optimistisch für die Konjunktur“, sagt Institutspräsident Marcel Fratzscher. Angetrieben wird der Miniboom vor allem durch den Arbeitsmarkt. „Fast schon Vollbeschäftigung“ nennt Fratzscher die Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent, die seine Wissenschaftler für das kommende Jahr vorhersagen, auch wenn mancher Langzeit-Arbeitslose dies zynisch finden dürfte.

Aber statistisch verbindet sich die immer weitere Zunahme der Beschäftigung mit hohen Lohnabschlüssen, was die Kaufkraft vorantreibt. Auch die Mütterrente und die Rente mit 63, die zusätzliche Zahlungen ausgelöst hätten, würden den Konsum der Deutschen beflügeln.

Aber auch der Außenhandel kommt weiter voran. Denn der schwache Eurokurs und der niedrige Ölpreis sind „natürlich ein Konjunkturpaket für Deutschland“. Denn die Exporte verbilligen sich deutlich. Zwar werden die Einfuhren im Gegenzug teurer, aber weil der Ölpreis viel stärker gefallen ist als der Euro, bleibt unter dem Strich immer noch ein Schub für die heimischen Betriebe und Haushalte.

Hier spüren Verbraucher den Mindestlohn

Mindestlohn bleibt ohne Auswirkungen

Politisch dürfte das allerdings Ärger geben, denn der Außenhandelsüberschuss der teutonischen Exportwirtschaft, der schon in den vergangenen Jahren mit 7,5 Prozent einen Rekordwert erreicht hatte, wird noch einmal um einen Prozentpunkt zulegen. Und schon in der Vergangenheit hatten etliche Kritiker – von Frankreich und den USA bis zum Weltwährungsfonds – Deutschland aufgefordert, dieses Ungleichgewicht zu reduzieren. Wirtschaft und Bundesregierung verweisen dagegen darauf, dass die Betriebe nun einmal wettbewerbsfähiger seien als die internationale Konkurrenz.

Überrascht sind die DIW-Ökonomen auch darüber, dass der Start des Mindestlohns so reibungslos verlaufen ist. „Wir haben bisher keinen negativen Beschäftigungseffekt des Mindestlohn feststellen können“, resümiert Fratzscher. Zwar war sein Institut ohnehin nicht auf der Seite der Scharfmacher. Aber ein Zucken der Beschäftigungskurve hatten auch die Berliner Wissenschaftler einkalkuliert. Aber nicht einmal Vorzieheffekte zum Ende des vergangenen Jahres habe es gegeben. Das läge freilich auch an der robusten Konjunktur.

Lediglich in einzelnen Branchen könne man feststellen, dass es zu Preiserhöhungen gekommen ist, insbesondere beim Taxigewerbe und in Chemischen Reinigungen. Aber schon beim Blick auf die 25 am stärksten vom Mindestlohn betroffenen Branchen ließen sich keine heftigen Ausschläge bei den Preisen mehr feststellen.

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„Wenn es nicht in die Beschäftigung geht und nicht in die Preise, dann kann es nur in die Gewinne der Unternehmen gehen“, analysiert Ferdinand Fichtner, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik. „Und das ist es ja, was die der Politik gewollt hat: Eine Verschiebung von den Gewinnen zu den Arbeitseinkommen.“

Dennoch mahnt Fratzscher zur Vorsicht. „Es besteht die Gefahr, dass die Mindestlohnkommission wegen der guten Beschäftigungslage etwas drauflegt. Ich warne davor, den Mindestlohn zu hoch anzusetzen.“ Denn mittelfristig rechne er nach wie vor damit, dass die neue Untergrenze 100.000 bis 200.000 Arbeitsplätze kosten könne.

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