Mindestlohn Wirtschaftsexperten warnen vor schnellem Mindestlohn-Anstieg

Nach etwa einem halben Jahr flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland spüren nur wenige Branchen negative Auswirkungen - vor allem in Ostdeutschland. Doch Experten mahnen zur Vorsicht.

Der Mindestlohn schlägt zu – aber nicht überall
8,50 Euro stehen als große Aufsteller vor dem Bundeskanzleramt Quelle: dpa
Jemand trägt einen Tannenbaum Quelle: dpa
Ein Mann steht auf einer Leiter, die an einen Stapel aus Baumstämmen angelehnt ist Quelle: AP
Eine Frau trägt ein Tablett mit verschiedenen Biersorten Quelle: dpa
Ein großes Glas Bier im Vordergrund im Hintergrund der Berliner Fernsehturm "Alex" Quelle: dpa
Lastwagen eines Umzugsunternehmens vor der neuen Zentrale der EZB Quelle: dpa
Eine Friseurin frisiert eine Kundin Quelle: dpa
Jemand zerlegt ein Fleischstück Quelle: dpa
Rostbratwurst Quelle: AP
Erntehelfer auf einem Kohlfeld Quelle: dpa
Ein Mann steckt eine Zeitung in einen Briefkasten Quelle: dpa
Menschen gehen eine Treppe zu einem Arbeitsamt hinauf Quelle: dpa
Ein Auszubildender im BMW-Motorradwerk Berlin Quelle: dpa
Eine Mauer und eine Maurerkelle Quelle: dpa

Eine schnelle Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland ist keine gute Idee, sagen Wirtschaftsforscher. „Ich wäre jetzt erst einmal extrem vorsichtig, den Mindestlohn anzuheben“, sagte der Arbeitsmarktexperte Ronald Bachmann vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Die Einführung der neuen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde zum Jahresstart sei dank der guten konjunkturellen Lage ohne größere negative Auswirkungen gelungen.

Trotzdem sei Vorsicht geboten. „Eine Kombination aus einer sich irgendwann wieder abkühlenden Konjunktur und einem steigenden Mindestlohn könnte sehr gefährlich werden“, sagte der Experte. „Dann würden die Kosten der Arbeit steigen und die Firmen hätten gleichzeitig weniger Nachfrage“, erklärte Bachmann. Damit würde auch der Bedarf an Arbeitskräften sinken. „Und wenn diese gleichzeitig noch teurer werden, ist die Gefahr von Entlassungen sehr hoch.“

Hier spüren Verbraucher den Mindestlohn

Eine Mindestlohn-Kommission soll künftig alle zwei Jahre prüfen, ob der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn der allgemeinen Einkommensentwicklung angepasst werden muss. Die Kommission will erstmals im Mai oder Juni 2016 einen Vorschlag unterbreiten, wie hoch der Mindestlohn ab dem 1. Januar 2017 sein sollte.

Der stellvertretende Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, sagte: „Je höher der Mindestlohn wird, desto größer werden auch die Arbeitsplatzverluste ausfallen.“

Der Mindestlohn habe auch Auswirkungen auf das gesamte Lohngefüge. „Alle, die vorher 9,50 Euro verdient haben, wollen auch mehr verdienen, um den Abstand wieder herzustellen. Das heißt, die Lohnstückkosten steigen insgesamt in Deutschland.“

In den ersten sechs Monaten seien die Auswirkungen des Mindestlohns aus gesamtwirtschaftlicher Sicht überschaubar gewesen, sagte der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner.

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„Wir haben eine kräftige Konjunktur, wir haben eine super Arbeitsmarktsituation und viele Unternehmen haben hohe Gewinne, weil die Energiepreise niedrig sind.“ Das habe es leichter für die Firmen gemacht, den Mindestlohn erst einmal wegzustecken.

„Aber man sollte ein bisschen vorsichtig sein, weil auch wieder schwierigere konjunkturelle Zeiten kommen werden und uns dann möglicherweise noch mal eine Rechnung präsentiert wird“, sagte Fichtner. „Es ist vorstellbar, dass im nächsten Abschwung die Arbeitsmarkteffekte etwas ausgeprägter sind als sie es ohne den Mindestlohn wären.“

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