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Mindestlohn Viele Studien, wenige Antworten

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Zahlreiche Studien

Der Mindestlohn wird auch immer eine Glaubensfrage bleiben Quelle: dpa

Auf wissenschaftlichen Rat kann die Politik nicht bauen. „Es gibt eine Masse an Studien zum Mindestlohn“, klagt Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Datenbasis und Annahmen müsse man genau prüfen. „Pauschale Antworten auf die Frage, wie sich Mindestlöhne auswirken, gibt es nicht.“

Es kommt eben immer darauf an, wen man fragt. Das Bundesarbeitsministerium beispielsweise hat gleich vier Forschungsinstitute untersuchen lassen, ob die acht bereits beschlossenen Branchenmindestlöhne schädlich sind oder nicht. Ursprünglich hatte die FDP auf diesen Test gedrängt. Nun müssen die Ergebnisse als Vorlage für den Schwenk der CDU herhalten.

Das Fehlen von Datenquellen

Ende Oktober gaben die Wissenschaftler ihre Studien ab. Große Verwerfungen haben sie nirgends entdecken können. „Die Studienergebnisse sind eine 8:0-Niederlage für die deutschen Mainstream-Ökonomen“, frohlockte etwa der Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch von der Uni Duisburg-Essen. Sein Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) zählt zu den Verfechtern eines Mindestlohnes – nun hat es im Auftrag von der Leyens geforscht.

Als unantastbarer Beleg für die Schadlosigkeit von Mindestlöhnen können die acht Studien allerdings nicht durchgehen, das geben auch die Ministeriellen in einer ersten Zusammenfassung zu. Sie verweisen auf „das Fehlen von Datenquellen“, „widersprüchliche Ergebnisse“ und den Verzicht auf „fundierte Wirkungsanalysen“. Festzustellen ist eigentlich nur: Die Sache mit dem Mindestlohn ist kompliziert. Aber das hatte man vorher auch schon gewusst.

Mindestlöhne seit 1997

Am sichersten ist das Datenmaterial für den Bau, weil Mindestlöhne hier schon seit 1997 existieren. „Für die Beschäftigung und die Wettbewerbsfähigkeit ließen sich keine negativen Folgen nachweisen“, heißt es in der neuen Analyse für das Ministerium. Federführend für die Branche war das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Thinktank der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit.

IAB-Chef Joachim Möller hatte schon 2007 eine der ersten Studien zum Bau-Mindestlohn vorgelegt. Keine Untersuchung wird von Mindestlohn-Befürwortern öfter zitiert. In Westdeutschland habe die Lohnuntergrenze keine Stellen vernichtet, lautete das Ergebnis. Der zweite Teil der Analyse wird allerdings gern verdrängt: In Ostdeutschland gab es Jobverluste.

An der Methode der optimistischen Studie äußerten Wissenschaftler Zweifel. „Den Autoren ist ein gewaltiger Denkfehler unterlaufen“, hatte RWI-Chef Christoph Schmidt schon vor vier Jahren in einem Kommentar geschrieben. Das IAB hatte die Jobchancen von Mindestlohn-Betroffenen mit denen jener Beschäftigten verglichen, die etwas mehr verdienten. Beide Gruppen seien aber nicht unabhängig voneinander, weil die einen von Jobverlusten der anderen profitierten. Die Kontrollgruppe sei falsch gewählt, vermutete Schmidt.

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