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Mindestlohn, Zeitarbeit, Geschlechter-Lücke Worüber die Politik 2016 streitet

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3) Die Geschlechter-Lücke schließen: Gleicher Lohn für Frauen und Männer

Selten ist mit Zahlen und Daten derart viel Stimmung gemacht worden, wie mit diesen: Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen in Deutschland rund 22 Prozent weniger als Männer. Selten fehlt dann allerdings der Gegenangriff, und der ist ebenfalls munitioniert mit Statistik: Rechnet man nämlich heraus, dass Frauen häufig in schlechter bezahlten Branchen arbeiten, häufiger und Teilzeit und wegen Schwangerschaften nicht so schnell Karriere machen wie manche Männer, dann schrumpft diese Lohn-Lücke auf deutlich unter zehn Prozent.

Ein wesentlicher Teil der Lohnlücke wäre dann nicht mit Diskriminierung, sondern mit individuellen Lebensentscheidungen, Bildung oder gar schlicht Verhandlungsgeschick zu erklären.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat sich dennoch vorgenommen, diesen Graben zuzuschütten. Kurz vor dem SPD-Parteitag Mitte Dezember legte sie Eckpunkte eines Gesetzes vor, die genau den gewünschten Effekt hatte: die Genossen jubelten und die Wirtschaft lief Sturm.

Konkret will Schwesig mit ihrem sogenannten Entgeltgleichheitsgesetz folgendes: Arbeitnehmer (egal, ob Mann oder Frau) bekommen künftig ein Auskunftsrecht, was Kollegen in vergleichbarer Position verdienen, um künftig besser verhandeln zu können; Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sollen zudem über die Geschlechter-Lücke in ihren Häusern mit Berichten Rechenschaft ablegen.

Deutschland



Ebenfalls umstritten sind weitere Vorstöße: So sollen künftig in Stellenanzeigen die Mindestgehälter angegeben und Mitarbeiter von der Schweigepflicht entbunden werden, falls sie über ihr Einkommen sprechen wollen.

Das Entgeltgesetz dürfte zu heftigen Kontroversen führen: Weil die Details so kompliziert sind, taugt der Plan für beide Seiten zur Profilierung: Die SPD will sich als Vorkämpferin für Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte positionieren, die Union wieder als Lordsiegelbewahrer der Unternehmensinteressen, die Bürokratiewahn geißeln.

Diese Schlachtordnung in einem Jahr mit fünf Landtagswahlen und einer heranziehenden Bundestagswahl verspricht blutige Duelle – rein politisch, natürlich.

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